Palmina Sjöberg: Ich bin sehr stolz auf meine Tochter #Schweden-Krimi

Letzter Anruf. Der nächste Schweden-Krimi von Michaela Stadelmann

Linnea war schon fast drei Jahre alt, als ich sie adoptiert habe. Ich wollte nicht mehr nur Schauspielerin sein, ich wollte ein Familienleben wie meine Nachbarn führen.

Mutter zu sein ist eine der schwierigsten Rollen, die ich je hatte. Ich meine nicht die vielen kleinen Fallen, in die man tappt, wenn man alles richtig machen will. Ich meine vor allem Situationen, in denen dein Kind sich plötzlich als Überflieger entpuppt. Ab diesem Zeitpunkt verhält sich niemand mehr normal, wenn er euch gegenübersteht. Alle schauen dich mit großen Augen an, weil sie nichts anderes tun können, als zu staunen.

Oh, du kannst aber gut auf der Harfe spielen!
Oh, du kannst aber schon viele Noten lesen!
Oh, wie schaffst du es nur, alles unter einen Hut zu bringen?

Ich gebe zu, ich genieße es, mit Linnea zu Musikwettbewerben zu fahren und ein bisschen von ihrem Ruhm für meine Mühen einzustreichen. Ich habe Angst, meine Tochter damit zu überfordern, dass sie stets und ständig beobachtet und bewertet wird.

Als ich hörte, das Hendrik Ek tot ist, war mein erster Gedanke: Gott sei dank, Linnea lebt! Im nächsten Augenblick habe ich mich dafür geschämt, denn was täte ich, wenn es Suizid war, weil Hendrik mit dem Druck nicht mehr zurechtkam – und Linnea plötzlich den gleichen Gedanken hegt?

Ich weiß es nicht. Ich hoffe, dass es mir erspart bleibt.

E-Book, ca. 200 Seiten, ISBN 9783940582874, 09.11.2019, 3,99 €

Schweig still: Revolution am Esstisch

Werkstattbericht zum Schweden-Krimi „Schweig still“, Ullstein Midnight

Wer Belletristisches schreibt und erwartet, dass seine Arbeit Früchte trägt, muss schon eine gewisse Egozentrik an den Tag legen, und eine Prise Größenwahn schadet auch nicht. Sonst gleitet man frustriert in irgendwas Zwangsneurotisches ab, das weder einem selbst noch dem Umfeld guttut. Damit ihr die Dramatik des Moments der Verkündung nachvollziehen könnt, habe ich eine ganz kleine Geschichte daraus gemacht.

„Oh je.“ Der Göttergatte legte das Brot zurück auf den Teller. „Gleich den Olymp willst du mit deinem Krimi knacken. Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner?“

„Nö, warum? Alles drunter ist Nippes.“ Ich biss kräftig in mein Salamibrot.

„Bist du sicher, dass du das schaffst?“, fragte die Brut.

Mein Kopf ruckte herum. „Was?“ Schwangen da etwa Zweifel in der jungen Stimme, die ich jahrelang an meinem Busen genährt hatte?!

Die Brut errötete tief. „Na ja, ich meine … Der Verlag lief doch auch mehr so holprig. Also, ich meine, ich traue dir das schon zu, aber, na ja …“

„Lohnt sich die ganze Arbeit überhaupt?“, sprang der Göttergatte der Brut bei. „Du weißt doch, wie viel Arbeit du als Verlegerin hattest. Für mich klingt das, als machst du einfach so weiter, statt endlich mit was Vernünftigem anzufangen.“

Ich breche hier ab und verweise nochmals auf Egozentrik und Größenwahn. Und gönnte mir einen klitzekleinen schizoiden Schub: Ja, sie hatten beide recht. Man verdient leichter Geld mit dem Verkauf von Waschmaschinen. Aber auf der anderen Seite WOLLTE ICH JETZT VERDAMMT NOCH MAL ENDLICH DAS SCHAFFEN; WOVON ICH SCHON SEIT JAHREN TRÄUMTE!!!

<schnauf>

Ich nahm einen großen Bissen von meinem Brot und kaute angestrengt. Mit den Jahren entwickelt man Resistenzen gegen Fremdzweifel, sonst könnte man nicht weitermachen. Die eigenen Zweifel dagegen schwinden sehr, sehr langsam, und fast wäre ich doch noch eingeknickt. „Nun“, meinte ich mit vollem Mund. „Ich finde mein neues Projekt sehr vernünftig.“ Ich gebe zu, das war ein Zitat aus dem Schnellkurs Selbstverteidigung für Autoren. „Krimis gehen laut Spiegel-Bestseller-Liste ziemlich gut, jedenfalls besser als Ballettromane.“

„Spiegel-Bestseller, aha. Und was ist bei deinem Krimi anders als bei anderen Krimis?“ Der Göttergatte hatte sein Advokatengesicht aufgesetzt. Er tut das nicht mit böser Absicht, aber in solchen Situationen sind sie Futter für meine Selbstzweifel: Was war, wenn ich mich als Freiberufliche nur noch mehr in eine fixe Idee verrannte?

