Category Tipps & Tricks für die Buchproduktion

Tipps fürs Selbstlektorat: Doppelt Gemoppeltes, alte Sprachen, Auslassungspunkte

Zuerst veröffentlicht am 07.05.2016

Es sind die Kleinigkeiten, die einen guten Text ausmachen. Damit eure Texte künftig auch positiv auffallen, habe ich ein paar Punkte zusammengestellt:

Pleonasmen / Tautologien
Mehrfaches Auftreten eines Bedeutungsmerkmals in einem Ausdruck oder kurz und bündig: zweimal das gleiche sagen. Diese Dopplungen fallen meist beim Korrekturlesen auf und klingen blöderweise oft logisch und besonders treffend. Deshalb hier ein paar Beispiele aus meinen Sätzen, die die Welt nicht braucht:
kurze Shorts
bodenlange Kleider, die bis auf die Erde reichen
alter Greis
gebogene Krummsäbel
weißer Schimmel
entzündete Eiterwunden
helles Licht
helles Sirren; wenn es dumpf sirrt, nennt man es „brummen“
junges Mädchen
lauter Knall, gern auch in der Variante „lauter Krach“
gedrehte Pirouetten (sorry, Alicia 😉

Frug – er fragte: Alte Formen
Klar darf man die verwenden! Ich freue mich, wenn der Bäcker das Brot buk. Aber es muss in die Zeit des Romans passen. Wenn eine moderne Figur die alten Formen in einem Gegenwartstext verwendet, wirkt sie deplatziert oder es steckt eine Absicht dahinter.

Auslassungspunkte
Zwischen Wort und Auslassungspunkten muss ein Leerschritt stehen: Na ja … ich hätte gerne …
Wenn Teile eines Wortes ausgelassen werden, wird KEIN Leerschritt gelassen: Also, ich hätte gerne einen von den gro…
Viele Autoren argumentieren, dass sie mit Auslassungspunkten die Nachdenklichkeit der Figur ausdrücken wollen. Es ist jedoch zu kurz gegriffen, in einem Roman, einer Kurzgeschichte o.ä. die Stimmung nur anhand der Satzzeichen darzulegen. Anders ist es bei einem Drehbuch, wo der Regisseur bzw. der Drehbuchautor nur den nackten Dialog haben, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen.
Bei Lesern ist der Effekt übrigens der Gleiche. Sie lesen die Pünktchen, empfinden es mitunter aber als Bevormundung ihres Kopfkinos.
Wenn ein Autor es nicht mit Worten schafft, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, sollte er sich eingehend mit den Formulierungen beschäftigen, denn Satzzeichen werden ihn nicht retten.

Wie ich’s gern hätte! Wenn ich Autoren ins tiefste Gerundium wünsche, weil sie nicht zwischen Kaulquappenperfekt und Captain Future VI unterscheiden können

Zuerst veröffentlicht am 04.11.2015

Am meisten stinkt mir – und dafür werde ich wahrscheinlich wieder mit entrüsteten E-Mails bombardiert – dass Autoren sich beschweren, wenn ich Anmerkungen zu Grammatik und all dem anderen ungeliebten Kram habe, die letztlich zu meiner Absage führen. (Anm.: Als ich den Text verfasst habe, gab es mein Wunderwaldverlägchen noch.) Damit das klar ist: Ich habe die deutsche Grammatik nicht erfunden. Ich habe früher in der Schule genauso unter schlechten Noten gelitten und jeden ins tiefste Gerundium gewünscht, der versucht hat, mir den Unterschied zwischen Kaulquappenperfekt und Captain Future VI beizubringen. Richtig kapiert habe ich es mit dem Wachstum der ersten grauen Haare (das ging bei mir Mitte 20 los). Und ich behaupte, dass jemand, der sich nach der Regelschulzeit nicht mit derlei Studien foltert, genauso lang braucht wie ich, bis er hinter den Reichtum und die Möglichkeiten dieser fitzeligen Regelungen kommt. Manchmal dauert es einfach ein bisschen länger!

