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Gert-August Pannebäcker: Die Bettina und die Monika sind gute Mädchen. Tod am Niederrhein @midnightebooks

In meim Alter is man froh, wenn sich noch einer kümmert! Meine Tochter Bettina liest mir jeden Wunsch von de Augen ab, aber … Meine liebe Gisela hätt auch mal am Tisch gehaun. Hol dir deine Schlappen selbs, du faulen Sack! Ja, datt war echte Liebe mit die Gisela. Nur man sagt ja zu seim Vater nicht, datt er ene faulen Sack is.

Aber irgendwas stimmt nich mit die Bettina. Die is so komisch in letzter Zeit. Hat viel umme Ohren mitte Arbeit und ihrem ollen Vatta. Will aber nich, datt ich ins Heim gehe. Die kann nich loslassen, da isse wie ihre Mutter.

Die Monika is auch so’n Häschen, da muss man sich kümmern, sonst kommtse unter die Räder. Die könnt gern mal die Bettina vertreten beim nach mir kucken, aber datt will meine Tochter ja nich. Typpisch.

Ja, und die Dagmar … Ich kannte die ja nur vom Sehen, aber die war ja von den Olaf Ritter dem seine Nichte. Hübsche Frau, wirklich! Bei uns damals wär die keinen Abend allein nach Haus gegangen! Aber nu isse auch am Friedhof bei ihre Eltern.

Manchmal glaube ich, seit die Bettina bei denen in der Psychiatrie in Dinslaken war, isse in schlechte Gesellschaft geraten. Ich mein – okay, wenn du immer traurig bis, ist datt auch kein Leben. Aber der Michelbrinck, der sieht ja gut aus, aber mit dem kannze doch dein Leben nicht verbringen. Der kann doch nix. Datt hab ich der Bettina immer wieder gesagt, aber die hört ja nich. Is genauso verliebt in den wie die Gisela damals in mich …

Ja.

So is datt Leben.

E-Book, 200 Seiten, ISBN 978-3-95819-141-9, 3,99 €
Taschenbuch, 200 Seiten, ISBN 978-3-95819-930-9, 12 €
http://midnight.ullstein.de/ebook/tod-am-niederrhein/

Mik: Gunnar ist ein Idiot, wenn er Hanna fallen lässt #Schweden-Krimi

Letzter Anruf. Der nächste Schweden-Krimi von Michaela Stadelmann

Hanna ist eine schöne Frau. Klug, durchtrainiert, erfahren. Die ideale Partnerin. Gunnar ist aber zu blöd, das zu erkennen. Deshalb versuche ich bei ihr mein Glück.

Beim Fall Hendrik Ek kam mir Hanna ein bisschen kopflos vor. Klar hätte ich ihr ein paar Untersuchungen ausreden können, dann wäre der Fall schneller gelöst gewesen. Aber ich komme nur selten in ihre Nähe, sie ist ja nicht die einzige Kommissarin hier in Ystad, die die Kriminaltechnik braucht.

Mal sehen, ob ich sie bis Weihnachten soweit habe.

E-Book, ca. 200 Seiten, ISBN 9783940582874, 3,99 €

Briefe aus dem Sturm: Drei Fragen an Magret Kindermann

Wem würdest du gern einen Brief schreiben und warum?
Meiner Klassenlehrerin bis zum Realschulabschluss. Sie hat mich unter anderem in Deutsch unterrichtet und mich stark gefördert.Ständig kam sie mit Extra-Aufgaben zu mir. Einmal schrieb ich eine Klausur mit anderen Fragen als der Rest. Ich weiß nicht, ob diese Sonderbehandlung erlaubt war, aber sie hat mir damit sehr geholfen. Ich würdeihr gerne schreiben, wie viel mir das noch heute bedeutet und was aus mir geworden ist. Ob sie stolz auf mich wäre?

Von wem würdest du gern einen Brief bekommen und warum?
So ganz klassisch von mir selbst aus der Zukunft. Dass ich auf dem richtigen Weg bin und mir keine Sorgen machensoll. Wahrscheinlich genau das, was ich später an mich selbst auch schreiben würde. Aber eine Bestätigung wäre gut, ich könnte besser schlafen. Und dazu bin ich wahnsinnig gespannt auf mein älteresIch! Dazu könnte ich einen Blick auf mein Kind werfen, das gerade in mir heranwächst … Oh, ein verführerischer Gedanke! Ach, vielleicht doch nicht, vielleicht will ich das gar nicht. Lieber kurz und knapp:”Alles wird gut.”