Ach was, den Krimi würde ich sowieso schreiben, aber es erschien mir zu billig, mit den Schultern zu zucken und „weiß nicht“ zu murmeln. Also breitete ich das Einstiegsszenario aus – s. letzter Post – ohne dass sich die steifen Mienen meiner Lieben veränderten. „Das Ganze spielt übrigens in Ystad“, meinte ich abschließend.

Der Göttergatte zog die Augenbrauen hoch. „Ystad wie in den Wallander-Krimis?“

Ich nickte, Herz, Kopf und Ohren bereits auf Durchzug. Mich würde niemand mehr von meinem Plan abbringen.

„Darfst du das denn?“, fragte die Brut. „Ich meine, da spielt doch schon ein Krimi.“

„Wäre aber cool“, murmelte der Göttergatte. „Hast du schon einen griffigen Titel für den Roman?“

Wie bitte? Wie cool war das denn?! Ich schaltete auf Autopilot und spulte ab, was ich mir an Verkaufs-, Werbe- und Überzeugungsargumenten im Lauf der Jahre angeeignet hatte. Still staunte ich darüber, dass sogar meine Lieben so heftig auf Schweden ansprangen, obwohl das Land bei uns nie Thema gewesen war. Was war mit den Zweifeln, die mir bisher bei den Ballettromanen entgegengeschlagen waren?

Na gut, dann eben Schweden, dachte ich etwas später, wird schon irgendwie hinhauen.

Schweig still von Mikaela Sandberg, ISBN 9783958190894 3,99 €, 200 Seiten, erscheint am 9. September 2016

http://midnight.ullstein.de/ebook/schweig-still/

Der stille Ruf des Todes: Essstörungen in der Familie. Wer ist schuld?

Niemand!

Es gibt so viele Faktoren, die zu Essstörungen führen können, es aber nicht unweigerlich müssen, genauso wie eine Depression aus einer schweren Lebensgeschichte entstehen kann, aber nicht zwingend muss. Lange wurde die Rolle der Mutter sehr kritisch betrachtet und vorrangig die Mutter-Tochter-Beziehung behandelt. Es kann aber auch Schwierigkeiten zwischen Vater und Tochter geben oder zwischen Mutter und Sohn oder Vater und Sohn, die zu einer Essstörung führen. Die Peergroup des Betroffenen kann eine Essstörung hervorrufen. Ein Erlebnis, eine einmalige Begegnung mit einem Fremden kann der Auslöser sein. Ein Satz, mit besten Vorsätzen vom Sporttrainer geäußert, kann negativen Einfluss auf die Zusammenstellung der Nahrung seines Zöglings nehmen. Eine Motivationsrede, vom Schullehrer gehalten, damit alle den Abschluss schaffen, kann einen einzigen Schüler entgleisen lassen. Die Einführung des Fernsehens hat auf Fiji zu einer Hungerepidemie geführt. Und, und, und …

Fazit: Sollten Sie in Ihrem Umfeld über Essstörungen stolpern, suchen Sie nicht nach einem Schuldigen, dem Sie Ihre unangenehmen Assoziationen und Emotionen überantworten können, wenn es um das Thema Essstörungen geht. Manchmal kann man trotz „gesunder Begleitumstände“ das Abgleiten in eine Krankheit einfach nicht verhindern.

Vergiss für immer. Niederrhein-Krimi

Folge meiner Stimme. Ich führe dich in das Reich der Toten.
Hel, Göttin der Unterwelt

Ein Tag vor Allerheiligen: In einer zerborstenen Weide findet das Medium Elena die entstellte Leiche des Studenten Oliver Bauer. Für Elena ist es ein eindeutiger Ritualmord zu Ehren der Todesgöttin Hel.

Kommissar Claaßen ist davon alles andere als überzeugt, da er genügend andere Motive zur Auswahl hat: Der Vater hegte gegen Oliver jahrelang tiefen Hass. Und kurz vor seinem Tod plante Oliver einen Zeitungsartikel über einen Autofahrer, der nach Einbruch der Dunkelheit regelrecht Jagd auf Fahrradfahrer macht. Ist er dem Fahrradjäger bei seinen Recherchen zu nahe gekommen? Und was ist mit seinem undurchsichtigen Schulfreund Leonard, der mit Oliver illegal an eine große Menge Geld gekommen zu sein scheint?