Dass jemand ein Lektorat nicht zu schätzen weiß – na ja, die Welt ist nun mal undankbar, während ich trotzdem eine Runde Spaß hatte. Dass aber aus lauter Trotz genau diese Texte bei Kleinverlagen erscheinen und die gleichen Fehler in den Texten stehen bleiben, ui, das ist arg. Klar, es ist eine Sache der Eitelkeit, dass man sein Machwerk veröffentlichen kann und jeder, der das in die Hand nehmen will, ist erst mal ein (Verleger-)Gott. Aber wenn die Rezis auf Amazon & Co. genau die gleichen Punkte bemängeln, ist der Spaß für den Autor vorbei. Dann hätte er oder sie sich den Weg über den anderen, vermeintlich besseren Verlag sparen können.

Will sagen: Autoren, die sich einerseits aufgrund belegbarer Mängel angegriffen fühlen und sich andererseits blind auf Verleger verlassen, weil sie Honig um den Mund geschmiert bekommen, sind selbst Schuld. Die Watsche kommt spätestens vom Leser (und Leser sind in der Hinsicht gna-den-los …). Denn unter den Kleinverleger-Kollegen sind viele, die keine Verlagsausbildung haben, sondern als Selbstverleger gestartet sind (wie ich), oder die sich dachten: Mei, das versuch ich jetzt einfach mal (wie ich). Es ist viel Learning by doing dabei, und mit der Zeit entwickelt man sich auch als Verleger oder sollte es zumindest tun. Quereinsteiger-Verleger werden meist besser, wenn die Autoren anspruchsvoller sind. Quereinsteiger-Verleger müssen sich trotzdem nicht alles gefallen lassen.

Deshalb meine Bitte an die Autoren: Wenn der Verleger oder der Lektor eurem Text kritisch gegenüber steht, seid nicht beleidigt. Prüft, ob er evtl. Recht hat (was wehtun kann, wenn es so ist, aber mei, man lernt halt ein Leben lang dazu) und überlegt, ob sich eine Überarbeitung wirklich lohnt. Wenn euch ein anderer Verleger lieber ist – auch gut! Aber ihr gebt die Verantwortung wie das Urheberrecht für eure Texte nicht ab, egal wie vehement ihr bei Fehlern hinterher auf den Verleger oder den Lektor zeigt.

Tipps & Tricks für Autoren: Nimm dich selbst nicht so ernst

Zuerst veröffentlicht am 13.05.2016

Du hast „ein Buch“ geschrieben? Das heißt, du hast einen Stift in die Hand genommen und hintereinander weg, quasi im Eifer des Gefechts, mit rasender Genialität und zündenden Ideen zwei Wörter aneinandergeklebt – in etwa so?

Herzlich Willkommen im Olymp!

Mal Scherz beiseite. Wenn wir es als durchschnittliche Mitteleuropäer mit Personalausweis, fester Bleibe, Arbeit und Aussicht auf ein Feierabendbier schaffen, 1000 unschuldige Blätter vollzuschreiben, dann ist das natürlich erst mal ein Fleißkärtchen wert. Aber ob da auf dem Papierstoß etwas Sinnvolles zusammengekommen ist, tja, das steht im wahrsten Sinne des Wortes auf einem anderen Blatt! Und deshalb ist die Aussage „Ich habe ein Buch geschrieben“ mit Vorsicht zu genießen. Zumal diese Tätigkeit hin und wieder zu einem, gelinde gesagt, geschwollenen Selbstbewusstsein führt.

Denn es gibt wichtigere Dinge, als den Günter Grass der Zukunft zu mimen. Schöneres, als sich mit anderen über den Gehalt des Wortes „Elbe“ zu streiten oder darüber Befindlichkeiten zu entwickeln, dass jemand anders aufgrund einer „besseren Verkaufsstrategie“ scheinbar mehr Bücher verkauft. Was machen wir denn, wenn wir schreiben? Bestenfalls eine nette Geschichte erzählen, die der Welt im Großen und Ganzen nichts bringt außer ein bisschen warme Luft, während irgendwo auf der Welt jemand für solche freien Worte verfolgt wird. Oder gefoltert. Oder getötet.

Natürlich hat man manchmal auch etwas zu sagen – und das sollte man auch tun und danach sein Leben in aller Ruhe weiterleben. Denn wir sind nicht mehr als Staub im Wind (Kansas), und nur an die wenigsten Menschen erinnert man sich nach 100 Jahren noch, ohne sich am Kopf zu kratzen und zu fragen: „Was hat der jetzt noch mal genau gemacht?“

Mit diesem Gedanken geht man doch gleich viel entspannter an die Schreibsache heran, oder? Also nicht vergessen: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Auch kein Literatursüppchen.