Welchen historischen Brief hättest du vor dem Versand am liebsten überarbeitet?
Ich möchte sagen, dass ich gerne den Abschiedsbrief von Virginia Woolf bearbeitenwürde. So dass sie gerettet werden würde. Dass ihr Ehemann sie gefunden hätte, bevor sie mit Steinen in der Tasche ins Wasser gelaufen wäre. Das ist ein egoistischer Gedanke, ich weiß nicht, ob ichsie damit gerettet hätte. Ich hätte ihr gerne mehr Zeit gegeben, um sie schreiben zu lassen. Menschen sollte man jedoch gehen lassen, wenn sie gehen wollen. Aber es kitzelt in meinen Fingern, sofort dachte ich anihren Abschiedsbrief. Ergreifende letzte Worte einer großartigen Schriftstellerin, die mir nahe gehen.

M. Kindermann, W. Tillenburg (Hrsg.): Briefe aus dem Sturm. Anthologie, Juni 2018, als Print und E-Book erhältlich.

Frank Dresel: Manchmal muss man einfach seinen Job machen. Vergiss für immer #Niederrhein-Krimi

Schon wieder geteilter Dienst und dann auch noch so ein schlimmer Fall. Aber da ich mich bewusst für den Beruf als Polizist entschieden habe, sollte ich mich nun nicht beschweren.
Mit Vicky Steinhauer komme ich nur schwer klar. Sie ist gegen alles, ohne auch nur einen Blick draufgeworfen zu haben. Anscheinend fühlt sie sich in ihrer Haut nicht mehr wohl. Wenn ich ihr Vorgesetzter wäre, würde ich ihr vorschlagen, die Bewerbung für ein Kommissars-Studium zurückzuziehen. Mit der negativen Einstellung tut sie sich echt keinen Gefallen!
Ich möchte noch mal studieren, weil ich weiterkommen möchte. Man kann zwar sein Leben lang Streife gehen, aber mein Ding ist das nicht.

Lektorin ohne Vorurteil: Zwanzig Jahre verheiratet und so gut wie tot

Isabell, knapp vierzig, hat sich eigentlich ganz gut in ihrem Leben eingerichtet. Sie ist verheiratet, arbeitet in einem spannenden Beruf, und Sohn Marc bietet auch keinen Anlass zur Klage. Nur mit ihrem Mann Thomas, nun ja, da läuft es eher auf eine Wohngemeinschaft als auf eine Ehe hinaus. Seit er vor fast zwei Jahren einen schweren Unfall hatte, verkriecht er sich in seinem Reich, dem heimischen Keller. Er kommt nur noch zum Essen und Schlafen nach oben, aber eine Ehe – nein, die führen er und Isabell definitiv nicht mehr.

Isabell, die treue Seele, hält trotzdem zu ihm, bis ihr der wesentlich jüngere Dario sprichwörtlich vor die Füße fällt. Und plötzlich stellt Isabell ihr komplettes Eheleben infrage.

Was ich übrigens nicht nur wegen Lucia Schwarzens wunderbarem Liebesroman völlig in Ordnung finde. Denn mit 40 fängt das Leben erst an!

Lucia Schwarz: Liebe ohne Vorurteil
Print: 9783740751326, 328 Seiten, 11,99 €
Auch als E-Book erhältlich

Beitragsbild: N. Horstmeier traumkuenste.de

Der stille Ruf des Todes: Essstörungen. Welche literarische Form wird ihnen gerecht?

Das Thema hat mich zu Beginn der Recherchen im wahrsten Sinne des Wortes aufgefressen. Ich habe mich abgelenkt, indem ich zunächst den Krimi Schweig still schrieb, um auszuprobieren, ob ich überhaupt Kriminalromane verfassen kann. Nach Abschluss des Lektorats tauchte das Thema Essstörungen jedoch wieder auf, sodass ich überlegte, ob ich dafür einfach einen längeren Atem als für andere Themen bräuchte. Also setzte ich mich erneut an den Schreibtisch.

Ich nahm mir das Konzept „Kriminalroman“ vor, das einen tiefen Einblick in Bereiche bietet, die man gemeinhin als „Abgründe des Menschen“ bezeichnet. Diese Abgründe können unterschiedlich intensiv sein, sodass ein Krimi im Stile von Simenon oder Christie entsteht. Die verschärfte Form findet man in Thrillern, in denen nicht nur darüber berichtet wird, dass Blut spritzt – der Leser ist live dabei. Eignet sich dieser, in meinen Augen zum Voyeurismus neigende Erzählstil für eine so intime Geschichte wie eine psychiatrische Erkrankung?

