Wie ich’s gern hätte! Wenn ich Autoren ins tiefste Gerundium wünsche, weil sie nicht zwischen Kaulquappenperfekt und Captain Future VI unterscheiden können

Zuerst veröffentlicht am 04.11.2015

Am meisten stinkt mir – und dafür werde ich wahrscheinlich wieder mit entrüsteten E-Mails bombardiert – dass Autoren sich beschweren, wenn ich Anmerkungen zu Grammatik und all dem anderen ungeliebten Kram habe, die letztlich zu meiner Absage führen. (Anm.: Als ich den Text verfasst habe, gab es mein Wunderwaldverlägchen noch.) Damit das klar ist: Ich habe die deutsche Grammatik nicht erfunden. Ich habe früher in der Schule genauso unter schlechten Noten gelitten und jeden ins tiefste Gerundium gewünscht, der versucht hat, mir den Unterschied zwischen Kaulquappenperfekt und Captain Future VI beizubringen. Richtig kapiert habe ich es mit dem Wachstum der ersten grauen Haare (das ging bei mir Mitte 20 los). Und ich behaupte, dass jemand, der sich nach der Regelschulzeit nicht mit derlei Studien foltert, genauso lang braucht wie ich, bis er hinter den Reichtum und die Möglichkeiten dieser fitzeligen Regelungen kommt. Manchmal dauert es einfach ein bisschen länger!

Dass jemand ein Lektorat nicht zu schätzen weiß – na ja, die Welt ist nun mal undankbar, während ich trotzdem eine Runde Spaß hatte. Dass aber aus lauter Trotz genau diese Texte bei Kleinverlagen erscheinen und die gleichen Fehler in den Texten stehen bleiben, ui, das ist arg. Klar, es ist eine Sache der Eitelkeit, dass man sein Machwerk veröffentlichen kann und jeder, der das in die Hand nehmen will, ist erst mal ein (Verleger-)Gott. Aber wenn die Rezis auf Amazon & Co. genau die gleichen Punkte bemängeln, ist der Spaß für den Autor vorbei. Dann hätte er oder sie sich den Weg über den anderen, vermeintlich besseren Verlag sparen können.

Will sagen: Autoren, die sich einerseits aufgrund belegbarer Mängel angegriffen fühlen und sich andererseits blind auf Verleger verlassen, weil sie Honig um den Mund geschmiert bekommen, sind selbst Schuld. Die Watsche kommt spätestens vom Leser (und Leser sind in der Hinsicht gna-den-los …). Denn unter den Kleinverleger-Kollegen sind viele, die keine Verlagsausbildung haben, sondern als Selbstverleger gestartet sind (wie ich), oder die sich dachten: Mei, das versuch ich jetzt einfach mal (wie ich). Es ist viel Learning by doing dabei, und mit der Zeit entwickelt man sich auch als Verleger oder sollte es zumindest tun. Quereinsteiger-Verleger werden meist besser, wenn die Autoren anspruchsvoller sind. Quereinsteiger-Verleger müssen sich trotzdem nicht alles gefallen lassen.

Deshalb meine Bitte an die Autoren: Wenn der Verleger oder der Lektor eurem Text kritisch gegenüber steht, seid nicht beleidigt. Prüft, ob er evtl. Recht hat (was wehtun kann, wenn es so ist, aber mei, man lernt halt ein Leben lang dazu) und überlegt, ob sich eine Überarbeitung wirklich lohnt. Wenn euch ein anderer Verleger lieber ist – auch gut! Aber ihr gebt die Verantwortung wie das Urheberrecht für eure Texte nicht ab, egal wie vehement ihr bei Fehlern hinterher auf den Verleger oder den Lektor zeigt.

Schlaflos – es war einmal: Von Omen und Open

Zuerst veröffentlicht am 20. Oktober 2014

Letztens ging ich in die Tiefe und kramte meine ersten Erkenntnisse zum Thema Rumänien von 2011 heraus, die ich in Glossen goss und all den Autoren widme, die sich momentan fragen, was man mit Rumänien anfangen kann. (Eine Menge!) Den Audiophilen unter euch empfehle ich die Podcasts STRIGOI aus dem gleichen Jahr, der Rest darf lesen.

Meine Mutter schüttet sich schier aus vor Lachen, als ich ihr von der Krimi-Anthologie berichte.

„Hab ich’s nicht gesagt?“, feixt sie und schneuzt sich kräftig. „Neumodischer Kram! Wenn du Mord und Totschlag willst, dann erzähle ich dir was.“ Sie beginnt ohne Vorwarnung: „Hör zu. Es war die Nacht, als das Haus vom Timihani Misch abbrannte. Die Männer des Dorfes stürzten herbei und löschten die hungrigen Flammen, bis die lodernde Glut und dann nur noch Asche übrig war. Der unglückliche Timihani Misch und seine Familie kamen bei einem guten Nachbarn unter. Dann wurde die Brandwache eingeteilt, zu der auch mein Vater gehörte.“

„Mutti, ich kenne die Geschichte!“, stöhnte ich.

„Ha, aber deine Leser nicht“, widersprach sie und rieb sich die Hände. „Und so stand mein Vater und wachte. Die Unglücksnacht war sternenklar, der Mond stand wie ein großer runder Kuhkäse am Himmel, in der Ferne heulte ein Wolf, der Uhu schrie.“ Ich öffnete den Mund, um sie zu unterbrechen, doch sie fuhr ungerührt fort: „Alles Zeichen der anderen, der dunklen Seite. Mein Vater wusste, dass er nicht einschlafen durfte, denn wo es brennt, ist die Hölle nicht weit … Doch die Müdigkeit packte ihn so heftig, dass er sich in seiner Verzweiflung auf einen Schotterhaufen legte. ‘Nur ein wenig ruhen, nicht einschlafen’, sagte er sich, hörte wieder den Wolf heulen, das rauschende Gefieder der Nachtvögel, das Fiepen einer Ratte …“

Ihre Stimme war immer leiser geworden. Ganz sacht stupste ich sie an, bevor ihr die Augen zufielen. Sie schreckte hoch.

„Und dann?“, fragte ich betont arglos.

Sie brauchte einen Moment. „Dann“, sagte sie und unterdrückte ein Gähnen, „dann spürt er plötzlich etwas Feuchtes im Gesicht – die Feuerdrud ist zurückgekehrt und bedeckt ihn mit ihren schleimigen Todesküssen! Schwer sitzt sie auf seiner Brust, um ihm das Leben auszusaugen, stinkendes Knurren lässt den Boden vibrieren. ‘Hilfe!’ schreit er laut, stößt die gespenstisch weiße Drud weg und taumelt am Rande des Jenseits auf die Beine. Die Drud jagt mit fliegender Mähne davon, im gleißenden Mondlicht laut ihre Verwünschungen gegen ihn bellend.“

Mutter keucht.

Ich überlege einen Moment. „In Rumänien gab es immer freilaufende Hunde, oder?“

„Ach was, Hund, das war …“

„Am Ende ein Herdenhund?“, bohre ich nach.

Zögernd nickt Mutter. „Ein ungarischer Heuhaufen auf vier Beinen.“

„So so. – Ich kannte die Geschichte aber schon“, wiederhole ich mich, bevor sie sie noch mal erzählt.