Tipps & Tricks für Autoren: Verlagssuche

Zuerst veröffentlicht am 07.06.2016

Wenn man sich mit dem Gedanken wohler fühlt, sein Buch bei einem Verlag unterzubringen, gibt es ein paar Dinge, die man als Autor beachten sollte.

Nr. 1: Die Verlagssuche braucht Zeit. Es ist zwar rekordverdächtig, gleich beim ersten Versuch einen Verlag zu finden, aber unwahrscheinlich. Dein Buch hast du ja auch nicht in einer Nacht geschrieben.

Nr. 2: Auch wenn die erste Antwort ein halbes Jahr – oder länger – auf sich warten lässt: Bleib ruhig!

Nr. 3: Der Vertrag liegt vor dir und es juckt dich in den Fingern, sofort zu unterschreiben? STOPP! Nimm dir Zeit. Lies den Vertrag in aller Ruhe. Schlaf drüber. Lies ihn noch mal und sprich mit deinem besten Freund, deiner besten Freundin, deinen Geschwistern, mit wem auch immer, aber tu es! So ein Vertragstext kann einen ganz schön verwirren. Schreib deine Fragen auf und ruf im Verlag an – nur dort kann man deine Fragen beantworten. Wenn du aufgelegt hast, legst du den Vertrag erst mal weg – und schläfst noch eine Nacht drüber. Und wenn es am nächsten Morgen absolut keine neuen Fragen mehr gibt – dann ist der Vertrag vielleicht wirklich reif für eine Unterschrift.

Nr. 4: Du hast unterschrieben und bekommst plötzlich Zweifel? Durchatmen, Telefonnummer raussuchen und den Lektor anrufen. Sprich an, was dich nachdenklich macht. Ich habe als Verlegerin keinen Vertrag nachträglich ändern müssen, denn in fast allen Fällen gingen die Befürchtungen des Autors auf die Aufregung zurück. Es ist einfach verdammt spannend, ein Buchprojekt durchzuziehen, auch für Lektoren und Verleger. Sollte es Gründe geben, die sich nicht ausräumen lassen, ist es zwar nicht immer einfach, einen Vertrag nachträglich zu ändern, aber man sollte sich, wenn es gar nicht anders geht, nicht davor scheuen. Kommunikation gehört zum guten Ton und ist das A & O, wie in jeder anderen Lebenslage auch.

Nr. 5: Dein Buchprojekt wurde vor Monaten abgeschlossen, aber das Buch ist immer noch nicht erschienen? Frag deinen Lektor. Der Verlag plant die Veröffentlichungen mit einem Auge auf dem Geldbeutel, und das kann zu Verzögerungen führen. Lass dir erklären, woran es liegt, dass dein Buch nicht auf den Markt kommt. Sollte man diese Sache nicht zur beiderseitigen Zufriedenheit klären können, schau im Vertrag nach, was man in dem Fall machen könnte.

Nr. 6: Dein Buch ist erschienen, der Verkauf lief ganz gut – und dann wird es Zeit für das nächste Buchprojekt. Wie fandest du die Zusammenarbeit mit deinem Verleger? Wenn du es noch nicht getan hast, dann hol es jetzt nach und gib deinem Lektor ein kurzes Feedback, denn auch Verlage können sich nur verbessern, wenn sie wissen, wo es hakt.

Nr. 7: Und nicht vergessen – immer schön ruhig bleiben 🙂

Tipps & Tricks für Autoren: Bloggen

Zuerst veröffentlicht am 06.06.2016

Das Internet ist eine riesige Spielwiese, die jeder betreten kann, der einen PC und einen Internetzugang hat. Umso schwieriger ist es, auf sich aufmerksam zu machen. Ein Blog kann helfen, sich und sein Buch ins Rampenlicht zu rücken.

Dein Buch Out: Den Blog mit sämtlichen Vorder-, Hinter- und Seitenansichten des Buches zukleistern und an allen Stellen vermerken, wie außerordentlich genial dein Buch doch ist. In: Ein Bild vom Umschlag ist schon mal nicht schlecht, 72 dpi, 300 x 150 px sollte ausreichen, dazu eine kurze Inhaltsangabe und ein Hinweis, in welchen Formaten es dein Buch wo zu kaufen gibt.