Es erschien mir zu platt, eine sterbende Jugendliche mit einem „stylischen“ Showdown ins Jenseits zu befördern. In meinen Augen wurde das einer schweren Essstörung nicht gerecht. Und die Gefahr, dass die von Kachexie gezeichnete Hauptfigur in der Ecke der „Bösen“ landete, war mir zu groß.

Also ließ ich die Protagonistin eine Entscheidung treffen, die die Polizei veranlasste, nach ihr zu suchen: Sie wird „unsichtbar“, indem sie wegläuft, und beugt sich damit der Krankheit. Das Ende des Romans ist nichtsdestotrotz tragisch, da es nicht das Ende, sondern den Anfang des nächsten Leidenswegs zeigt, wie er auch in der Realität vorkommt. Ein Happy End gibt es nicht, auch nicht in diesem Krimi.

#Schweden-Krimi Letzter Anruf – hartnäckiger Verschreiber: Gitte melde dich!

Zuerst veröffentlict am 6. Juli 2018

Statusmeldung: Gitte ist zum ersten Mal am Montag aufgetaucht. Trotz heftiger Bemühungen werde ich Gitte nicht los. Ich gitte euch eindringlich um Hilfe!

Der stille Ruf des Todes: Essstörungen. Ein Leben für eine Thigh Gap

Was ist das jetzt wieder für ein Trend, möchte man sich fragen, in der die Spalte zwischen den Beinen einer Frau als modisch gilt? Warum müssen Beine wie Streichhölzer aussehen, um als „schön“ zu gelten? Warum wird diese Thigh Gap als erstrebenswert dargestellt? Und warum glauben das so verdammt viele Leute, statt dem Hungerwahn ein klares „Nein!“ entgegenzusetzen?

Meine Antworten:

  • Weil der Körperkult schon vor Jahrzehnten aus dem Ruder gelaufen ist.
  • Weil anscheinend nicht klar ist, dass man sich umso unwohler fühlt, je dünner man wird, da der Hormonhaushalt nachhaltig beeinflusst wird.
  • Weil zwar ein gesunder, muskulöser Körper eine feine Sache ist, aber die Risiken der Sucht dahinter anscheinend kaum Beachtung finden: Ja, man kann definitiv zu leicht werden, um lebensfähig zu sein.
  • Weil es keine Lobby für Menschen gibt, deren Leben sich mit jedem zusätzlichen Gramm verlängert. Stattdessen werden ihre Befürchtungen, zu „dick“ zu werden, noch gefördert, und das nicht nur von den Medien! Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal darüber gesprochen, abnehmen zu müssen, ohne dass es einen medizinischen Grund dafür gab? Und wann hast du das letzte Mal deiner Freundin / Tochter / Mutter … beigepflichtet, dass ihr 2-5 kg weniger gut zu Gesicht stünden, ohne dass es einen medizinischen Grund dafür gab?
  • Weil das Thema Essstörung aus unerfindlichen Gründen immer noch schambesetzt ist, obwohl schon Models tot vom Laufsteg gefallen sind. Dieser Artikel ist zwar schon von 2007, könnte aber genauso gut gestern publiziert worden sein. https://www.news.at/a/3-models-wieder-hungerhaken-laufsteg-165974 / Nachwort zu Naomi Campbells Satz: Stimmt, die Model-Industrie kann nichts für den Hungerwahn, tut aber auch nichts dagegen. Und alle machen mit.
  • Weil irrwitzigerweise dem Wunsch nach der tödlichen Size Zero, die mit der Thigh Gab einhergeht, in Industriestaaten drei Viertel der Weltbevölkerung gegenüberstehen, die der Size Zero niemals entkommen werden.
  • Weil über die Symptome, die mit stetiger Gewichtsabnahme einhergehen, nach wie vor zu wenig gesprochen wird. Stattdessen werden sie m.E. zu einer Art Lifestyle stilisiert:
    • Depressionen
    • Gravierende Veränderung des hormonellen Haushalts
    • Chronische Schmerzen im ganzen Körper wird fälschlicherweise als enorme Leidensfähigkeit wahrgenommen.
    • Schlafmangel, weil der Kreislauf so instabil ist, dass ein normales Aufwachen vom Organismus ggf. nicht gewährleistet werden kann und der Körper „aufschreckt“, bevor eine Ohnmacht eintritt, mit der die Unterversorgung des Gehirns abgewendet werden soll
    • Gedankenketten, die den Kopf nie zur Ruhe kommen lassen
    • Blutarmut
    • Ausbleiben der Monatsblutung
    • Osteoporose
    • Dauerfrieren, auch im Sommer
    • Die ständige Angst, zu sterben und es gleichzeitig auch zu wollen, weil der Tod das Ende des Leidens markiert

Fazit: Ein Leben für eine Thigh Gap? Never ever!

