Tipps fürs Selbstlektorat: Höflichkeit ist nicht nur eine Zier …

Höflichkeitsform

Ich weiß, dass seit der Rechtschreibreform mindestens eine Generation die Schule verlassen hat, die mit der Groß- und Kleinschreibung durcheinander kommt. Es lohnt sich aber nicht nur deshalb, diese Regel zu verinnerlichen und anzuwenden, um ordentliche Geschäftsbriefe schreiben zu können, sondern auch, um die wörtliche Rede in belletristischen Texten richtig zu bilden. Aufgemerkt:

Die Höflichkeitsform wird aus der 3. Person Plural gebildet und wird IMMER großgeschrieben. Das gilt auch für majestätischere Begrifflichkeiten: Seine Durchlaucht, Seine Hoheit (Pluralis Majestatis). Früher wurde in Briefen die persönliche Anrede “du” ebenfalls großgeschrieben. Das ist heute nicht mehr der Fall. Also gilt:

“Kommen Sie auch zum Dinner?”, fragte die Frau. “Nein”, antwortete er, “ich werde zu Hause essen.”

Hierbei handelt es sich um einen der häufigsten Fehler.

Wortschöpfungen

Die Freiheit des Autors endet am verbindlich geltenden Wort. Wenn man im Schreibfluss ist, fällt einem manches nicht auf Anhieb ein, was man beim zweiten Lesen finden sollte, weil es sonst ein Fehlerpünktchen gibt. Ein Beispiel dafür sind belanglose Angelegenheiten, die man richtigerweise Belanglosigkeiten nennt.

Fehler dieser Art werden beim Lektorat besonders gewichtet, das sie u.a. auf die Fähigkeit, mit Sprache literarisch umzugehen, schließen lassen. Das meine ich jetzt nicht böse, ist aber als Hinweis darauf zu verstehen, dass man gar nicht genug hochwertige Texte lesen kann, wenn man selbige produzieren will. Allerdings findet man diese seltsamen Wortschöpfungen inzwischen in vielen Büchern, sodass es mitunter schwer fällt, gute von weniger guten Texten zu unterscheiden. Tipp: Richtig gute Literatur kommt mit weniger, dafür aber den richtigen Worten aus. Wem es zu viel ist, sich durch alle Klassiker zu wühlen, dem empfehle ich literarische Lesungen im Radio, wo noch sehr genau darauf geachtet wird, dass man keinen Schund durch den Äther jagt.

Verdammte Action! Die Kunst der Formulierung

Wie ich’s gern hätte!

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Damit komme ich unweigerlich auf das Problem der Handlungsabläufe. Es passiert etwas, das möglichst dicht dargestellt werden soll. Meist sieht das schriftlich so aus:

Rudolf schaute grimmig und drückte mit gekrümmtem Zeigefinger ab. Es gab einen lauten Knall. Reflexartig fuhr Renate herum und sprang auf die Straße. Dann rannte sie mit einer affenartigen Geschwindigkeit die Straße entlang. Rudolf folgte ihr und schoss noch einmal.

Renate schrie: „Du Mörder!“

Rudolf lachte grimmig.

(Häufigste Begründung für solche lieblosen Beschreibungen: Es läuft wie ein innerer Film vor meinem inneren Auge ab. Das lässt im wahrsten Sinne des Wortes tief blicken.)

Stellte man diese Situation in Bildern dar, also als Comic, wäre alles gesagt bzw. gezeichnet. Rudolfs Gesichtszüge wären eindeutig grimmig, der Knall würde mit „piff-paff“ oder „booouuum“ oder „pichiuuu“ (habe ich auch mal gesehen) dargestellt. Auf dem nächsten Bild würde eine Frau von einem Mann verfolgt („muhahahahahaaa!“), es gäbe Sprechblasen etc. (Man beachte den Konjunktiv.) Aber Autoren haben auf den ersten Blick keine Bilder. Sie verwenden Worte. (Oder man schult um auf (Hobby-)Grafiker.) Und es fällt Folgendes auf:

  • Für die (Comic-)Bilder steht nur wenig Raum zur Verfügung. Mit wenigen Pinselstrichen und akkurat eingesetzten Farben müssen in wenigen Kästchen Stimmung, Handlung, Erwartungshaltung etc. dargestellt werden.