„Du darfst dich auch mit deinem rumänischen Krimi herumärgern“, bietet Mutter mir listig an.

Gott bewahre!

Schlaflos – es war einmal: Zauberformeln

Zuerst veröffentlicht am 14. Oktober 2014

Letzte Woche ging ich in die Tiefe und kramte meine ersten Erkenntnisse zum Thema Rumänien von 2011 heraus, die ich in Glossen goss und all den Autoren widme, die sich momentan fragen, was man mit Rumänien anfangen kann. (Eine Menge!) Den Audiophilen unter euch empfehle ich die Podcasts STRIGOI aus dem gleichen Jahr, der Rest darf lesen.

Ja, es ist nicht leicht. Um nicht zu sagen: Es ist eine Sauarbeit. Geradezu höllisch, ohne Aussicht auf Besserung. Denn wir durften ja schon feststellen, dass die lateinischste aller lebenden Sprachen auf Biegen und Brechen beugt, was zu beugen geht, und wenn das so weitergeht, beuge ich mich der sprachlichen Höllenmacht und …

Der einzige Umstand, den man dem Land zugute halten könnte ist der, dass Rumänien einen König hat. Politisch ist er zwar nicht mehr der Rede wert. Aber wo ein König, da ein Königreich und mit ein wenig Glück auch ein wenig Zauberei. Vielleicht. Irgendwann …

Immerhin sprechen um die 23 Millionen Menschen diese verdammte Sprache, ohne verrückt zu werden. Ein tiefer Seufzer entringt sich meiner Brust. Ich werde NICHT aufgeben. Schließlich geht es auch um so was wie meine Ehre. Und wie es sich für eine richtige eroina gehört, bediene ich mich der Hilfen, die ich habe. Schauen wir mal, wo sich der Sidekick aufhält, der in Hollywood bei unerträglicher Spannung für erlösende Lacher sorgt.

Und dann braucht man noch einen Eremiten oder einen Mentor und schwupp: da sind sie, die Wurzeln … versteckt in der Übersetzung des „Land des Bösen“, in ţara răului.

Trebuie să-m recunosc rădăcenii. Ich kehre zurück zu meinen Wurzeln, sprich: redetschini, klingt wie Radieschen. Lecker. Hey, das ist cool! Gleich geht’s mir besser, ich packe den Wanderstock fester und marschiere weiter.

Da, ein Und-ich-und-auch! Wenn mein Vater dieses Ungetüm anbrachte, hielt ich es für ein Wortspiel, aber es heißt tatsächlich şi eu şi tu. Diese unverbrüchliche Ehrlichkeit der rumänischen Lebenseinstellung hat wohl so manchem das Leben gerettet: wenn ja, dann für immer. Und funktioniert nicht so der immerwährende Kreislauf des Lebens? Pîna te calcă nevoia sau te ia dracul, bis dich das Elend tritt oder der Teufel dich holt – von Ewigkeit zu Ewigkeit, în vecii vecilor … Wundert man sich da noch, dass dieses Land niemals von einem anderen gefressen wurde, sondern mit grammatischen Rätseln, Gehirn zersetzenden Übersetzungsfallen und einer Auswahl an Begriffen, die pro Vokabel 2-3 Alternativen bereithalten, überlebte? Glorie eleyson! Es lebe die geistige Größe in der Steppe des Ardeal! Mir wird ganz wirr ob der psychischen Überlegenheit. Das Ziel vor Augen, krieche ich gebeugt & gebeutelt weiter auf die gloriose Gestalt zu, die meine Rettung in der Hand hält: das goldene Wörterbuch.

„Du bist gekommen, bine aţi venit“, verkündet die Stimme des allwissenden Eremiten. „Bine v-am găsit“, röchele ich erschöpft und breche auf dem Langenscheidt zusammen. Ich habe dich gefunden. Wobei ich bei Letzterem noch nicht ganz sicher bin, ob es wirklich so ist – mit all den Sprachfallen …

Es war einmal: Yps – Black and White

Zuerst veröffentlicht am 27. August 2014

Sommerkonserve von Bettina Unghulescu

Unsere Ypsiade ging weiter. Wir ließen uns von gar nichts beeindrucken, schon gar nicht von Unfällen und / oder Missgeschicken. Die Welt zu entdecken war ein Abenteuer, von dem man sich einfach nicht abhalten lassen konnte! Und deshalb schlug die Detektiv-Serie bei Luca und mir wie eine Bombe ein.

Nicht genug damit, dass man jetzt mithilfe des Phantombuches tausenderlei Grimassen zusammensetzen konnte. Man hatte aufgrund diverser Ausrüstungsgegenstände u. a. die Möglichkeit, Fingerabdrücke sicherzustellen – etwas, das wir aus amerikanischen Krimiserien kannten und was uns sehr mysteriös und auch gefährlich vorkam. Denn wenn unsere Mütter auf die Idee kämen, ebenfalls Fingerabdrücke an Keksdosen und Schokoladenschränken zu nehmen … !

Vorab wollten wir uns selbst vergewissern, dass unsere Fingerabdrücke gar nicht soooo weit verbreitet waren und wenn doch, wo man sie finden konnte. Deshalb hatten Luca und ich je ein Heft mit dem legendären Fingerabdruckpulver in Schwarz und Weiß erworben. Einträchtig saßen wir in Lucas Wohnzimmer auf dem roten Perserteppich (vielleicht war er auch woanders geknüpft worden) und lasen die Gebrauchsanweisung. “Also. Helles Pulver für dunkle Flächen, dunkles Pulver für helle Flächen. Ist ja logisch”, brummte Luca. “Dann die Abdrücke mit Tesafilmstreifen sichern.” Zum Glück hatte ich die große Rolle Paketklebeband mitgebracht. Damit hätte man selbst Elefantenfußspuren in der Butterdose für die Ewigkeit konservieren können.

Unser erstes Ziel hieß Vorratsschrank im Durchgang zum “großen Wohnzimmer”. Und weil wir wahrscheinlich so aufgeregt und so gespannt waren, an welchen Süßigkeiten wir uns in der Vergangenheit am meisten vergriffen hatten, rissen wir die erste Tüte mit dem hellen Pulver gleich an Ort und Stelle auf, will sagen: auf dem roten (Perser-)Teppich. Wir rissen sie so gründlich auf, dass die Tüte in der Mitte entzwei ging und der Inhalt sich gleichmäßig auf und um uns herum verteilte. Gleichmäßiger Schnee bedeckte den Teppich – Weiß auf Rot, hübsch anzusehen.

