Ein Liebesroman nach Bettinas Geschmack

46_Coppelia_im_Heu_Wunderwaldverlag_140Bettinas allerliebster Werkstattbericht zu ihrem allerersten Ballettroman

Als Alicia meine Version ihres Exposees durchgelesen hatte, blieb es erst mal ein paar Tage ruhig. Ich rief sie an und sah mich mit ihrer „Nachdenklichkeit“ konfrontiert. Ob es wirklich richtig sei, einen jugendlichen Musiker „jenseits des gängigen Schönheitsideals aufzubauen und ihm eine nicht minder ungeschlachte Tänzerin gegenüberzustellen“. „Jou“, sagte ich, „mir gefallen die beiden nämlich, weil sie nicht so ar…“, Hüsteln meinerseits, „aalglatt daherkommen. Damit kann ich mehr anfangen als mit deinen Hollywood-Püppchen.“ Es folgte eine kurze, klärende Diskussion zu ihren ProtagonistInnen mit dem zusätzlichen Ergebnis, dass sie sich mit Dominik und Sofia einverstanden erklärte: Dominik, so heißt der herzige Musiker, hat Glubschaugen, eine ziemlich breite Nase, dafür aber Goldlocken und einen bestürmenden Tenor, der seine körperlichen Unzulänglichkeiten wettmacht. Sofia kann als Tänzerin nicht so sehr mit Grazie, dafür aber mit Dürre aufwarten und muss sich zudem auch noch darüber ärgern, dass ihre Kolleginnen „obenrum“ allesamt besser ausgestattet sind als sie. Dafür hat sie etwas breitere Hüften und, nun, etwas größere Füße. Aber da es ja hauptsächlich um die inneren Werte geht, war mir das erst mal einerlei.

Bettina sah das natürlich anders: „Nicht nur du sollst deine Figuren mögen. Auch die Leserinnen sollen sich in Dominik verlieben, damit sie sich mit Sofia identifizieren können, um richtig in die Geschichte einzutauchen!“ Ob die Leserinnen wirklich glücklich sind, wenn ich ihnen einen Brangelina-Verschnitt liefere? Vielleicht wären sie das. Aber ich nicht. Und es ist immerhin zur Hälfte meine Geschichte. Außerdem gibt es bei Alicia auch unterdurchschnittlich ansehnliche Figuren, und da hat sich auch noch keiner beschwert.

Außerdem kann jemand, der nicht ganz so hipp aussieht, leichter Gegensätze schaffen und ausschlachten. Ich wollte schließlich eine Geschichte mit Ecken und Kanten erzählen, nicht so eine Leinwandsache, in der alles glattgeht und alle gut aussehen. Meine Gestalten sind nun mal ein bisschen schluffig, ein bisschen feige, ein bisschen gemein und in manchen Momenten auch ziemlich doof. Wie echte Menschen. Nur haben meine Figuren ein bisschen mehr Glück und finden am Ende auch tatsächlich, was sie gesucht haben – nur auf anderen Wegen.

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Um Himmels willen, ein Liebesroman mit Ballett!

46_Coppelia_im_Heu_Wunderwaldverlag_140Bettinas allerliebster Werkstattbericht zu ihrem allerersten Ballettroman

„Die Bettina wieder“, meinte die Verlegerin nur, als ich, Alicia fröhlich mobbend, im Café saß und mich über ihre Ballttromänchen ausließ. Wer sie gelesen hat, weiß, dass das allerleichteste Kost ist. Okay, es geht was, Alicias Stil ist ziemlich charmant, aber das war es auch schon. Und ich will auch gar nicht das Hintergrundwissen meiner werten Kollegin schmälern, aber hey – Ballett! Roman!! Damit bewegt man doch nicht die Welt!

„Aus dir spricht der blanke Neid.“ Zu einem näheren Statement war Alicia nicht zu bewegen, wohl aber zu einem weiteren Latte Macchiato, auf den ich sie einlud. (Auch so ein Ding: italienischer Milchcafé im Glas. Wer trinkt denn so was? Alicia!) Ja, Alicia hat bei der Dance-Floor-Serie tief ins eigene Repertoire gegriffen. Sie hat sich nicht nur selbst jahrelang durchs klassische Ballett gequält, sondern sie trinkt und isst sogar, was ihre ProtagonistInnen zu sich nehmen, und – ehrlich! – sie kleidet sich auch so! Aber das Sahnehäubchen ist, dass sie wie ihre Helden der ersten Staffel in Nürnberg-Langwasser wohnt. Das musste mal gesagt werden.

Also, um es kurz zu machen: Ich bin nicht neidisch auf Alicia, wenn ich sehe, welche Auswirkungen es auf ihr Privatleben hat – nämlich gar keine. Sie ist die Gleiche geblieben, nur dass sie jetzt ihre private Haushaltskasse rockt. Während ich mich mit Artikelchen für die Verlegerin durch das Leben schlage und die Leser nicht unbedingt wissen, dass ich es bin, die sie schreibt und Alicias Texte lektoriert.