Kollegentitel Out: Kollegenhäme ist ein ganz unfeiner Zug, besonders wenn der eigene Internetauftritt nicht besonders professionell daherkommt. In: Kollegentitel vor- und evtl. eine konstruktive Rezension dazuzustellen. So finden sich leichter Multiplikatoren, denn die Freunde des Freundes der Cousine des Uronkels … suchen schon mal nach dem Produkt der Verwandtschaft.

Du schreibst Rezensionen Out: Das Buch eines anderen Autors in Grund und Boden stampfen. Kritik kann töten, böse Worte ziehen im schlimmsten Fall Gleiches nach sich. In: Wenn du gar nichts gutes an dem Buch finden, solltest du es vielleicht nicht rezensieren. Bleib andernfalls objektiv und mache dem ggf. unbekannten Autor konstruktive Vorschläge!

Jemand rezensiert dein Buch Out: Auf eine schlechte Rezension pampig reagieren. Nicht mal die Bestseller haben ungeteilten Zuspruch! Jeder darf seine Meinung vertreten. Niemals zurückmeckern! In: Auch wenn’s schwerfällt: höflich bleiben und überlegen, ob der Rezensent Recht hat. In jedem Fall solltest du deinen Verlag darauf hinweisen oder, wenn du Selbstverleger bist, die Kritikpunkte beim nächsten Projekt im Auge behalten, vielleicht die Anmerkungen zum Anlass nehmen, eine Neuauflage herauszugeben, was aber nur in Extremfällen nötig ist. Hin und wieder haben Rezensenten Recht – manchmal haben sie aber auch nur einen schlechten Tag erwischt.

Vielfalt Out: Sich immer über die gleichen Themen auslassen. In: Um das Interesse auf einem gleichbleibenden Level zu halten, solltest du 3-5 Themen regelmäßig „bebloggen“, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts mit dem Buch zu tun haben. Mach diese Themen zu deinen Themen, diskutiere mit anderen darüber, dann bleibst du interessant und dein Buch auch.

Ganz wichtig: Locker bleiben! Out: Gestelzte Literaturessays, mit denen dein Leserkreis nichts anfangen kann, weil er nicht die richtige Zielgruppe für deine Ergüsse ist. In: Bleib auf dem Boden der Tatsachen. Wenn du keine gedrechselten Sätze hervorbringen kannst, probier es mit ganz normalem Hochdeutsch. Zwischendurch ein witziges Bild einfügen (Quelle angeben!!!), Sprüche posten, auf andere Seiten verweisen. Es tut deinen Lesern gut, die Abwechslung zu entdecken, und dir auch!

Tipps & Tricks für Autoren: Klick- und Verkaufszahlen steigern

Zuerst veröffentlicht am 29.05.2016

Ich habe ja echt viel probiert in den letzten Jahren: Rezis schreiben, Bücher von Kollegen einfach mal empfehlen, auf Messen an allen möglichen und unmöglichen Ständen meine Titel einstellen (nach Rücksprache mit dem Standbetreiter natürlich) und – und – und. Doch ich musste ein paar Jahre warten, bis das Networking und die Effizienz der Geheimdienste so weit gediehen waren, dass es sich tatsächlich lohnt, sich im Netz zu bewegen.

Wie lockt man denn jetzt Besucher an? Weil ich es weiß und nett bin – und das sicher nicht der Stein der Weisen ist, den ich damit präsentiere – verrate ich es euch:

  • Im Dezember 2013 und vor der DSGVO vom 25.05.2018 habe ich diesen Blog erstellt und alles hierher “umgezogen”, was ich bisher über den und zum Verlag geblogt habe und was mir wichtig erschien, denn es gibt neben den staatlichen Stellen anscheinend genug Privatleser, die gern in der Vergangenheit stöbern. Die Zugriffszahlen haben sich seitdem mehr als verdoppelt. (Nein, die Statistik zeigt jetzt nicht 2 statt 1 Besucher!!!).
  • Ich habe eigene Wettbewerbe ausgeschrieben (für Anthologien, Buchverlosungen, Ratespiele) und diese über eine kurze Zeitspanne (max. 1 Woche) beworben. Das war für regelmäßige Besucher etwas nervig, aber sie sind mir treu geblieben. Merci! Als Autor kannst du regelmäßig ein paar deiner Bücher verlosen.
  • Die sozialen Netzwerke habe ich natürlich auch gleich mit allem bestückt, was ich hier rauslasse. Und obwohl es mitunter ein wenig monoton war, haben sich immer mehr Besucher hier eingefunden.
  • Je seltsamer die Posttitel, desto öfter werden sie aufgerufen. Derzeit (Mai 2016) ist die “Lederhose” der Renner (nein, jetzt gibt’s ausnahmsweise mal keinen Link).