In der ersten Panik stürzte Luca nach einer Kleiderbürste los und verrieb das Pulver so gleichmäßig, dass wir es nicht mal mit dem anschließend eilig herbeigeholten Staubsauger herausbekamen. Die Teppichbürste lieferten wir, weil wir sie im falschen Moment fallen ließen. Somit verschlossen wir in unserer kindlichen Naivität die Augen und hofften, dass sowieso niemand die Flecken auf dem Teppich bemerken würde – auch wenn er jetzt so rot-weiß leuchtete wie eine gescheckte Kuh.
Stattdessen begaben wir uns zu den geheimen, in weißen Schränken gelagerten Küchenvorräten, wo wir uns hin und wieder ebenfalls mit Mutters Schokolade versorgten (natürlich in Sorge um ihre Figur). Aber wahrscheinlich waren unsere kleinen dicken Finger schon so schwitzig und dysmotorisch, dass die Tüte mit dem schwarzen Pulver ebenfalls entzwei ging. Eine schwarze Wolke senkte sich auf alle weißen Küchenmöbel, und wir bekamen einen großen, gemeinsamen Niesanfall. In der Staubschicht konnte man prima malen, aber das wäre selbst einem blinden Elefanten in der geschlossenen Butterdose aufgefallen – somit versuchten wir der Sache mit Lappen und Wasser zuleibe zu rücken. Das Ergebnis war ein postmodernes Streifenmuster, wohin man auch schaute. In meiner Not kam ich darauf, die Paketkleberolle umzufunktionieren und sie wie einen Fusselroller zu benutzen (als ich vor Aufregung darauftrat und mir den Fuß verknackste). Und das funktionierte reibungslos.
Die Rolle wurde kleiner, unsere Herzen leichter, und am Schluss knüllten wir die geschwärzten Klebestreifen zusammen und stopften sie nach ganz unten in den Küchenmülleimer. Wenn es schon nicht zu Detektiven reichte, wollten wir wenigstens wie “richtige” Verbrecher alle Spuren verwischen. Leider war Lucas Mutter schon damals sehr gründlich. Sie hatte am vergangenen Tag erst eine neue Mülltüte hineingelegt und wunderte sich, dass sie schon wieder voll war. Ihre Verwunderung folgte nach der langen, lauten Strafpredigt bezüglich der Kuhflecken auf dem (Perser-)Teppich. Meine Mutter verdonnerte mich zur Anwendung unserer Teppichbürste, mit der ich alle Flecken in kürzester Zeit entfernt hatte. Die zerstörte Bürste brauchten wir nicht zu ersetzen, da schon eine neue in einem Kellerschrank auf ihren Einsatz wartete.
Seitdem durchzuckt es mich heiß, wenn ich eine durchsichtige Paketkleberolle erblicke oder sie benutzen muss. Und ich hoffe, niemand verrät meinem Coach, dass ich nach Gebrauch regelmäßig mit einem weichen Lappen meine Fingerabdrücke entferne …

Zuerst gepostet am 12. Juni 2010

Es war einmal Bettina Unghulescu, all inclusive Teilzeit-Autorin-Verlegerin: Das Geheimnis deines Erfolges

 

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 22. Juli 2014

„Eigentlich vertrödelt man viel zu viel Zeit damit, sich wie ein Autor zu fühlen“, meinte ich, das Alter Ego Autorin, gestern und fügte nach kurzem Nachdenken hinzu:. „Aber das Feeling ist eine feine Sache.“

„Allein mit Feeling verkaufst du aber noch kein Buch“, widersprach die Verlegerin, also ich. „Dabei ist es so einfach, vor dem Feeling ein paar Handgriffe zu erledigen.“

„Ach …“ Unentschlossen bohrte die Autorin im Blumentopf herum. „Als Autorin hat man doch schon die Hauptarbeit geleistet, oder willst du behaupten, dass die Texte sich von alleine schreiben?“

„So was konzeptloses habe ich ja noch nie gehört!“ Entschlossen schob die Verlegerin den Schreibtischstuhl zurück. „Schluss jetzt mit der Schmusetour. Heb deinen Hintern und auf geht’s in die Verkaufshallen der Literatur!“

„Nicht meine Baustelle.“ Genüsslich leckte die Autorin den Milchschaum von ihrem langen Löffel. „Bin viel zu beschäftigt mit dem nächsten Buchprojekt, weil du weißt ja, dass Liebesromane nicht nur einträglich sind, sondern auch genial-fulminant verfasst werden wollen, bevor sie einen reich machen, um …“ Erschrocken verstummte sie. Der Blick der Verlegerin schien aus den Augenhöhlen eines rachsüchtigen Dämons zu kommen, der gerade seine Strafe in der Hölle absaß. „Das habe ich auch nicht gehört“, knurrte sie. „Aber du hörst jetzt zu, meine Liebe. Ich verrate dir ein Geheimnis, das Gold wert ist. Nur damit wirst du von deinem Geschreibsel leben können.“

„Glaub ich nicht“, gluckste die Autorin. „Wobei … schlechter können die Umsätze ja nicht mehr werden. Noch muss man ja nichts dafür bezahlen, dass man NICHTS umsetzt.“

„Eben. Und damit unsere Distributoren gar nicht erst auf die Idee kommen, kriegst du jetzt eine Schulung in Micromarketing. Also sperr die Lauscher auf!“

Eine Aura umstrahlte den Kopf der Verlegerin, Engelschöre ließen ihre Elegien ertönen, und von irgendwoher verlegte sich ein roter Teppich von ganz allein quer durchs Büro. Wie gebannt lauschte die Autorin mindestens 30 Minuten den Ausführungen der allwissenden Verlegerin. Ihre wohltönende Stimme überwand Hindernisse, Kümmernisse und Versäumnisse der privat schreibenden Zunft und erreichte endlich, nach einem schmerzlichen Aufstieg auf den Berg der Göttlichkeit, das Herz der Autorin. Und da wusste sie, dass es wirklich nur dieser drei Regeln bedarf; drei, die anzuwenden sie bis ans Ende ihrer Tage mit Freuden erfüllen würde …

Schließlich erlosch der Heiligenschein der Verlegerin. Die Feierabendglocke veranlasste die Engel, die Kutten zu raffen und über den roten Teppich wieder in ihre Wolkenheime zu flitzen. Auch die Verlegerin war wie von Zauberhand plötzlich verschwunden. Und der Autorin, also mir, blieben nur drei flüchtig hingeworfene Slogans, bezeichnenderweise mit Goldfarbe auf Bütten geschrieben:

1. Wer schreibt, der bleibt.

2. Vernetze dich mit allen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind.

3. Tu Cooles und blogge drüber.

Und die Autorin stand auf und ging hin und folgte den goldenen Regeln des Erfolges. Und wenn sie nicht ein virtuelles Wesen gewesen wäre, dann träumte sie wohl heute noch.

Bis zur nächsten Glosse zum nächsten Thema!

Eure Teilzeit-Autorin Bettina

Es war einmal Bettina Unghulescu, die Teilzeit-Autorin: Weg mit der Glasur!

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 18. Juli 2014

Jaja, ich weiß, was ihr schon wieder denkt: Jetzt haut Madame Autorin mal wieder auf die Soße … Gestatten, mein kreatives Alter Ego meldet sich zurück! Korrekt gekleidet und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, aller vierzehn Sinne und dem Wissen, dass Glossen eher als Glösschen betrachtet werden, so lange sie nicht a) von einer bekannten Persönlichkeit b) einem Mann c) dem Individuum einer aktuell ins kollektive Gedächtnis gerutschten Minderheit verfasst wurde, deren Zugehörige sich von westlicher Welt recht frei definieren lassen.

Oh Mann, was hat sie denn jetzt schon wieder?! Will sie einen Dialog mit der Verlegerin in ihr provozieren und ihre gespaltene Persönlichkeit plump im Licht der Öffentlichkeit präsentieren, uns mit gedrechselten Sätzen quälen oder fällt dem Gespann Verlegerin/Autorin derzeit nichts ansprechenderes ein?! Ha! Ignoranten! Dabei geht es um das Wichtigste überhaupt: den Inhalt!