Hella Eickmann: Klar wusste ich davon! Vergiss für immer #Niederrhein-Krimi

Aber ich kann doch nicht vorhersehen, dass Vera gar nicht damit zurechtkommt. Die wirkte immer ganz normal, bisschen müde vielleicht, aber sonst okay. Und überhaupt muss man sich fragen, ob ich als Bekannte überhaupt dafür zuständig bin, amtliche Hilfe zu holen und ein Riesenfass aufzumachen, damit Vera geholfen wird! Was war denn mit den Eltern? Wieso waren sie nicht da?

Wenn ich Glück habe, kann ich in ein paar Wochen in die Reha. Meine Lehrstelle kann ich auch behalten. Aber wenn ich nur dran denke, wieder beim Dr. Holtkamp zu arbeiten, dann fange ich an zu zittern und kann nicht mehr aufhören. Ich weiß nicht, ob das gut ist.

Schweig still: Schreiben um des Schreibens willen

Wie ich Schweden lieben lernte. Werkstattbericht zum Schweden-Krimi „Schweig still“, Ullstein Midnight

Nach einer Weile des Bloggens und Chattens und Schreibens überkam mich dann aber doch so etwas wie innere Ruhe. Es ist, wie es ist, dachte ich mir Mitte Juni 2016: Nach bald drei Monaten war immerhin ein Drittel der Verlags-Follower auf dem Textflash-Blog gelandet. Den Rest konnte ich unter Karteileichen verbuchen, die wahrscheinlich nur „passiv mitgeklickt“, sich aber nie richtig für den Verlag interessiert hatten und – was auch wichtig ist – auch nichts kauften.

Aber das aktive Drittel, hoho, das war und ist Spitze! Es wird rebloggt und geliked und kommentiert, dass es eine wahre Freude ist. Der Textflash-Blog ist jetzt, wo ich den Post schreibe, kein halbes Jahr alt und hat trotzdem bereits im Juni eine ganze Menge für mich gerissen. Denn da holte ich mir meine Motivation, wenn es beim Krimi-Schreiben mal wieder zäh wurde (und so zäh habe ich es bisher nur selten erlebt). Ich hatte immer wieder mit dem Gedanken gespielt, meine Krimi-Pläne an die große Glocke hängen sollte, damit mich die „Ohs“ und „Ahs“ noch ein bisschen mehr aufbauen oder sich evtl. ein positiver Effekt für meine Tätigkeit als Lektorin daraus entwickelte. Das kam mir jedoch selbst für meine Verhältnisse zu egozentrisch vor – und so schwieg ich und postete fröhlich, was mir an branchenrelevanten Infos in die Quere kam.

Der Krimi dagegen entwickelte sich eher langsam. Das Herunterschreiben, mit dem ich meine Ballettromane wahrlich am laufenden Band produziert hatte, funktionierte hier nicht. Es gab zu viele Kleinigkeiten, die unter einen Hut gebracht werden mussten. Und so kam es, dass ich an manchen Tagen mehr löschte als schrieb oder nach ein paar Zeilen lieber wieder aufhörte, weil ich nicht konzentriert genug war. Will sagen: Es gab jede Menge Frust-Potenzial zu überwinden, und mehr als einmal schwebte mein Finger über dem Delete-Knopf …

Aber mal Drama beiseite: Letztlich habe ich geschrieben, um nach neun Jahren herauszufinden, ob ich das alles wirklich noch brauche. Und dank der erwähnten Ruhe wuchs das Gefühl, dass die Community einen nicht zu unterschätzenden Wert hat, selbst wenn es mit dem Krimi nicht klappen sollte – und auch ohne die sprichwörtlichen Hosen herunterzulassen.

Schweig still von Mikaela Sandberg, ISBN 9783958190894 3,99 €, 200 Seiten

http://midnight.ullstein.de/ebook/schweig-still/

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