  • Der Grafiker kann Stereotypen in Form von Symbolen verwenden, auf die der Leser reagiert, wenn er sie nur sieht, weil eine Kultur u. a. Symbole hervorbringt, die jeder kennt. Gesichtsausdrücke sind sogar international, da reicht es, wenn der Grafiker Besonderheiten einfügt. (Womit ich die Arbeit eines Grafikers auf keinen Fall schmälern will, ich habe einen Heidenrespekt vor den Meistern des Pinsels! Und das nicht nur, weil meine Menschen immer aussehen wie Erni & Bert aus der Sesamstraße.)

  • Autoren ist dagegen dank moderner Technik (fast) kein Limit gesetzt. Sie können sich, falls das Bedürfnis besteht, über 10 Seiten zu dieser Szene auslassen und so oft zu ihr zurückkehren, wie sie wollen (außer es gibt ein Zeichen- oder Seitenlimit). Es mangelt weder an Tinte noch Papier, bei der Darstellung solcher Szenen jedoch dem Schreiber offensichtlich an Geduld, denn wie soll man sich erklären, dass diese spannungsgeladene Szene so ungenau und mit dieser Kürze abgestraft wird?

Ich meine damit nicht, dass jemand etwas zu Tode formuliert und mittels Füllseln (da, jedoch, alldieweil, eigentlich, (ein-)mal, doch, noch, nicht, aber, wenn, nie, niemals …) einen Satz bis zur Unkenntlichkeit überlädt. Ja, im Deutschen spart man nicht an langen Sätzen, das ist nicht nur bei mir so. Aber ein Satz wird unverständlich, wenn man ihn mit heißer Luft (eben Füllseln) aufbläht. Statt jedoch nur den Handlungsablauf darzustellen, was wie in einem Schulaufsatz anmutet, könnte man einen Blick auf scheinbare Nebensächlichkeiten werfen, um Atmosphäre zu schaffen. Zum Beispiel so:

Rudolfs Atem kondensierte in der kalten Luft. Bar jeder Alternative, hob er langsam die Faustfeuerwaffe. Sein Finger krümmte sich um den Abzug. Renates Blick gefror auf der Mündung. Sie sah die Bewegung seines Fingers, die tiefen Kerben um seinen Mund, die seine ganze Verachtung für sie und den Rest der Welt ausdrückten.

Ihr Körper gehorchte eigenen Gesetzen, als sie wie auf Wolken, von Zeit und Raum entbunden, ihren Körper aus dem Gebüsch auf die Straße schweben ließ. Dumpf hallte der Atem der Unendlichkeit in der Häuserschlucht wider – war es der Schuss, Rudolfs Hass? Sie konnte es nicht identifizieren. Das widerliche Kreischen in ihren Ohren schwoll an, als die Gegenwart, die momentgenaue Abfolge der Sekunden, mit aller Macht zuschlug und sie vorwärts riss.

Renate rannte um ihr Leben.

Du Mörder!“, schrie sie.

Rudolf hatte nur noch sein grobes Lachen für sie übrig und setzte zum Endspurt an.

Diese Beispielpassage, die natürlich auch anders formuliert werden kann, soll verdeutlichen, dass dieser Szene etwas vorausgegangen ist, das sich mit dem Innenleben der Protagonisten beschäftigt und unweigerlich zu dieser Verfolgungsjagd führt. Warum schießt Rudolf auf Renate? Warum hasst er sie? Warum rennt Renate weg? Wieso ist sie überhaupt in diese Situation geraten? Hätte sie sich selbst davor schützen können? Wieso ist niemand in der Nähe usw. usf. Damit entsteht eine gewisse Spannung, die der Leser evtl. mittels Fortsetzen der Lektüre abbauen will (Ziel erreicht). Dazu kommen die Bilder, mit denen ich als Autorin in dieser Szene Zeit, Emotionen und Geschwindigkeit verbinde. Es bedeutet ein bisschen Frickelei, diese Bilder herauszukriegen (und das auch zu wollen, denn man gibt damit etwas von sich preis) und sie so zu formulieren, wie ich es noch nirgendwo gelesen habe (womit wir wieder bei der Recherche in alten Texten wären). Vielleicht habe ich auch früher etwas entdeckt, das mir gefallen hat, das sich gut mit anderen Oberbegriffen / Bildern / Eingebungen verbinden lässt. Manchmal finde ich meine Bilder nichtssagend, aber oft freue ich mich, wenn mir etwas Neues (?) einfällt.