Hin und wieder verlasse ich bzw. verlassen wir unseren Schreibtisch und treten in die Welt hinaus. (Nein, das war der andere, der Pluralis Modestiae. Nicht der mit der Krone!) Das führt dazu, dass wir eine Tageszeitung in die Hand nehmen. Und wir lesen eifrig, was sich da draußen in der Welt tut: Eurokrise und Eurogewinner, Rettungs- und Regenschirme, Kriege und Klima, Reformen und Rubbeldiekatz. Alles drin, was uns die Augen übergehen lässt. Die Verlegerin denkt: „Owei, noch immer Krieg in Israel. Noch mehr Öl im Atlantik. Und dann die ermüdenden Streitereien im Parlament …“ Und die Autorin denkt: „Boah, was für eine Steilvorlage für einen Plot: Dooms Day wegen Wasserknappheit! Der Held rudert verzweifelt im Gummiboot gegen den Ölteppich vor der mexikanischen Küste! Böse Politiker bereichern sich und treten die Welt in den Abgrund! Dazu muss man doch was schreiben!“ Und zum Leidwesen der Verlegerin liegt wenig später das nächste Epos à la Herr der Ringe auf ihrem Schreibtisch, in dem am Ende der muskelbepackte, wahlweise spillerige Held mit Ausgleichs-IQ von 140 die blonde, wahlweise bebrillte Heldin an sich zieht und ihr einen Kuss auf die Nase schmatzt. Oder auf den Hals. Oder den Hin… na ja, ihr wisst schon. Die Message ist so clear wie Closebrühe: Sex sells sogar die schlimmste Bedrohung. Zufrieden stellt die Leserschaft das Werk ins Regal und wartet auf den nächsten Blockbuster. Und das war’s dann.

Nachahmer gibt es zu Hauf. Da wird gedichtet, geschrieben, gerätselt, hin und wieder sogar recherchiert und mit Schweiß auf der Stirn bei Nacht und Nebel die Elektronik gequält, dass es raucht. Der nächste Schinken landet im abrufbaren Äther. Der Leser liest, seufzt wohlig und … so könnte es bis zum Sankt Nimmerleinstag weitergehen. Alone, wo bleibt die Nachhaltigkeit? Und wieso muss es immer das gleiche Schema sein? Okay, es gibt Genres, zu denen greift man, weil man nichts anderes erwartet: Erotik zum Beispiel kommt schlecht mit heraklitischen Diskussionen rüber. „Hegeln“ hat nichts mit Handarbeiten zu tun, auch wenn man noch so viel im Buch „Der amerikanische Quilt“ blättert. Und homerisches Gelächter – nun, das ließe sich schon irgendwie einbauen, aber ob der Leser dann noch freudig erregt ist? Vielleicht könnte man mit Pythagoras etwas über Dreiecksverhältnisse sagen. Aber schon die Andeutung welcher Wissenschaft auch immer wirkt verkaufshemmend, wie fast jeder Ausbruch aus den bekannten Schemen.

Zum Beispiel Science Fiction. Das ist ein Männergenre. Ja, schauen Sie ruhig empört. Und dann greifen Sie zur Lupe und suchen Sie die weiblichen Helden, die sich, ohne jegliches Klischee behaftet, durch den Weltraum schlagen. Nur mal so, falls Sie nichts anderes zu tun haben. Was fällt auf? Gar nichts. Weil es solche ungenormten Heldinnen in der SF (fast) nicht (mehr) gibt. Ich hatte spaßeshalber mal ein Exposé angeregt, in dem ein Frosch als Kommissar die Morde auf einem Raumschiff untersucht, die passenderweise von Topfpflanzen verübt wurden. Die Resonanz war verhalten, weil zu wenig Technik vorkam. Trotzdem hat CoLork siegreich das Abenteuer gelöst, auch wenn es zwischendurch ein paar ekelige Stellen gab, da Frösche sich unter anderem mit der Zunge orientieren. Mutig griff ich danach zum historischen Weltatlas und ließ einen ungarischen Offizier mit dem österreichischen Schiffskommandanten zusammenstoßen. Damit ging ich aber so was von im Weltraumozean unter, das können Sie sich nicht vorstellen. Es lag nicht an den Namen Gyula Andrássy und Franz-Joseph. Auch nicht an der Tatsache, dass allgemein Unkenntnis darüber herrschte, dass ich mich historisch belegter Namen bediente und den guten alten Sisi-Joseph-Gyula-Konflikt der Donaumonarchie herauskramte (darauf ist niemand gekommen). Sondern es ging einzig und allein darum, dass dieser Konflikt zwar interessant werden konnte, aber nicht im Schema lag. Schade!

Zum Beispiel Hautfarbe eine Überlegung: Lass 21 % der Weltbevölkerung der „weißen Rasse“ angehören – viel Platz also noch für alle Farbfreudigeren. Trotzdem finden sich (nicht nur) auf dem europäischen Markt nur wenige Titel mit anderen Helden als dem hellhäutigen, blonden, blauäugigen, blö… in vielen Bereichen bewanderten. Warum eigentlich? Zudem muss es wohl so sein, dass eine weibliche Heldin (wahlweise straßenköterblond, braun- oder schwarzhaarig) wenigstens eine geheime oder besondere Kunst beherrscht: Taekwondo im Mittelalter, erlernt von durchreisenden Sarazenen (nicht Sarrazins, die wurden damals kurzerhand selbst abgeschafft, weil kurzsichtig und somit nutzlos für die Gesellschaft!), die Zauberei im erdachten Steampunk-Viktorianismus, vermittelt von zu viel Zeit an dampfigen Waschmaschinen, Nanotechnologie in der Moderne, aufgesogen beim Studium eines ungeplanten Reaktorunfalls. Wenn die Helden nicht weiß sind, so haben sie zumindest weiße oder hellere (reichere / schönere / klügere) Freunde. Und zumindest entdecken weniger gut ausgestattete Protagonisten irgendwann ihre sinnliche Seite – ein Fehltritt pro Titel ist definitiv erlaubt, wenn (wie in vielen Fällen) das Herrschaftsverhältnis weißer Mann / farbige Frau gewahrt bleibt. Aber wird man damit wirklich der Kunst gerecht?