Das alles könnte man für Peanuts halten, aber das ist es dann doch nicht. Denn unabhängig von den Verkaufsphasen, die es in der Verlagsbranche gibt, haben sich auch die Verkaufszahlen mit den Blogposts, ihrer Vielfalt und dem ganzen Drumherum-Rebloggen nach oben entwickelt. (Diese Erkenntnis sollten alle Selfpublisher, die nicht wissen, worüber sie bloggen sollen, mit in die Sommerpause nehmen.) Es ist nach wie vor wichtig, Kontakt mit den Lesern zu haben (und den halte ich, wie gesagt) und ehrlich zu bleiben, auch wenn einem mal etwas nicht passt. Und vor allem sollte man mit Kritik umgehen können.

Man könnte auch fragen: Welches Buch geht besser, das über das liebe Kind oder das über die Rotzgöre, der ständig neuer Mist einfällt und deren Schabernack trotzdem immer gut ausgeht? Es wird wohl Letzteres sein.

Schönes Wochenende!

Es war einmal: Was Autoren nicht zu fragen wagen …

Zuerst veröffentlicht am 26.05.2010

… sollte sich eigentlich nur auf die privaten Verhältnisse des Verlegers beschränken. Wer einen Verleger für sein Herzensprojekt findet, darf nicht schüchtern sein!

In letzter Zeit bin ich immer wieder über die “lieben Kollegen” ausgefragt worden, weil es hin und wieder vorkommt, dass ich Manuskripte ablehnen muss (sei es, weil schon ganz viele Sachen geplant sind, sei es, weil es am Text noch einiges “nachzureifen” gibt). Wie denn der XY-Verlag als Alternative wäre, denn über den hätte man schon ein paar nicht so schöne Sachen gehört.

Zunächst einmal: Über Kollegen lästert man nicht. Und schon gar nicht, wenn man mittendrin sitzt 😉 Ich kenne zahlreiche Verleger persönlich, ich kenne ihre Bücher – aber ich kenne ihre Vorgehensweise nicht. Zudem ist mir oft nicht ganz klar, warum sich manche Autoren nicht zu fragen wagen, was sie auf dem Herzen haben, denn letztlich ist und bleibt ein Buch ein Projekt – Kulturgut oder nicht. Es sind Herzenstexte, das ist klar, aber auch in dieser Angelegenheit ist falsche Bescheidenheit hinderlich. Ich spreche nicht davon, dass man den Verleger mit Stichwaffen bedrohen sollte, wenn man etwas gegen eine Textänderung hat, aber die Positionierung der eigenen (Autoren-)Meinung ist das A und O der literarischen Zusammenarbeit. Sonst weiß der Verleger nicht, was der Autor erwartet und kann es nur falsch machen.

Fragen, die Autoren auf jeden Fall stellen sollten
zu Rahmenbedingungen:
– Was kostet mich der Spaß? (Auch Nicht-DKZV können Kosten veranschlagen)
– Wann wird mein Buch veröffentlicht?
– Wann gibt es den Vertrag, das erste Honorar / die erste Marge?
– Wie sieht die Pressearbeit aus?
– Wie sieht es aus mit dem Anschluss an den Buchhandel?

zum Eingemachten:
– Wie läuft das Lektorat ab?
– Wer führt es durch? (Ganz wichtig! Wenn es die Oma ist oder die Nachbarin mit dem Sprachendiplom, kann es große Unterschiede geben! Auch befreundete Deutschlehrer handhaben das Lektorat anders als ein Lektor mit literaturwissenschaftlichem Hintergrund!)
– Wer ist für das Layout des Buchblocks zuständig? (ganz besonders wichtig für die Lesbarkeit!)
– Wer baut das Cover? (Hier evtl. auch versteckte Kosten ansprechen)
– Wie läuft die Druckfreigabe ab?

Verlag ist nicht gleich Verlag, deshalb ist auch die Frage gestattet, warum der Autor ausgerechnet bei diesem Verlag sein Buch veröffentlichen sollte – nicht umgekehrt! Der Autor braucht keinen Verlag, aber was ist ein Verleger ohne seine Autoren? Da darf man schon ein bisschen die Besonderheiten aus dem Verleger herauskitzeln.