Nachdem ich also diese für meine Verhältnisse recht kurze Selbstverteidigungsrede vom Stapel gelassen habe, lächelte Alicia nett und meinte: „Wir könnten ja mal was zusammen schreiben. So romanmäßig. Hast du Bock?“ Alicia sagt sonst nie, dass sie „Bock hat“. Also wurde ich neugierig und hatte auch „Bock“, und als sie meinte: „Lass uns einen Liebesroman schreiben“, war der Nachmittag gerettet. Ich und einen Liebesroman? Ha! Das wird eine Gaudi! Na ja, gut, die Verlegerin wollte natürlich wieder was mit Ballett drin haben („Never change a running system“), also waren meine Möglichkeiten von vornherein eingeschränkt. Aber ich bestand darauf, den Plot, den Alicia entwerfen wollte, zu karikieren. Und das habe ich dann auch gemacht, wie es meine Fans von „Tante Theas Tod“ und „Showdown im Schafstall“ kennen. Ihr könnt euch denken, wie Alicia darauf reagiert hat …

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Ballett & die lieben Klischees

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Für diesen Artikel habe ich mich auf Alicias Geheiß erneut im Warteraum einer Ballettschule eingefunden, um in der richtigen Atmosphäre zu schreiben. Weil ich ja so ein Ballettbanause bin! Aber die Musik ist gut. Und ein Teil des Romans ist tatsächlich hier entstanden.
Alicia und die Ernsthaftigkeit, mit der sie und ihre beiden Töchter sich dem Thema widmen, sind schon zum Kringeln. Sie hat mir ausdrücklich erlaubt, hier über sie zu schreiben: Da werden Trikots vorsichtig von Hand gewaschen, Lederschläppchen gewienert, Laufmaschen in Strumpfhosen mit besonderen Nadeln bearbeitet, weil so ein Teil um die 8 Euronen kostet. Dazu kommen die täglichen Dehn- und Kräftigungsübungen, die Tochter 1 und Tochter 2 eisern durchziehen, während ihre Mutter stolz danebensteht und erzählt, wie eifrig auch sie in dem Alter dabei war. Alicia kann sich zwar den dicken Zeh nicht mehr in die Nase stecken, ist aber brockenbegeistert von der Gelenkigkeit ihrer Brut und fördert deren Ballettverrücktheit, wo und wann immer möglich.
Ich schaue mir das ganz gern mal an und sitze auch freiwillig im Warteraum, während nebenan der Schwingboden knirscht. Aber ich kann der Verklärung des Themas nichts abgewinnen. Es soll Leute geben, die abgetragene Spitzenschuhe sammeln, weiß Alicia zu berichten, und die davon ganze Kisten auf ihrem Dachboden horten. Ich frage mich: Stinkt das nicht? Ein Sommer in Ballerinas genügt mir, um die zierlichen Teile auszutreten und mit meinem Fußgeruch zu imprägnieren. Wie muss dann erst eine ganze Kiste alter Ballettschlappen riechen!
Oder zum Beispiel muss man sich mal ernsthaft fragen, wie man als Tänzer eigentlich finanziell überlebt. Eine Tanzpädagogin beantwortete mir diese Frage vor der Warteraumstunde so: „Reich heiraten. Oder kellnern.“ No more, no less. Damit ist das Thema eigentlich schon entzaubert. Oder diese Mär um das ganze Gehungere … Ein(e) Tänzer(in), der / die hungert, kann nicht tanzen, weil schlichtweg die Energie fehlt, die Muskeln zu befeuern.
Das und all der restliche klebrige Pathos stören mich kolossal an den diversen Tanzromanen. Hin und wieder lässt Alicia sich das auch raushängen, wenn gerade wieder einer ihrer jugendlichen Protagonisten eine Stufe der Entrückung erreicht, die wohl irgendwie das Ziel dieser Schufterei sein muss Auch sonst liest man allerorten nur über verhungerte, Spitzenschuhe tragende Wesen, die nix als Tanz im Kopf haben. Als ob es nicht noch was anderes im Leben gäbe als böse Konkurrentinnen, wund getanzte Füße und strenge Ballettlehrer. (Übrigens habe ich in diesem Warteraum gelernt, dass mangelnde Fußpflege wunde Füße verursacht, nicht das übermäßige Tanzen, wie bei Leichtathleten auch.) Und auch die Ehrfurcht vor dem Schmerz, mit der man diesen Wesen begegnet, wäre mir fast in den Coppelia-Roman hineingeflutscht, ganz wie es sich für einen Klischeeroman gehört. Überhaupt ist der Schmerz anscheinend DAS Ballettzugpferd für Leser und Zuschauer. Alles ein bisschen Sadomaso, gell? Oder schlichtweg körperorientiert, weil es um Körper geht.
Mit diesen Klischees kann man natürlich auch wunderbare Geschichten schreiben – wobei ich gehörigen Respekt vor Leuten habe, die so besessen tanzen können. Mir wäre das zu anstrengend! Trotzdem habe ich das Sadomaso-Spitzenschuhfetisch-Spiel noch nicht ausgeschlachtet, aber es gibt genug Stellen im Roman, wo ich mit dem Gedanken gespielt habe. Wenn doch alle so auf die Körper abfahren … Alicia hat mir jedenfalls versprochen, wieder mitzumachen.

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