Nikija

Ballerina High: Essstörung: Warum greift denn keiner ein? Teil 2

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Hier findet ihr Teil 1 des Blogposts

An dieser Stelle fiel meiner Testleserin noch etwas auf, worauf ich ein bisschen stolz bin: »Es gibt ganz viele Ballettromane mit hungersüchtigen Figuren, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendwo über die Innenwelt der Betroffenen geschrieben oder das Problem aufgelöst würde. Dort zählt nur das Klischee. Und bei dir ist das irgendwie anders – aber auch komplizierter.«

Es entspann sich eine Diskussion über Autorenvorgaben und Leserverhalten mit dem Ergebnis, dass sich die Testleserin mit dem unangetasteten Klischee besser fühlt, als wenn man sie an die Hand nimmt und die Lösung des Problems im Text erleben lässt. Trotzdem wäre es ihr definitiv nicht lieber, Jade mit der Essstörung allein zu lassen, auch wenn es »unbequem« sei, immer wieder darauf hingewiesen zu werden. Ulkig, oder?

Ich glaube, so ähnlich geht es auch den Betroffenen und ihren Familien. Man weiß, dass da ein übergreifendes Problem ist, das einen Teil der Gemeinschaft zerstört. Aber wenn man es behebt, müsste man sich damit arrangieren, dass man auch selbst irgendwie zu dieser Zerstörung beigetragen hat.

»Und was machst du jetzt mit Jade und ihren Eltern?«, lautete die Abschlussfrage der Testleserin.

Ich würde sagen, das sehen wir dann. Das heißt, ich weiß ja schon, was passiert: Ich verspreche euch, dass es bis zum letzten Band genauso schön zwiespältig weitergeht. Das bin ich euch schuldig!

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Ballerina High: Essstörung: Warum greift denn keiner ein? Teil 1

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Gern werden schicke Begriffe wie »starker Wille« und »Entscheidungsfähigkeit« und noch ein paar andere Sachen angeführt, die ein »glückliches Leben« ermöglichen. Wow! Und jetzt erklär mir mal einer, was das alles eigentlich bedeutet und wie man einen starken Willen »macht« oder »bekommt«.

Und damit sind wir auch schon beim Kern des Problems angekommen: Was im Positiven nicht funktioniert, klappt auch nicht im Negativen. Wenn jemand nicht essen kann, weil die »Seele« es ihm untersagt, ja, dann kann er auch nicht »machen«, dass die Essstörung verschwindet.

Es gibt so viele Seiten über Essstörungen, dass man meinen könnte, es sei bereits alles gesagt. Das stimmt nicht ganz. Es ist viel gesagt, aber auf keiner dieser Seiten findet ein Betroffener die Lösung für seine Störung. Es gibt schlichtweg kein Patentrezept. Das weiß auch Bettany Townsend, die sich in Band 5 mal wieder einen verzweifelten Moment gönnt – ja, so ist sie eben, die gute alte Betty – und Jade nur eine Broschüre zum Thema in die Hand drücken kann. Den Rest muss sie mit ihren Eltern machen, es vielleicht auch allein durchziehen, wenn ihre Eltern nicht bereit sind, sie zu unterstützen.

Die bereits erwähnte Testleserin fragte, nun schon etwas zögernder, ob man wenigstens Jade schneller damit helfen könnte, indem man sie auf ihr Essverhalten anspricht und mit ihr ein Esstraining durchführt, damit sie am Ende nicht doch noch Schaden nimmt. Damit hat man die Auswirkung im Visier, jedoch nicht die Ursachen für die Störung. Die muss man in nervtötender Kleinarbeit, z.B. in einer Therapie, herausarbeiten und hoffen, dass das soziale Umfeld mitspielt – das muss sich nämlich auch ändern …

Hier geht’s weiter mit Teil 2

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Ballerina High: Der Schrecken im Gewöhnlichen

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»Sag mal, warum hast du das mit dem Schlafwandeln eigentlich nicht ausgebaut, so mit ein paar zusätzlichen Wahnvorstellungen oder so?«, fragte eine mir sehr sympathische Testleserin. Sie spielte auf Christophers Erkenntnis an, wer ihm einen bösen Streich gespielt haben könnte.