Im Gegenzug sollten dem Verleger auch ein paar Fragen erlaubt sein:
– Über welche grundlegenden Kenntnisse verfügt der Autor? Je größer, desto leichter ist der Text zu bearbeiten. Auch: Wie grammatikfest ist der Autor?
– Welche literarischen Erfahrungen hat der Autor bereits gesammelt?
– Gibt es Veröffentlichungen?
– Wie weit geht die Bereitschaft des Autors zur Mitarbeit? Hier höre ich schon die ersten empörten Schnauber, aber die Erfahrung zeigt – auch bei den Kollegen: Es gibt viele Autoren, die nicht wissen, was die Bewerbung eines Buches mit sich bringt bzw. sind nicht bereit, etwas beizutragen (gerne darf es hierzu böse Kommentare hageln), was über ein Interview in der Lokalzeitung und eine Lesung hinausgeht. Bei Kleinverlagen sollte jedoch gemeinsam für das Buchprojekt geworben werden – anders ist es gar nicht möglich, darauf aufmerksam zu machen.

Also, Verleger und Autoren, traut euch! Fragt, dass es nur so knistert!

 

Liebe Textflash: Warum bist du zu Deutschlehrern eigentlich immer so nett?

Lieber Autor,
Lehrer sind Gold wert, und in unserem Fall sind die Sprachlehrer noch schwerer mit Gold aufzuwiegen. Ja, ich weiß um deine Schultraumata und die Langeweile, die dich als Schüler befiel, weil du mit dem Lehrstoff damals nichts anzufangen wusstest. Mir ist klar, dass man Lehreraussagen vergisst, die dir den Sinn der Grammatikübungen zu erklären versuchen. Und ich weiß, dass deine Eltern gern und oft auf dein “Warum muss ich den Shice lernen?!” antworteten: “Weiß ich auch nicht, ich fand’s auch doof.”
Aber bevor du dich als Erwachsener in sauteure Seminare setzt und Grammatikregeln paukst, die du längst kennengelernt hast – bevor du meinst, den Stein der Weisen gefunden zu haben, weil du endlich weißt, wie man Kommas richtig setzt – weil du plötzlich Freude daran entwickelst, Satzglieder zu bestimmen, mach dir klar: Du wiederholst. Ja, du warst in der Schule vielleicht noch nicht bereit, das alles aufzunehmen, was der Duden von sich gibt. Aber es wäre grob alternativ von dir zu behaupten: “In der Schule haben wir nicht gelernt, wie man literarische Texte verfasst!” Denn ihr habt sie mit Sicherheit analysiert und die Merkmale irgendwo festgehalten, bevorzugt in einem Schulheft, das evtl. noch irgendwo existiert. Dass du bis jetzt damit gewartet hast, dieses Wissen umzusetzen, war deine Entscheidung, nicht die deines Lehrers.
Und all das weiß auch dein Deutschlehrer, der dich irgendwann ins “echte Leben” entlassen hat. (Echtes Leben? Was habe ich denn bisher gelebt?) Er wird dir wahrscheinlich nie sagen können, wie frustriert er darüber ist, dass du seine Arbeit einfach vergessen hast. Vielleicht ist er auch nicht frustriert, weil es ihm wurscht ist … Aber er hat das alles schon mal mit dir durchgeackert. Und deshalb haben Sprach- und alle anderen Lehrer, die sich mit uns und dem ganzen Grundlagenwissen abplagen, mindestens ein großes

DANKE SCHÖN!!!

verdient.

Von Jon Harald Søby and others. All authors are listed in the "File versions" section below. - This flag is regulated by Swedish Law, Act 1970:498, which states that "in commercial activities, the coats of arms, the flag or other official insignia of Sweden may not be used in a trademark or other insignia for products or services without proper authorization. This includes any mark or text referring to the Swedish government which thus can give the commercial mark a sign of official endorsement. This includes municipal coats of arms which are registered. Carl Wadenstierna" http://www.notisum.se/rnp/sls/lag/19700498.HTM], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=389852

Wusstet ihr, dass die Schweden sich bis 1901 …

… nennen konnten, wie sie wollten? Das behauptet jedenfalls der Spiegel am 21.12.1955:

