Es war einmal: Yps – Black and White

Joe Brauns Begräbnis. Rache macht glücklich

Zuerst veröffentlicht am 27. August 2014

Sommerkonserve von Bettina Unghulescu

Unsere Ypsiade ging weiter. Wir ließen uns von gar nichts beeindrucken, schon gar nicht von Unfällen und / oder Missgeschicken. Die Welt zu entdecken war ein Abenteuer, von dem man sich einfach nicht abhalten lassen konnte! Und deshalb schlug die Detektiv-Serie bei Luca und mir wie eine Bombe ein.

Nicht genug damit, dass man jetzt mithilfe des Phantombuches tausenderlei Grimassen zusammensetzen konnte. Man hatte aufgrund diverser Ausrüstungsgegenstände u. a. die Möglichkeit, Fingerabdrücke sicherzustellen – etwas, das wir aus amerikanischen Krimiserien kannten und was uns sehr mysteriös und auch gefährlich vorkam. Denn wenn unsere Mütter auf die Idee kämen, ebenfalls Fingerabdrücke an Keksdosen und Schokoladenschränken zu nehmen … !

Vorab wollten wir uns selbst vergewissern, dass unsere Fingerabdrücke gar nicht soooo weit verbreitet waren und wenn doch, wo man sie finden konnte. Deshalb hatten Luca und ich je ein Heft mit dem legendären Fingerabdruckpulver in Schwarz und Weiß erworben. Einträchtig saßen wir in Lucas Wohnzimmer auf dem roten Perserteppich (vielleicht war er auch woanders geknüpft worden) und lasen die Gebrauchsanweisung. “Also. Helles Pulver für dunkle Flächen, dunkles Pulver für helle Flächen. Ist ja logisch”, brummte Luca. “Dann die Abdrücke mit Tesafilmstreifen sichern.” Zum Glück hatte ich die große Rolle Paketklebeband mitgebracht. Damit hätte man selbst Elefantenfußspuren in der Butterdose für die Ewigkeit konservieren können.

Unser erstes Ziel hieß Vorratsschrank im Durchgang zum “großen Wohnzimmer”. Und weil wir wahrscheinlich so aufgeregt und so gespannt waren, an welchen Süßigkeiten wir uns in der Vergangenheit am meisten vergriffen hatten, rissen wir die erste Tüte mit dem hellen Pulver gleich an Ort und Stelle auf, will sagen: auf dem roten (Perser-)Teppich. Wir rissen sie so gründlich auf, dass die Tüte in der Mitte entzwei ging und der Inhalt sich gleichmäßig auf und um uns herum verteilte. Gleichmäßiger Schnee bedeckte den Teppich – Weiß auf Rot, hübsch anzusehen.

In der ersten Panik stürzte Luca nach einer Kleiderbürste los und verrieb das Pulver so gleichmäßig, dass wir es nicht mal mit dem anschließend eilig herbeigeholten Staubsauger herausbekamen. Die Teppichbürste lieferten wir, weil wir sie im falschen Moment fallen ließen. Somit verschlossen wir in unserer kindlichen Naivität die Augen und hofften, dass sowieso niemand die Flecken auf dem Teppich bemerken würde – auch wenn er jetzt so rot-weiß leuchtete wie eine gescheckte Kuh.
Stattdessen begaben wir uns zu den geheimen, in weißen Schränken gelagerten Küchenvorräten, wo wir uns hin und wieder ebenfalls mit Mutters Schokolade versorgten (natürlich in Sorge um ihre Figur). Aber wahrscheinlich waren unsere kleinen dicken Finger schon so schwitzig und dysmotorisch, dass die Tüte mit dem schwarzen Pulver ebenfalls entzwei ging. Eine schwarze Wolke senkte sich auf alle weißen Küchenmöbel, und wir bekamen einen großen, gemeinsamen Niesanfall. In der Staubschicht konnte man prima malen, aber das wäre selbst einem blinden Elefanten in der geschlossenen Butterdose aufgefallen – somit versuchten wir der Sache mit Lappen und Wasser zuleibe zu rücken. Das Ergebnis war ein postmodernes Streifenmuster, wohin man auch schaute. In meiner Not kam ich darauf, die Paketkleberolle umzufunktionieren und sie wie einen Fusselroller zu benutzen (als ich vor Aufregung darauftrat und mir den Fuß verknackste). Und das funktionierte reibungslos.
Die Rolle wurde kleiner, unsere Herzen leichter, und am Schluss knüllten wir die geschwärzten Klebestreifen zusammen und stopften sie nach ganz unten in den Küchenmülleimer. Wenn es schon nicht zu Detektiven reichte, wollten wir wenigstens wie “richtige” Verbrecher alle Spuren verwischen. Leider war Lucas Mutter schon damals sehr gründlich. Sie hatte am vergangenen Tag erst eine neue Mülltüte hineingelegt und wunderte sich, dass sie schon wieder voll war. Ihre Verwunderung folgte nach der langen, lauten Strafpredigt bezüglich der Kuhflecken auf dem (Perser-)Teppich. Meine Mutter verdonnerte mich zur Anwendung unserer Teppichbürste, mit der ich alle Flecken in kürzester Zeit entfernt hatte. Die zerstörte Bürste brauchten wir nicht zu ersetzen, da schon eine neue in einem Kellerschrank auf ihren Einsatz wartete.
Seitdem durchzuckt es mich heiß, wenn ich eine durchsichtige Paketkleberolle erblicke oder sie benutzen muss. Und ich hoffe, niemand verrät meinem Coach, dass ich nach Gebrauch regelmäßig mit einem weichen Lappen meine Fingerabdrücke entferne …

Zuerst gepostet am 12. Juni 2010

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