Tipps fürs Selbstlektorat: Tastaturgegrümpfel

Als Autor weiß man idR nicht, welche Zeichen auf der Tastatur z.B. für ein Apostroph verwendet werden. (Es ist das Hochkomma auf der Rautetaste.) Wer sich das Zehn-Finger-System in der Schule hat beibiegen lassen, erinnert sich aber bestimmt noch an die unsäglichen Tests, in denen es darauf ankam, dass man im Fall des Falles auch die richtige Taste erwischt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dieses Wissen zu reaktivieren, denn:

Wenn ein Lektor einen maschinengeschriebenen Text in die Finger bekommt, der zwar sprachlich ansprechend ist und auch sonst alle Kriterien erfüllt, um ins Verlagsprogramm aufgenommen zu werden, aber vor Zeichenfehlern strotzt, dann ist u.U. leider auch dieser Text für die Tonne. Die falschen Zeichen müssen ebenfalls für den Satz korrigiert werden – das kostet Zeit – und somit Geld, das der Verleger viel lieber an anderer Stelle ausgibt.

Fazit: Man kann als Autor nie zu viel wissen, sollte mindestens die Basis haben, die man sich im Deutschunterricht angeeignet hat (und wenn nicht, dann sollte man das schleunigst nachholen) und ist somit in der Lage zu erkennen, ob man es mit einem Lektor zu tun hat, der sein Geld wert ist, oder mit einem Blender.

Tipps fürs Selbstlektorat: Superlative & Absätze

Es sind die Kleinigkeiten, die einen guten Text ausmachen. Damit eure Texte künftig auch positiv auffallen, habe ich ein paar Punkte zusammengestellt, die mir während des Turbolektorats aufgefallen sind.

Absätze …
… sind keine Sätze. Umgekehrt sind Sätze auch keine Absätze. Deshalb:
Einen Absatz kennzeichnet einen in sich abgeschlossenen Vorgang.

Super-Superlative
Auch wenn die Werbung es uns weismachen will, kann man nichts unendlich steigern. Manche Dinge kann man sogar nur sehr begrenzt steigern oder gar nicht, weil sie bereits die letzte Stufe bezeichnen. Dazu gehören:
In keinster Weise: „Kein“ ist schon nichts. Noch nichtser geht nicht. Deshalb: in keiner Weise.
Völlige Leere: Etwas ist nicht nur leer, sondern völlig leer? Handelt es sich dann um ein absolutes Vakuum, was aber auch nicht richtig ist?
Manchmal werden Begriffe auch ins Negative „gesteigert“ und büßen neben der Bedeutung ihre linguistische Würde ein. Suboptimal ist so ein Begriff. Man findet es zwar in etlichen Nachschlagewerken, aber ich finde das Wort ziemlich schwachsinnig. Entweder ist etwas optimal – also perfekt – oder nicht. Unterperfektheit gips nich.

Mehr dazu, wie man richtig gute Bücher macht, gibt’s hier:  Tipps & Tipps für die Buchproduktion

Tipps & Tricks für Autoren: Veröffentlichungs-Tools

Ja – es ist wahr. Es muss nicht immer der Holzblock im Brockhausformat sein. Goldschnitt, Leineneinband, Ölpapier, Lesebändchen, Metallecken – alles keine Pflicht. Wenn man den puren Textgenuss sucht.