Ja, warum habe ich nicht? Weil ich nicht wollte, s. Verschnaufpause für alle! Und man muss es an dieser Stelle auch mal ganz klar sagen: Die Vorstellungen, die wir vom Psychiatriealltag haben, entsprechen nicht der Wirklichkeit. Klar gibt es Vorkommnisse wie die Sache mit #Gustav Mollat, und es ist auch klar, dass man Menschen nicht einfach in eine Anstalt einweisen darf. Aber in der Psychiatrie geht es nicht den ganzen Tag so »verrückt« zu wie in »Einer flog übers Kuckucksnest« oder »Twelve Monkeys«. Das sind plakative Filmszenarien, die sich jemand ausgedacht hat.

Ich wollte mit Christophers Geschichte nicht dazu beitragen, das Thema zu mystifizieren. Es ist auch ziemlich sadistisch, sich am Leid eines anderen zu ergötzen, indem man ihm, wenn auch nur literarisch, mehr Schaden zufügt als nötig.

Man stelle sich das einfach mal vor: Die Augen sehen etwas, aber das Gehirn macht daraus ein ganz anderes Bild. Man weiß, dass das, was gerade abläuft, nicht gut ist, kann aber diese Situation mit all ihren überschießenden Emotionen nicht aus eigener Kraft beenden. Und wer möchte schon freiwillig in die Haut des »Verrückten« schlüpfen, um diesen Moment hautnah zu erleben?

Man könnte sich auch fragen: Will ich eine Situation, in der ich richtig heftige Angst hatte, noch einmal erleben? – Nein? Gut. Christopher wollte das auch nicht. Und seine realen Pendants in unserer analogen Welt wollen es mit Sicherheit auch nicht. Also quälen wir sie nicht damit, indem wir einer zwiespältig aufgenommenen Institution einen lüstern-morbiden Hintergrund verpassen, an dem sich Leser ergötzen können. Christopher und Monkey und all die anderen haben es schwer genug.

»Kannst du dir denn vorstellen«, meinte die Testleserin nach einer Weile, »einen Roman über Psychologie und Psychiatrie zu schreiben?«

Vielleicht.

Wenn mein innerer Horizont weit genug ist, um diese Situationen wirklich mit allen Sinnen zu erfassen und so umzusetzen, dass Würde und Demut erhalten bleiben.

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Ballerina High: Und wie lief es sonst so?

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Ja, töfte, würde ich sagen! Nach dem ganzen Drama wollte ich auch mal meine Ruhe haben und gönnte den Figuren und mir eine kleine Pause in Sachen Zwischenfälle. Ab Band 6 ist damit sowieso wieder Schluss, weil der nächste Band den ersten Teil des Finales darstellt.

Außerdem braucht man auch mal Zeit, um darüber nachzudenken, was alles los war. Ihr lest die Romane im Vier-Wochen-Abstand, ich habe sie innerhalb von ein paar Wochen hintereinander weg geschrieben. Das war anstrengend und sorgte zeitweise für Vakuum in der Birne. Mit dem letzten Satz von Band 5 wusste ich nicht nur sprichwörtlich nicht mehr, was ich eigentlich am Anfang geplant hatte. Die Dauerspannung beim Ausdenken hatte mich ein wenig mürbe gemacht. Ich wollte schon meutern und der Verlegerin stecken, dass ich kein Problem damit hätte, den ersten Zyklus mit Band 6 enden zu lassen, weil – weil …

Ich ließ es dann aber doch, weil die Verlegerin ganz richtig darauf hinwies, dass ich nicht wichtige Andeutungen bringen und diese dann mit dem Finale versacken lassen könnte, nur weil da stilecht ein paar Tutus über die Bühne wirbeln. »Jeder Zyklus wird schön brav abgeschlossen«, verlangte sie. Ja, gut, dann eben keine zyklusübergreifenden Cliffhanger (Menno!). Also Luft holen, Seitenstechen ignorieren und weiterrennen …

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Ballerina High – das Salz in der literarischen Suppe: Immer schön umrechnen!