Werfen wir mal einen Blick auf den Buchmarkt anderer Kontinente, so sie einen haben. Afrika zum Beispiel. Da sind nicht nur die meisten Bewohner mit dunklerer Haut ausgestattet als wir – dort gibt es auch mehr Dialekte, als wir Europäer sie jemals zustande bringen könnten. Trotzdem hat es gedauert, bis ein Europäer sich endlich mal aufgerafft und die Dialekte samt der Geschichten in irgendeiner Form erfasst hat, die bis dahin über ungezählte Jahre mündlich weitergegeben wurden (Märchen eben, wie wir ein wenig abfällig sagen würden, oder? Hand aufs Herz!). Viel schlimmer ist jedoch, dass man dort den hier liebgewonnenen Luxus gar nicht in dem Maß zu kennen scheint, einfach zu tippen, was einem gerade durchs Hirn rauscht – entweder wurde die Fähigkeit des Schreibens nicht erlernt, die aktuell regierende Gruppe verbietet die Meinungsfreiheit oder – Achtung! – man hat Wichtigeres zu tun als zu schreiben. Nahrung sammeln, zum Beispiel. Wasser holen. Sich miteinander unterhalten. Solche Sachen eben. Andere wiederum stürzen sich und ihre Familien wissentlich ins Unglück, weil sie Zugriff auf die „neuen“ Medien haben und sie auch für ihre Belange nutzen möchten, um vielleicht etwas gegen die politischen Ungerechtigkeiten in ihrem Land zu tun oder den Rest der Welt darauf aufmerksam zu machen. Weil es nötig ist und es eine Novelle à la Nackenbeißer nicht tun würde (Wir werden unterdrückt – stopft euch ein Plastikgebiss in den Mund und lest Vampirromane!!!). Solche reale Berichterstattung sorgt für geradezu unerträgliche Spannung, denn sie ist absolut anti-fiktiv und hat – um Himmels Willen – meist die Botschaft: Helft uns! Wir schaffen das hier nicht alleine. Während wir ein wenig gelangweilt den nächsten Post bei Facebook anklicken und einen fröhlichen Kommentar ablassen … statt wirklich aktiv zu werden …?

Mein Fazit dieser gar nicht so lustigen Glosse lautet diesmal: Nutzt eure Freiheit, schreiben zu können, was ihr wollt. Schreibt Schund, damit ihr etwas für euch tut, aber schaut euch auch den Rest der Welt an. Wenn unsere Kinder fragen: „Was hast du getan, um zu verhindern, dass die Welt vor die Hunde geht?“, dann ist die Antwort „Ich habe den 365.000.000 Backstein zum Thema ‘Boy Meets Girl’ verfasst“ vielleicht nicht das, was eure Kinder hören möchten. Lest alle Zeitungen, die ihr lesen könnt, statt euch in Kleinkriegen mit Autoren / Verlegern / Buchhändlern zu verlieren. Vermittelt euer Wissen denen, die nach uns kommen – geht in Schulen und bietet Literaturkurse an, damit die nächsten Generationen begreifen, warum Sprache und Lernen so wichtig für die Zukunft sind. Seid nicht beleidigt, wenn jemand eure Texte kritisiert, sondern stellt euch den Qualitätsdiskussionen und entwickelt euch weiter! Wir haben so viel Zeit, Geld und Freiheiten, unsere Gedanken mitzuteilen, dass es schon fast zu schön ist, um wahr zu sein. Niemand will wissen, wie viel Kaffee wir trinken und wie toll wir sind (von unserer Sorte gibt es derzeit ca. 7 Milliarden auf der Erde), aber wir brauchen etwas, das wichtiger ist als die literarische Nabelschau des Einzelnen. Auch Literatur sollte sich zügig in Richtung „Nachhaltigkeit“ entwickeln, sonst mutiert unser ach so gelobtes Volk der Dichter und Denker zu einem Haufen degenerierter Egozentriker, die den Blick für das Wesentliche verloren haben, weil sie nicht mehr wissen, dass nur der bleibt, der schreibt – Ruhm und Reichtum mögen sich einstellen, sind aber für die kulturelle Entwicklung erst mal unwichtig.

In diesem Sinne rege ich zu nahrhaften Texten an, voller guter Ideen und ohne Seifenblasen!

Confessions Of A Storyteller: Die liebe Familie

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 16. Juli 2014
Anm. der Verlegerin: Man merkt, dass es mit Alicia aufwärts geht. Und dass sie immer tiefer ins Nähkästchen schaut, um daraus zu plaudern, hat was 🙂

Boah, gab das einen Aufruhr, als im April 2013 der Brief mit dem Verlagsvertrag auf dem Tisch lag! Kind & Kegel überschrien sich fast vor Begeisterung, als ich am Abendbrottisch mit dem unterschriebenen Exemplar wedelte und stolz verkündete: “Jetzt bin ich offiziell Autorin!” Das gute Stück wäre beinahe in Fetzen gegangen, so eilig wollte jeder lesen, was die Verlegerin und ich vereinbart hatten.
Zuerst war die Begeisterung groß. Meine Älteste musste unbedingt allen ihren Freunden mitteilen, dass ihre Mutter jetzt eine JKR wäre, also ein Klon der Harry-Potter-Erfinderin und bald so reich, dass wir in absehbarer Zeit unsere Residenz im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen beziehen könnten. Um dieser Aussage Nachdruck zu verleihen – und wohl auch, um mich anzuspornen – lud sie gleich alle zur großen Einweihungsparty ein.

Die Begeisterung ließ, wie das so ist, nach zwei Wochen ein bisschen nach, denn es waren ja noch rund 5 Monate bis zur Veröffentlichung des ersten Bandes. Die Arbeiten, die jetzt auf mich zukamen – Verbesserungen nach dem Lektorat, Coverbesprechungen und -termine, schließlich die nervenaufreibende Sichtung der Druckfahne bis zum Abwinken etc. -, wurden ungefähr bis Anfang August auch billigend in Kauf genommen. Dann begannen die bayerischen Sommerferien und damit die “veranstaltungsfreie Zeit” für Kinder, in der es für Eltern manchmal etwas kniffelig ist, gegen die Superprogramme der Vorzeigefamilien im Viertel anzustinken. Die Große zog sich, vom neuen Haus träumend, in ihr Zimmer zurück und hörte den ganzen Tag irgendwelche Strandschlager. Bestimmt stellte sie sich dazu das passende Ambiente in unserer “neuen Residenz” vor. Die gibt es übrigens immer noch nicht und es wird sie wahrscheinlich auch nicht geben, denn erstens verdient man als Jungautor noch nicht so viel, dass man mit dem Ertrag ohne Not um sich werfen könnte, und zweitens habe ich nicht vor, mir eine Putzfrau einzustellen – oder glauben Sie, ich kümmere mich freiwillig um so einen riesen Luxuskasten?
Die Kleine war eher drauf aus, die Fortsetzung so schnell wie möglich in die Griffel zu bekommen. Die Bände 3 und 4 waren aber noch längst nicht soweit, dass ich sie jemanden hätte zeigen wollen. Und so hatte ich entweder die Große im Nacken (“Meine Freunde wollen wissen, wann wir endlich umziehen!”) oder die Kleine auf dem Schoß, die es spaßig fand, mir beim Schreiben der Fortsetzung zuzuschauen und mich mit ihren Tipps aus der Fassung zu bringen. Nun denn! Die Entwicklung der Verkaufszahlen war für sie demnach genauso unwichtig wie für meinen Mann, der das Ganze als netten Zeitvertreib sieht, mit dessen Einkünften man das eine oder andere Essen in einem Restaurant finanzieren kann.

Aber meine Große grollt mir inzwischen. Sie kann nicht verstehen, warum Harry Potter um ein Vielfaches erfolgreicher ist als meine vier Ballettbüchlein und platzte letzte Woche heraus: “Ich glaube, du hast mit Absicht bei Hella einen weißen Fluch bestellt, der verhindert, dass du genügend Geld für ein Haus in Erlenstegen verdienst.” – Jeder hat so eine(n) Bekannte(n), der entweder das zweite Gesicht – ganz ohne Botox – hat oder sich mit der “anderen Welt” auskennt. Bei der besagten Hella würde ich allerdings eine andere Leistung gegen Geld anfordern, denn meine Putzlust ist nicht größer geworden. – Tja, was soll man dazu sagen? Jedenfalls wurde die aktuelle Schreibblockade als absichtlich von mir initiierter Grund von meiner Großen ausgelegt, NICHT nach Erlenstegen zu ziehen. Vielleicht hat sie auch eingesehen, dass man mit Buchstaben nicht ohne Weiteres reich werden kann.

