
Lancashire ist keine Stadt, die man einfach durchfährt. Sie bleibt hängen – im Geruch von Regen auf Asphalt, im Summen der Neonlichter über dem 24/7-Markt in Little Lancashire, im leisen Knacken der alten Strommasten, wenn der Wind vom Umland herüberweht. Zwischen Salt Lake City und Rock Springs gelegen, wirkt sie auf den ersten Blick wie eine dieser typischen Kleinstädte des Westens: 20 000 Menschen, ein Einkaufszentrum, ein paar Farmen, eine High School, ein College. Doch wer hier lebt, weiß, dass Lancashire mehr ist als das, was man auf der Landkarte sieht.
In Middle Lancashire, dem Zentrum, schlägt das Herz der Stadt. Hier steht die Morton Geoffrey High School, ein grauer Betonbau, der schon bessere Tage gesehen hat. Rebecca Kowalsky, die Hausmeisterin, kennt jeden Winkel, jede Tür, jedes Geräusch in den Fluren. Früher war sie selbst Schülerin hier – eine, die man lieber übersehen hat. Heute ist sie Teil der J-NATORS, jener geheimnisvollen Gemeinschaft, die über das Gleichgewicht in der Stadt wacht. Niemand spricht offen über sie, aber jeder spürt, dass sie da sind – in den Schatten, in den Entscheidungen, in den Momenten, in denen etwas kippen könnte.
Ein paar Straßen weiter liegt das 24/7, der kleine Laden, der nie schließt. Schüler holen sich hier Energy Drinks, Nachtschichtarbeiter Kaffee, und manchmal trifft man dort Philippa Nolan, die Reporterin vom Stadtanzeiger, die immer auf der Suche nach einer neuen Geschichte ist. Ihr Vater, Bürgermeister Nathan Nolan, versucht, die Stadt zusammenzuhalten, zwischen den sozialen Spannungen im Zentrum und dem Wohlstand der weißen Familien draußen in Outer Lancashire.
Wer Hunger hat, landet früher oder später bei Joey’s Diner. Rote Ledersitze, eine Jukebox, die seit Jahren dieselben Songs spielt und Pancakes, die besser schmecken, als sie aussehen. Hier treffen sich Schüler, Lehrer, Farmer und Polizisten. Manchmal ist auch Frederic Derringer, der Beamte der Schulbehörde, zugegen, der immer so wirkt, als wüsste er mehr, als er sagt.
In Outer Lancashire liegen die Farmen, die alten Industriehallen und das Middle Lancashire College, das sich seinen guten Ruf hart erarbeitet hat.
Lancashire lebt von seinen Gegensätzen: arm und reich, hell und dunkel, sichtbar und verborgen. Und irgendwo dazwischen, zwischen den Neonlichtern des 24/7 und den stillen Fluren der High School, halten die J-NATORS Wache. Sie sind keine Helden, keine Heiligen – nur Menschen, die wissen, dass manche Geheimnisse besser bewahrt bleiben.
In Lancashire ist nichts einfach. Aber alles hängt zusammen.