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Wenn man sich in seinen Geschichten im englischsprachigen Raum bewegt, muss man hin und wieder die eine oder andere Zahl umrechnen. Ich musste feststellen, wie wenig mir die Umrechnungseinheiten für Feet, Yards und Miles trotz wochenlanger Sprachurlaube im Gedächtnis geblieben sind. Ja, schade eigentlich, was man alles vergessen kann! Denn diese Kleinigkeiten gaben und geben einem erst das Gefühl, sich irgendwo anders auf der Welt zu befinden.

Hoffen wir, dass diese eurpäisierende Haltung nicht irgendwann zu komplettem kulturellen Kahlschlag in meinem Kopf führt. Ich rechne seitdem die Entfernungen, die ich täglich zurücklege, vorsichtshalber in Meilen um. Man kann nie wissen, wann man die wieder braucht.

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Ballerina High: Wollust für alle

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Freudianer, also Leute, die der Lehre von Sigmund Freud, dem Wiener Psychoanalytiker, anhängen, sagen, dass in jeder Handlung ein sexuell gesteuerter Trieb steckt. Damit grenzt man den Begriff meines Erachtens zu stark ein. Sind wir wirklich immer auf Fortpflanzung aus? Oder bereitet es unbändige Freude, viel zu essen, zu tanzen, zu trinken, quasi alle Dämme brechen zu lassen und der eigenen Lust zu frönen?

In Nikija holt sich Jade in der Mensa ein Steak und beißt auf dem Weg zum Tisch hinein, weil sie ihre Gier nicht mehr zügeln kann oder will. Dass Trisha sie auf die Sauce an ihrem Kinn aufmerksam macht, stört sie nicht. Jade will nur noch das Steak in sich hineinstopfen und sich bis zum Anschlag damit ausfüllen. Et voilà, da ist es, das unbändige Verlagen nach mehr, als man braucht, an dem man sich wie Jade berauschen kann. Bei ihr kommt noch die Bulimie dazu, was dem Ganzen einen dramatischen Touch verleiht, aber das Gefühl ist das selbe.

Natürlich bedeutet es nicht, dass jedes Hochgefühl automatisch mit Wollust gleichzusetzen ist oder sofort alle Grenzen verschwimmen. Danach isses aber auch wieder gut; man hat gegessen, Sport getrieben, sich total verausgabt und genossen, was die körpereigene Hormonindustrie zur Verfügung gestellt hat. Und auch das ist meiner Meinung nach Wollust.

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Ballerina High: Die Welt hinter Klostermauern

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Aufgrund der strengen Tanzausbildung kann man die Youth Ballet High School durchaus als Kloster bezeichnen: Tanze und lerne, schlafe wenig und lebe für deine Obsession, nur so kommst du ins Himmelreich der Tänzer. Hier findet sich der erste Berührungspunkt mit der Todsünde Wollust, wobei ich mich nicht auf die körperlichen Aspekte beschränken wollte. Die Verlegerin hatte sofort wieder Bedenken, wie sie überhaupt meist zögert, wenn ich scheinbare Gegensätze miteinander verbinden will: Was spricht dagegen, die Liebe zu einer abstrakten Sache mit einer Todsünde zu verbinden?

»Eigentlich nichts«, gab sie zu.