Von Jon Harald Søby and others. All authors are listed in the "File versions" section below. - This flag is regulated by Swedish Law, Act 1970:498, which states that "in commercial activities, the coats of arms, the flag or other official insignia of Sweden may not be used in a trademark or other insignia for products or services without proper authorization. This includes any mark or text referring to the Swedish government which thus can give the commercial mark a sign of official endorsement. This includes municipal coats of arms which are registered. Carl Wadenstierna" http://www.notisum.se/rnp/sls/lag/19700498.HTM], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=389852Die Pyramide bröckelt

(…) Daß Schwedens Bürger in so großer Zahl mit ihren Familiennamen unzufrieden sind, beruht auf einer kuriosen Eigenart des Landes: Über 20 Prozent der Bevölkerung, rund 1,5 Millionen von sieben Millionen Schweden, tragen einen der fünf Namen: Andersson, Johansson, Karlsson, Nilsson und Svensson. Auf die beiden ersten dieser Massennamen hören je fünf Prozent der Bevölkerung.(…)
Diese Namenshäufungen entstanden dadurch, daß sich bis zum Jahre 1901 jeder Schwede nennen konnte, wie er wollte. Der Name mußte nur beim Pastor in das Kirchenbuch eingetragen werden …

 

Tipps & Tricks für Autoren: Formatierungen

Dein Buch ist fertig! Und dann hörst du, dass deine Leser dein Buch reihenweise auf Seite 20 zuklappen und beiseite legen. Was ist da schiefgelaufen?

Nr. 1: Die Schriftart, die sog. Fonts. Schnörkelschrift kommt auf Einladungskarten gut, aber im Fließtext kann sie auf die Dauer anstrengend werden. Am besten suchst du dir eine Serifenschrift aus, die nicht allzu viele Schörkel aufweist, aber auch nicht zu wenige, denn sonst wirkt sie wie leblose „Maschinenschrift“.

Nr. 2: Die Formatierungen. Hast du viel Fettes, Kursives oder Unterstrichenes im Text? Nicht gut, weil solche „Auszeichnungen“ es dem Auge erschweren, dem Schriftbild zu folgen. Je weniger Sonderformatierungen im Belletristiktext, umso besser. Lass den Text für sich sprechen!

Nr. 3: Viel Text auf einer Seite. Warum willst du so viele Buchstaben wie möglich auf eine Seite quetschen? Gib ihnen den Raum, den sie benötigen! Eine engzeilig bedruckte Seite liest sich nicht gut und verursacht unter Umständen sogar Kopfschmerzen. Stell die Zeilenschaltung um, verändere die Laufweite zwischen den Buchstaben, druck eine Seite aus und schau dir das Ergebnis an. Zeige diese Seite einem anderen Testleser. Erst wenn du das Gefühl hast, dass alles passt, wende die Formatierungen auf den ganzen Text an.

Nr. 4: Lückentext 1. Deine Seite sieht aus wie eine Kraterlandschaft, weil du viele Absätze eingebaut hast? Überlege, ob du nicht einige davon wieder zusammenführen kannst, denn ein Satz muss nicht unbedingt mit einem Absatz enden. Zudem kannst du mit weniger Absätzen Platz sparen, und der Text liest sich auch noch angenehmer. Stelle auch keine größeren Abstände zwischen den Absätzen ein, denn sonst kommt der Text „wie in Schinkenstreifen geschnitten“ daher.

Lückentext 2. Finden sich in den Zeilen zwischen den Wörtern große Lücken, wende die automatische Silbentrennung an oder bessere von Hand nach, denn auch diese „Löcher“ stören beim Lesen.

Nr. 5: Kopf- und Fußzeilen, Fußnoten und andere Zugaben. Alles, was nichts mit der Seitenzahl zu tun hat, lenkt vom Lesen ab. Bei Sachbüchern, Zeitschriften oder Heftromanen werden Fuß- und Kopfzeile genutzt – nicht jedoch in belletristischen Drucksachen, außer es gibt einen vernünftigen Grund dafür! Fußnoten werden in wissenschaftlicher Literatur eingesetzt. Solltest du in deinem Roman eine oder mehrere Anmerkungen planen, kannst du auf ein Glossar im Anhang zurückgreifen.

Nr. 6: Hurenkinder und Schusterjungen. Das sind keine bedauernswerten Waisen, sondern einzelne Zeilen zu Beginn bzw. am Ende einer Seite. Bisher hat mir noch jeder Setzer solche Seiten zurückgeschickt – vermeide sie also.

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