Trotzdem fragt sie einmal pro Woche, wann sie die Umzugskisten von ihrer besten Freundin holen soll, denn es würde ja, da ich weiterschreibe, offensichtlich bald wieder losgehen und dann sicher “mehr Kohle dabei rumkommen”. Ob ich sie für gierig halte, fragen Sie sich? – Nein. Ich denke, das ist ihre ganz eigene Art mir zu sagen, dass sie nach wie vor an mich glaubt. Und das tut richtig gut.

Es war einmal Bettina Unghulescu, die Verlegerin der Teilzeit-Autorin: Semantische Schmerzen

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 15. Juli 2014

Schenkelklopf und Tischkantebeiß, das war ein Nachmittag! Wie gut, dass ich in der letzten Reihe saß, als Frau B. ihren Text zum Besten gab, dort konnte ich lachen, bis mir die Tränen kamen. Und weil sie es niemals zugeben würde, sage ich es hier noch mal in aller Deutlichkeit: Sie hat sich vor mir auf die Knie geworfen, weil ich daran gedacht habe, den Text zusätzlich auszudrucken und ihr eine Blamage erspart habe – denn die gute Frau hatte ihr Leseexemplar zu Hause liegen lassen. Von wegen, Verleger sind Deppen!

Aber der eigentliche Grund dieser Glosse ist ausnahmsweise nicht der, über mein Alter Ego herzufallen. Nein. Ich habe auf meinem Stuhl in der jeweils letzten Reihe eifrig mitgeschrieben und frage mich, welcher Lektor geteert und gefedert gehört – wahrscheinlich alle, die irgendwie beteiligt waren. Wie sonst kann man sich die nächsten Fehler erklären? Ich möchte Ihnen, liebe Autoren, diese Liste ans Herz legen. Denn wenn Sie das nächste Mal eine Absage von einem Verlag bekommen – ja, es gibt noch Autoren, die mit uns Verlegern zusammenarbeiten möchten! – dann schauen Sie Ihren Text bitte mal auf die folgenden Klopfer durch. Die Nachwelt wird Ihnen Kränze flechten.

Wir starten mit einem beißfreudigen Zeitgenossen, der zudem formulierungstark in die Landschaft eingreift. Anfangs dachte ich, dass hinter diesem Text ein Zahnarzt steckt. Dem ist aber nicht so.
Seine Wangenknochen mahlten mit den Zähnen, während der Blick von den vom hellen Vollmond beschienenen Feldern hinauf zum Sternenhimmel wechselte.

Diesem Wortschöpfer möchte ich leise raten, seine alten Freunde wieder aufzusuchen, denn sie hatten bestimmt weniger Schwierigkeiten bei der Formulierung unkomplizierter Sätze:
Wenn ich mir die Jungs heute ansehe, mit welchen Werten sie ihr Dasein fokussiert haben, bin ich froh, mittlerweile eine andere Sichtweise gewonnen zu haben.

Dieses hier wiederum lässt mich fragen: Welche Art von Beziehung führen diese beiden?!
Er entnahm seiner Freundin den kleinen schwarzen Peilsender.

Und dann der fatalistische Blick aufs Leben … manchmal sollte man einfach liegenbleiben:
Erst gegen Mittag wurde es kein bisschen heller.

Dieser Satz fand sich auf einem unschuldigen Flyer einer eigentlich qualitativ hochwertigen Veranstaltung. Ich weiß, dass es ums „Kickern“ ging. Dieser Verschreiber ist aber auch nicht schlecht:
… und wer es lieber sportlich mag, kann mit seinem Partner am Kicherturnier teilnehmen.

Dieser Satz fand sich in einer E-Mail, die die selbe Veranstaltung betraf. Und wieder die Frage: Welcher desolate Beziehungshintergrund hat zu dieser orthographischen Fehlleistung geführt?
Also erst einmal der Klappentext ist nun richtig gut geworden, mit einer einzigen Ausnahme. Wenn Du aus dem “Ehelalltag” noch einen “Ehealltag” machst.

Inzwischen kann man leider auch in der Literatur einen eklatanten Mangel an Naturkenntnissen feststellen:
Die mit Bäumen überwachsene Lichtung …

Dieser Verfasser geht in seiner Fantasywelt noch einen Schritt weiter. Dort schafft er gleich ganz neue Gesetzmäßigkeiten:
Dann erreichten sie die hügelige Ebene.

Dieser Satz stammt wahrscheinlich von einem alten Seebären, vielleicht sogar einem Piraten der alten Schule, der weiß, was zu viel Wasser mit den Knochen anstellen kann:
Das Wasser hatte eine schwarze Farbe angenommen, nur die Gicht schimmerte hell im Schein der Lampe.

Auch böse Haustiere finden hier ihren Platz:
Eine Gänsehaut überfiel sie.

Dieser grammatisch vollständige Satz dürfte für Orthopäden interessant sein. Ob der Proband noch lebt?
Er wand den Kopf.

Ja, es gibt sie, die Vampire, Werwölfe, Zombies und Menschenfresser:
Sie könnte sich an deinen Geschichten erfreuen. Oder sie könnte sich an meiner Gesellschaft gütlich tun.

Aber vielleicht hat der Autor schlicht und ergreifend:
… überdramatisiert …

Manche Dinge wiederholen sich so häufig, dass man die Quintessenz herausziehen muss, um am Ende nicht einen 500-Seiten-Wälzer vorzulegen:
– gebogene Krummsäbel
– bodenlange Kleider, die bis auf die Erde reichten
– absolut runde Kugeln
– flache Berge

Und wieder eine medizinisch durchaus interessante Angelegenheit, diesmal für die Hobby-Ophthalmologen unter den Lesen:
Der Einäugige kniff die Augen zu und betrachtete die hell erleuchtete Höhle in den Schatten.

Doch manchmal hilft nur noch Katharsis:
Finales Grinsen grassierte über meine hochgezogenen Mundwinkel und ließ die Ohren clownesk vibrieren.