Na also, geht doch, dachte ich mir und legte ihr ein paar Tage später den Plotentwurf vor. Beruhigt war sie aber erst, als sie las, wie ich das »erste Mal« im Text darlegte. Und wie ihr bereits gelesen habt, wird die Fantasie des Lesers lediglich angestoßen und rechtzeitig die Tür zum Duschraum der Mädchen geschlossen. Das ist so, weil ich allzu ausführliche Beschreibungen generell vermeide. Die Verlegerin hat dafür das wunderbare Idiom »zu Tode schreiben« geprägt, und das trifft den Nagel auf den Kopf: Ich wollte keine Ikea-Anleitung für 12-18-jährige abliefern. Das entspricht nicht der Zielgruppe der Ballerina-High-Serie.

Jedoch erreichten den Verlag schon während des Schreibens der Dance-Floor-Serie immer wieder Anfragen, warum es zwar endlich Jungs gäbe, die zum Ballettunterricht gehen, aber keine »richtigen« Kussszenen. Ganz einfach: Ballett ist, auch wenn man es sich als Nichtpraktizierender gern anders vorstellt, eine ganz dröge Kiste. Man macht jeden Tag stundenlang die gleichen Bewegungen zur immer gleichen Musik und verausgabt sich bis an die Schmerzgrenze. Freiwillig. Über Jahre. Kurz: Tänzer sind besessene Arbeitstiere. Da verschwendet man nicht viel Gehirnschmalz an den kleinen Flirt zwischendurch, schon gar nicht, wenn man das eine große Ziel vor Augen hat.

Aber, meinte die Verlegerin, ein bisschen Glamour and Pain sollten diesmal schon sein. Zwei Pärchen – Jade und Sam, Trisha und Christopher – erschöpfen sich bereits in Reibereien und Zweifeln, da sollte es zumindest einen Herzensbrecher und ein paar bis zur Verblödung verliebte Mädchen geben. Sorry, liebe Leserinnen, an dieser Stelle musste ich der Verlegern Recht gegeben, so gehört es sich einfach in einer Ballettserie! Und dass Liebe tatsächlich blind macht – nun, das wisst ihr vielleicht schon. Somit hatte ich endlich die perfekte Rolle für Heather, bei der ich mir eine ganze Weile nicht sicher war, ob sie nun zur Edelzicke oder zur echten Freundin wird, und für Elijah, das Objekt ihrer Begierde. Elijah sollte anfangs der nette Junge von nebenan sein, aber – nee, davon gab es schon zu viele. Also mutierte er vom enttäuschten Lover zum maliziösen Womanizer. Und Heather fällt drauf rein. Tja, so ist das Leben.

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Ballerina High: Nikija und Solor

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Im Ballett geht es nicht ohne das höchste Himmelsgeschenk – die Liebe! Während der Romantik ersannen Künstler immer neue Varianten der guten, alten Boy-meets-Girl-Story, wobei man großen Wert auf die unfehlbaren Charaktereigenschaften der Figuren legte. Dass sich daraus gewisse Stereotypien entwickelten, war wohl unvermeidbar. Und so komme ich zur nächsten, sehr weiblichen Ballettfigur, die 121 Jahre nach der russischen Erstaufführung auf eine deutsche Bühne kam: Nikija, die Tempeltänzerin.

Nikijas Geschichte ist an Tragik nicht zu überbieten. Kurz gesagt: Sie wird nach Strich und Faden beschissen! Denn eigentlich hätte sie den Krieger Solor heiraten sollen, aber … da war noch eine andere. Besonders bitter ist, dass die beiden sich liebten, aber der Schöpfer Marius Petipa hatte Anderes mit ihnen im Sinn und zog sein Ding eiskalt durch. Nikija starb durch einen Schlangenbiss vor der Vermählung ihres Verlobten mit der Anderen, und weil das nicht reichte, ging im letzten Akt #der komplette Tempel mit Solor und Konsorten in einem Flammenmeer unter. Aus die Maus! Vielleicht hat es deshalb von 1877 bis 1998 gedauert, dass diese Oper von Patrice Bart wiederentdeckt wurde, der sie mit dem Bayerischen Staatsballett aufführte.

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