Claaßen ahnt nicht, dass auch Elena ihm nicht die ganze Wahrheit sagt. Sie setzt alles daran, Vera zu schützen, die mit ihrer Großmutter auf einem verwahrlosten Bauernhof wohnt. Denn Vera ist eine der letzten Personen, die Oliver lebend gesehen hat. Aber gerade durch ihr Schweigen gefährdet Elena das Leben der jungen Frau …

Print, 224 Seiten, 9,99 €, E-Book 3,99 €

Hanna Lundqvist: Das mit Gunnar und mir hätte was werden können. #Schweden-Krimi

Letzter Anruf. Der nächste Schweden-Krimi von Michaela Stadelmann

Wenn ich etwas habe, gebe ich es nicht mehr her. Gunnar fiel in diese Kategorie. Ja, ich weiß, man kann Menschen nicht besitzen, aber man kann Treue verlangen. Ich habe sie regelrecht gefordert, fordern müssen. Ohne Erfolg. Bevor die Diskussion losgeht, ob ich ihn gehen lasse, bin ich lieber selbst gegangen. Die Arbeit hat schon drunter gelitten, was blieb mir also anderes übrig?

Dass es Zeit für diesen Schritt wurde, habe ich gemerkt, weil mir der Tod von Hendrik Ek nicht mehr nah ging. Er war noch so jung und hätte eine vielversprechende Laufbahn als Musiker einschlagen können. Aber angesichts der Probleme, die ich mit Gunnar hatte, war mir das egal. Das ist nicht vorteilhaft, wenn du die ermittelnde Kommissarin bist. Dann unterlaufen dir Fehler. Am Ende kannst du nur noch die Konsequenzen ziehen.

E-Book, ca. 200 Seiten, ISBN 9783940582874, 09.11.2019, 3,99 €

Martin Michelbrinck: Niemand hält ein Schild hoch, auf dem steht: „Achtung, in 50 Tagen Lebensgefahr wegen ungeklärter Episoden in der Vergangenheit!“ Tod am Niederrhein @midnightebooks

Vielleicht hast du selbst mal an einem inneren Abgrund gestanden, den du mit ein bisschen Einsatz überwinden konntest. Du nickst und denkst dir: Boah. Es war wirklich ein hartes Stück Arbeit, über diesen Abgrund zu kommen. Und dann schaust du deinen Gegenüber an, der eine Weile abgeschottet in einer psychiatrischen Einrichtung gelebt hat, weil er in seinen eigenen Abgrund hineingestürzt ist.

Mach jetzt bitte keinen Fehler! Denk nicht, dass er sich bewusst genau diesen bodenlosen Abgrund gesucht hat, um auszuprobieren, ob er ohne Hilfsmittel auf die andere Seite kommt. Das hat er nicht. Der Sturz in die Tiefe ist einfach passiert, weil weder Zeit noch Raum blieb, um ordentlich Anlauf zu nehmen. Für diese Ereignisse gibt es keine Gebrauchsanweisung. Es hält auch niemand ein Schild hoch, auf dem steht: „Achtung, in 50 Tagen Lebensgefahr wegen ungeklärter Episoden in der Vergangenheit!“ Der Riss tut sich plötzlich auf, der nächste Schritt geht ins Leere. Dein Gegenüber musste quasi im freien Fall mit dem, was sein erschöpfter Geist noch hergab, sein Überleben organisieren. Ohne dass die, die auf der anderen Seite des Abgrunds standen, ihm sagen konnten, wie er das ohne Hilfsmittel machen soll.

Wie auch immer, der Abgrund liegt hinter ihm. Irgendwie hat er es auf die andere Seite geschafft. Er hat die Psychiatrie wieder verlassen. Ein paar Narben sind übrig geblieben. Er wird nie mehr an sein altes Leben anknüpfen können. Aber er läuft trotzdem wieder los.

Und du, was machst du? Dir erscheint sein Lachen befremdlich, denn er musste einen Teil seines Lachens in der bodenlosen Finsternis zurücklassen. Du verziehst den Mund, weil er schneller weint als früher. Aber das tut er nicht, weil er vor Selbstmitleid vergeht, sondern weil etwas an ihm rührt, das ihn belastet. Er hat es erkannt, bevor es ihn wieder runterzieht, und nimmt sich die Zeit, um darüber zu trauern. Wenn er sich bedrängt fühlt, zieht er Grenzen und nimmt in Kauf, damit andere zu verletzen. Das macht ihn wiederum einsam. Aber nur so kann er weiterleben.

Und weißt du auch, wie gut du es hast, dass du so glimpflich über deinen eigenen Abgrund gekommen bist? Sei dankbar, dass du nicht meine Erfahrungen hast machen müssen. Freu dich drüber und geh langsamer, damit ich mitkomme. Ich tue, was ich kann, um mit dir Schritt zu halten. Ja, ich weiß, dass meine Art zu gehen seltsam ist, weil sie so anders ist als die Fortbewegung, mit der andere Menschen durch ihr Leben kommen. Aber ich kann es nicht ändern. So sieht es eben aus, wenn man überlebt.

E-Book, 200 Seiten, ISBN 978-3-95819-141-9, 3,99 €
Taschenbuch, 200 Seiten, ISBN 978-3-95819-930-9, 12 €
http://midnight.ullstein.de/ebook/tod-am-niederrhein/

Wie issn das mit Sexszenen? #lektorenhimmel # lektorenhölle

Guckstu auch https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/IKEAErotica

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