Zum Schluss das Zitat eines Kollegen, der es eigentlich nur gut gemeint hat, aber auch nicht gegen die kleinen Aussetzer gefeit ist:
Habe jetzt noch einen Redakteur-Job: bin zum Rasenden Reporter für Poeten gegen Anaplphabetismusm designiert worden …

Also, liebe Autoren, alles halb so wild, wenn man darüber lachen kann. Ich erwarte diesbezüglich Ihre Zuschriften! Und weil mein Alter Ego mir mit Meuterei droht, darf sie sich der nächsten Glosse annehmen, die da heißt: „Geheimnisse außerhalb der Geschichten“. Was immer sie auch darunter versteht …

Confessions Of A Storyteller: Die Welt auf meinen Schultern …

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 14. Juli 2014

Ich will mich ja gar nicht beschweren. Nach dem x-ten Gespräch über Verkaufszahlen und die Notwendigkeit, einen Plan B aus der Schublade zu ziehen, habe ich mich inzwischen ganz gut mit dem neuen Konzept angefreundet. Es bringt zwar jede Menge Nacharbeit mit sich, weil die Verlegerin darauf besteht, dass ich nicht “ins Blaue hinein” schreibe. Aber gut, so ist das eben im Auftrags-Business.
Je mehr ich recherchiere, desto mehr stellt sich mir die Frage, ob ich mir die Mühe nicht sparen sollte. Braucht die Welt noch mehr Ballettromane à la Mirowna? Wäre der Menschheit nicht mehr geholfen, wenn ich mich mit aktuellen Themen wie dem Ebola-Virus, der Ukraine-Krise, der europäischen Asylpolitik etc. pp beschäftigen und meine Gedanken dazu niederschreiben würde? Die Verlegern stimmte nicht sofort zu, als ich sie darauf ansprach; anscheinend hatte sie sich diese Frage auch schon gestellt.
“Es kann ja sein, dass deine Ballettromane indirekt einen Teil der Antwort auf diese ganzen Krisen in sich bergen”, antwortete sie nach einer Weile.
“Ballett stoppt den Ebola-Virus?”, fragte ich entgeistert.
“Warum nicht?” Ihre Stimme klang, als wollte sie lachen. “Angenommen, du hast einen Fan, der alle deine Bücher gelesen hat. Dann äußerst du dich zu einem wichtigen Thema – der Lauschangriff der Bundesregierung oder so, und er liest es zufällig. Rein theoretisch könnte deine Meinung in dem Moment auf ihn Einfluss haben, weil er deine Bücher und deine Art zu denken gut findet.”
“So ein Blödsinn”, grummelte ich.
“Kannst du mir das Gegenteil beweisen?”, hielt die Verlegerin dagegen.
Das konnte und kann ich natürlich nicht. Aber ist es nicht anmaßend, diesen Gedanken überhaupt zu denken? Ich erinnerte mich an eine Diskussion auf einer Rezensionsplattform, in der es darum ging, ob man als Erwachsener noch mit dem Ballett anfangen kann. Jemand äußerte abschließend, es auf jeden Fall probieren zu wollen und steht seitdem vielleicht sogar regelmäßig an der Stange. Die Diskussion kam in der Zusammenstellung nur auf, weil die Verlegerin meine Bücher verloste – und somit hatte ich bereits Einfluss genommen.

Mir läuft es zwar nicht kalt den Rücken hinunter, wenn ich darüber nachdenke. Schließlich schreiben z. B. Horror-Autoren ihre Geschichten auch, damit die Leser sich gruseln und nehmen in Kauf, dass sie ggf. nach der Lektüre nicht schlafen können. Oder Liebesroman-Autoren. Fantasy-Autoren. Sachbuch-Autoren. Alle schreiben zum Zweck der Erbauung und Unterhaltung. Und haben damit Einfluss auf die Leserschaft. Wie viel Verantwortung lastet demnach auf mir, wenn ich von Kindern schreibe, die ihre Eltern belügen, um zum Ballettunterricht gehen zu können oder von Mädchen, die sich zu Tode hungern, um aus einer unglücklichen Familienkonstellation zu entfliehen?
“Wenn du dich da noch mehr hineinsteigerst, sollten wir ernsthaft überlegen, ob wir deinen Vertrag nicht eine Weile ruhen lassen”, hörte ich die Verlegerin sagen. “Erzähl deine Geschichte und sei dir darüber im Klaren, dass du damit die Leser beeinflussen kannst. Ach ja, das gilt auch für Rechtschreibfehler.”

Ich hätte sie mal wieder an die Wand klatschen können.

Es war einmal Bettina Unghulescu, die Teilzeit-Autorin: Never judge a book by its cover

 

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 10. Juli 2014

So, da bin ich wieder – heimgekehrt aus dem Dschungelcamp für Autoren, durch und durch literarisch gestählt und so krass sauer auf meine Verlegerin, weil sie mich gegen meinen Willen dort hingeschickt hat! Weil ich nicht wüsste, was ich zum Thema Selbstverlag schreibe soll. Ha! – Blöde Kuh, klar weiß ich, was ich dazu geschrieben habe. Aber anscheinend waren ihr meine anderen Glossen zu direkt. Wer die Wahrheit nicht verträgt …

Die Wahrheit! Ich habe sie noch nicht gefunden. Aber ich werde mich ihr stellen. Und zwar während einer Lesung, in der ich mein neues Buch „Lorchens Konterfei macht Angst“ vorstelle. Das ist ja immer ein bisschen wie in dem Lied „Video Killed The Radio Star“ aus den 1980ern. Da stellen sich die Leser die Lichtgestalt des Autors vor – und dann sitzt da so ein verhuschtes Mütterchen, ein Muskelmann mit schiefen Zähnen oder Opi mit speckiger Weste, und nuschelt seinen Text runter. Noch schlimmer finde ich es, wenn das Bild des Autors schon durch die Presse gesaust ist und der echte Mensch nicht mal Ähnlichkeit damit hat. Der Freundin einer Bekannten ist diesbezüglich mal was ganz peinliches passiert: Sie wollte zu einer Lesung in einer großen Buchhandlung und war ein bisschen spät dran, kam gerade noch so ‘reingehetzt, bevor ein großer Herr im schwarzen Anzug die Türen abschloss. In der Hektik fragte sie eine mollige Verkäuferin, wo denn die anderen „Publikümer“ wären und wurde auf den zweiten Stock verwiesen. „Ach ja, bevor ich es vergesse“, meinte die Freundin meiner Bekannten noch, „ich möchte schon mal ein Buch reservieren, können Sie es mir für die Signierstunde zurücklegen?“

Die mollige Dame nickte verblüfft und meinte: „Soll ich es am Signiertisch deponieren?“

„Das wäre natürlich ideal, danke“, sagte die Bekannte meiner Freundin und husch – war sie weg. Wie muss ihr der Hintern auf Grundeis gegangen sein, als keine zwei Minuten später die mollige „Verkäuferin“ hinter dem Lesetisch Platz nahm, das Vortragsbuch öffnete und vorlas. Sie hatte aber trotzdem ein Exemplar für die Bekannte meiner Freundin reserviert und signierte es mit „grimmiger Freude“, wie sie betonte. Tja. Das war doch mal ein typischer Fall von Camouflage an der falschen Stelle! Dabei ist der Körper der unwichtigste Teil des Autors. Na ja, bis aufs Gehirn, die Augen, die Arme und die Hände. Vielleicht noch das Gesäß, weil man beim Schreiben sitzen sollte. Dabei muss man sich mit den Füßen, die an den Beinen hängen, abstützen, sonst knallt man mit dem Kopf auf die Tastatur. Und der Rumpf bringt alles in eine ansprechende Form. – Okay, vielleicht ist der Körper doch nicht so unwichtig … aber er fällt auf. Mir zumindest.