Ja – ich weiß, das „haptische Leseerlebnis“ wird oft ins Feld geführt, wenn die Gegner des E-Books zu Wort kommen. Aber ehrlich gesagt halte ich das nur noch für einen Papiertiger, denn in Deutschland sind inzwischen Millionen von E-Books über die virtuelle Ladentheke gegangen. Und die Buchhandlung am Eck existiert immer noch. (Dass es wohl bald noch weniger „Büchis“ werden, liegt nicht am E-Book, aber das ist ein anderes Thema …)

Jou. Der gewiefte Autor weiß dieses Wissen auch sofort umzusetzen. Mit einem mehr oder minder eleganten Köpper geht es hinein in die Fluten des Datenmeeres, noch mal tief Luft geholt – und ab in die Tiefe. Dort lauern Blind- und Anglerfische, Muränen und Räucheraale, Pottwale und Haie. Und mit welcher Kreatur dringt man nun zum Kern der Sache – des E-Books vor? Tja! Da ist der Jacques Cousteau der Tiefsee gefragt. Viele Selfpublishing-Plattformen (auf diese Wortungetüme sollte man mal Käptn Ahab ansetzen, das geht ja auf keine Walhaut mehr) verfügen inzwischen über einen Konvertierungsservice für E-Books. Manche bieten bequeme Editoren an, mit denen man seine geheimsten Gedanken auswirft, ein Klick – und schon geht der Leser im Netz – ins Netz. Nie war es einfacher, Neptun der Literatur zu werden!

Ja ja, da schlüpft manche Flunder aus, aber auch prächtige Ungetüme mit Seltenheitswert ziehen ihre Bahnen in der Unendlichkeit der Philologie. Diese Wesen wollen in den richtigen geleitet werden, wozu man sich ein wenig mit den Flotten der Bloggosphäre auskennen sollte. Reeder reden viel, bevor die Sonne den Horizont berührt. Haltet also Ausschau nach den Leuchttürmen, die die Schwärme der Leser beleuchten, die ihr erreichen wollt! Denn sobald das E-Book auf Käptn Nemos Spuren das ewige Eis unterquert, ist es ein ganz normales Stück Literatur, und das kann auf dem Trockenen genauso wenig überleben wie eine Qualle am Strand. Schlimmer noch, Piraten drohen mit geflüsterten Lügen und feisten Phantastereien die Flotte in die Irre zu leiten. Bleib bei einem Thema – steh zu deinem E-Book, es ist dein Werk! Vertrau keinem fremden Leuchtfeuer, trau dich auch mal in fremde Gewässer. Vielleicht findest du dort den Hafen für dein Schiff.

Tipps fürs Selbstlektorat: Füllsel, Richtungen, vier Fälle für alle

Es sind die Kleinigkeiten, die einen guten Text ausmachen. Damit eure Texte künftig auch positiv auffallen, habe ich ein paar Punkte zusammengestellt:

Füllsel
Das sind Wörter, die in der Umgangssprache recht großzügig verwendet werden und eine Sprache mitunter blumiger oder lässiger erscheinen lassen. Dabei handelt es sich mitunter um im Alltag abgekürzte Wörter: Ich bin dann mal weg. Aha, tja, dann bin ich eben mal weg.
Ein Protagonist kann lässig mit Füllseln um sich werfen. Man sollte beachten, dass zu intensiver Füllselgebrauch in der wörtlichen Rede zu Monotonie führen kann – weniger ist mehr.

Sich in Richtung von etwas bewegen und somit mit der Masse schwimmen
Das ist anscheinend eine Standardfloskel, die in keinem Text fehlen darf: Er ging Richtung Bahnhof (Haltestelle, Schulgebäude etc.). Das ist auch soweit korrekt, fällt aber auch unter die Alltagssprache und ist, wenn sie massiert auftritt, weil alle sie verwenden, sterbenslangweilig. Ich will ja nicht sagen, dass ich einen Abwehrreflex gegen diese Wendung entwickelt habe, aber … ach 🙂 Was spricht gegen die Verwendung einer Präposition?
Er ging zum Bahnhof oder Er ging auf das Bahnhofsgebäude zu.
Deshalb sollte man, im Gegensatz zur Überschrift, nicht mit der Masse schwimmen und auch nicht Richtung etwas gehen, sondern einfach hin, darauf zu, sich hinbewegen etc., damit der Vorgang der Fortbewegung wieder etwas mehr Biss bekommt.