Während ich der Lesung entgegen fiebere, die meine Verlegerin wider alle Branchengesetze in einer richtig großen Buchhandlung veranstaltet – nein, das wäre übertrieben, sie darf daran teilnehmen und hat ein bisschen Geld dafür ausgegeben, dass ich dabei sein darf – fällt mein Blick immer wieder in den Spiegel. Und der ist alles andere als diplomatisch. Ich weiß, dass in dieser Buchhandlung grundsätzlich nur mit Beistelltisch gelesen wird. Der Chef des Hauses meint nämlich, dass erst so der Kontakt zwischen Publikum und Autor aufgebaut und folglich mehr verkauft werden kann. Ergo kann sich die Hörerschaft nicht nur an meinen literarischen Ergüssen ergötzen, sondern auch an der Wurstpelle, die meinen Körper zusammenhält. Damit will ich jetzt auf keinen Fall sagen, dass Äußerlichkeiten wirklich wichtig wären. Die Sache ist nämlich gar nicht so, wie es sich auf den ersten Blick liest. Also nicht, dass Sie jetzt denken, das hätte mit der Form meines … äh … nun ja, also gut, ich bin gar nicht so – schlank. Um ehrlich zu sein. Die Hörer hätten freie Sicht auf meine Gebirge, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe. Meine Kinder haben nichts gegen die vielen Rundungen, Hubbel und Dellen, an die man sich mit Schmackes ‘ranschmeißen und kuscheln kann, ohne dass jemand blaue Flecken bekommt. Aber ich gehe davon aus, dass meine Hörer keinen körperlichen Kontakt während der Lesung wünschen. Stellen Sie sich das vor – die Abteilungsleiterin einer großen Firma will sich zwecks literarischer Erbauung auf meinen Schoß setzen und an den lustigen Stellen in meine „gemütlichste“ Stelle pieksen. Und daneben der Beistelltisch …

Mein oranger Overall kommt nicht in Frage. Den trage ich nur bei der Gartenarbeit – damit die Nachbarn sehen, dass ich etwas tue. Die Abendrobe fürs Theater wäre ein wenig overdressed, und die schwarze Hose, die mich jahrelang treu begleitet hat, passt seltsamerweise nicht mehr. Eigentlich wollte ich meine Lieblingsbluse dazu tragen – aber meine Verlegerin meint, dass der Rotton den Hörern die Tränen in die Augen treibt, wenn die Beleuchtung schlecht ist. Eine Jeans ist ein absolutes No Go, außer sie ist schwarz, aber dann muss man auch die Figur dafür haben. Das sagt sie nur, weil sie die Hose selbst zum Event tragen will. Ach, wie ich sie hasse, diese alte Egoistin!

Letztlich bleibt es bei der grauen Jeans und einem dezent bunten Sommerpullover, der alle Dellen, Hügel und Hubbel gnädig verdeckt. Die Haare lasse ich noch rasch, binnen zwei Stunden, beim Friseur aufhübschen. Jetzt darf kein Wind kommen, sonst ist die ganze Pracht futsch …

Aber mein Gesicht … da blüht seit heute morgen ein Pickel. Mitten auf der Nase. Als ob der Gott der Schönheit beleidigt wäre, weil zu viel Intellekt auf einer Bühne auftritt! Maskara muss her, wobei mir inzwischen Mascarpone lieber wäre, dazu ein bisschen Puder, der sich prompt auch im Haar verteilt, weil so viel Haarspray drin ist, dass ich bei spontaner Entzündung als wandelnde Gartenfackel gehen könnte. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag bemerke ich Schweiß unter den Achseln. Beim Schuheputzen breche ich mir einen Fingernagel ab. Aber schwarze Schuhe müssen glänzen, das hat schon meine Oma gesagt.

Pünktlich klingelt es. Meine Verlegerin holt mich ab. In der Hektik finde ich nicht sofort mein Leseexemplar, das sich zwischen zwei Zeitungen versteckt hat. Dabei lag es doch griffbereit auf der Kommode – halt, nein, auf dem Flurschrank. Oder doch im Schlafzimmer auf dem …? Doch da geht die Fahrt schon quer durch die Stadt und ich habe keine Zeit mehr zu zittern. In der Buchhandlung will mich eine mollige Verkäuferin – ich muss zweimal hinschauen, ob es auch wirklich nicht die Autorin aus der Erzählung meiner Freundin ist! – mit Sekt ruhigstellen. Es gelingt ihr mit nur zwei Gläschen. Erst jetzt kommt mir wieder zu Bewusstsein, dass ich ja eine von vielen bin. An diesem Lesemarathon nehmen 20 Autoren auf drei Etagen teil. Ich bin relativ früh dran, weil die späteren Stunden für die richtig bekannten Autoren reserviert sind. Gott sei Dank, dann ist der Spuk umso schneller vorbei, denke ich und schreite, leise für mich den Text aus dem Buch vorlesend, hin und her.

Da sehe ich, wie meine Verlegerin belustigt die Mundwinkel verzieht. „Wieso hast du ‘Leben in Nimmerstadt’ dabei? Willst du vorher noch die Anekdote mit der Großmutter zum Besten geben?“ Ich spüre meine Beine plötzlich nicht mehr. Zitternd schlage ich das Buch zu – tatsächlich. Ich habe das falsche Buch mitgenommen. Bevor Tränen mein mühsam zusammengekleistertes Konterfei zerstören können, reicht mir meine Verlegerin – der Himmel sei gelobt für ihre Existenz! – ein paar Zettel. „Kein Problem, nimm das. Ich habe die zu lesenden Textstellen ausgedruckt und vorsichtshalber mitgebracht. Man kann ja nie wissen.“

Für mehr Panik bleibt keine Zeit mehr, ich werde auf die Minibühne im ersten Stock gebeten. Ich lese also mit sanftem Vibrato das „Lorchen“ vor, obwohl etwas anderes auf dem Cover steht. Das Publikum bleibt gewohnt semi-interessiert höflich, und als meine Viertelstunde vorbei ist, hoffe ich, dass die Seen unter meinen Achseln nicht den Raum überfluten. Doch bevor ich den Applaus entgegennehme und mir noch ein paar hässliche Unfälle ausmale – Stolperschritt übers Mikofonkabel, Abfangsturz auf das Beistelltischchen, der nette blonde Herr in der ersten Reihe kriegt das Wasser auf die Hose, mein Pullover rutscht unvorteilhaft hoch – springt ein mittelalter Herr förmlich von seinem Sitz, brüllt: „Never judge a book by its cover, never epilate an author with his own words!“, und klatscht, als wollte er mit seinen Händen eine Feuersbrunst löschen. Das gesamte Publikum fällt ein …

Hinterher zeigt meine Verlegerin mir das Foto, das sie während der Standing Ovations von mir geschossen hat. „Zum Glück hast du nicht so viele Plomben“, grunzt sie und haut mir lachend auf die Schulter. Ich freue mich still, dass ich mindestens zehn von „Lorchens“ Büchern signieren durfte, während im Verkaufsraum immer wieder ein „Lorchen“ über den Ladentisch geht. Was für ein Erfolg! Welch Freudentaumel …

Achtung, eine kurze Durchsage: Während mein Alter Ego Autorin mal wieder dauerschwelgt, statt zu schreiben, gebe ich schon mal einen Ausblick auf die nächste Glosse, die sich quasi von selbst an diesem Lesemarathon geschrieben hat: Semantische Schmerzen. Und verfassen werde ich sie, ob Frau U. Will oder nicht, har har!

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