Die vier Fälle und ihre Fragen
Der Vollständigkeit halber und weil es wichtig ist, sie auseinanderhalten zu können, erwähne ich die vier grammatischen Angstfälle, die einen Schüler Jahre seines Lebens kosten können und eigentlich ganz harmlos sind. (Was sollen da erst die Russen sagen, die haben noch zwei Extrafälle …) Los geht’s:

Nominativ: Was (ist es)?
Genitiv: Wessen (ist es)?
Dativ: Wem (gehört es)?
Akkusativ: Wen (erreiche ich damit)?
Mit diesen Fragen können Satzglieder bestimmt werden, was ich aber jedem selbst überlasse. Fakt ist, dass es nicht schadet, dieses Folterkapitel aus der Schulzeit zu wiederholen. Ihr werdet staunen, wie plausibel plötzlich alles ist – und nur, weil ihr wisst, wofür ihr es brauchen könnt, nämlich um wunderbare Texte zu konstruieren.

Mehr dazu, wie man richtig gute Bücher macht, gibt’s hier:  Tipps & Tipps für die Buchproduktion

Wie ich NICHT begann, einen Kriminalroman …

… zu schreiben:

Heute wäre der Wunderwaldverlag 9 Jahre alt geworden. Was mich dazu veranlasste, seit Tagen zu überlegen, wie ich diesen Nicht-Feiertag nicht begehen könnte. Und da hat es sich ergeben, dass ich mich im Zuge der neuen Verlagsfreiheit – sozusagen aus dem Stand – als Anwärterin auf den ersten Platz in Prokrastination qualifiziert habe.

Will sagen: Seit der Veröffentlichungsdruck weg ist, habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, keine 500 Worte pro Tag aufs Papier zu bringen. Wenn das mal keine Lebensqualität ist, ganz zu schweigen von der Quality Time, die ich mir dadurch ergaunert habe 😉

Der Roman wird deshalb keine 300 Seiten Umfang haben, weder im A5- noch im Taschenbuch- oder anderem Format. Er wird nicht superspannend sein und auch keine 9,99 € kosten. Jedenfalls heute nicht. Und morgen auch nicht. Vielleicht nächste Woche.

Wir werden sehen …

Bine ați venit: Liebe Drehbuchautoren! Teil 1

Für alle Datensammler gebe ich hier und heute preis, was ich in meiner Freizeit mache. Z.B. liebe ich Krimis. Nicht erst seit Neuestem. Schon länger. Das mündet in regelmäßige Krimi-Sessions vor dem Fernseher, bei denen ich den Kommissaren gedanklich zur Seite stehe und …
… jedes Mal überrascht bin, sobald eine Figur mit ausländischem Hintergrund auf dem  Bildschirm erscheint. (Nein, nicht wegen des Migrationshintergrunds. Doch, eigentlich auch, weil es endlich ganz viele Figuren mit ebendiesem gibt! Aber darum geht es jetzt ausnahmsweise nicht.) In den letzten Jahren kommen neben Albanern, Türken und Serben immer wieder Rumänen zum Zuge. Und diese rumänisch angelegten Figuren eint nicht nur die Zugehörigkeit zur gleichen Nation, sondern – tadaaa! Sie tragen quasi unisono den Nachnamen Popescu.

Ich will damit keinesfalls andeuten, dass der Name Popescu mit einem Fluch in Sachen literarischer Illegalität belegt ist. Popescu ist ein Name wie Müller, Meier, Schulze und kommt ungefähr genauso häufig vor. Aber, liebe Drehbuchverfasser, auch wenn es unglaublich klingt: Es gibt kein EU-Gesetz, das den Nachnamen “Popescu” in literarischen Texten zwingend vorschreibt. Und somit hängt eure Einfallslosigkeit wie dicke schwarze Augenbrauen ins Bild – ihr wisst schon, die Dinger, mit denen in den Stummfilmen die Bösewichte gekennzeichnet wurden.

Wie wäre es z.B. mit, hm, Iliescu, Unghulescu *hüstel * oder Balan *Hustenanfall*? (Wobei der letzte Name tatsächlich mit einem realen Vielfach-Mörder verknüpft ist und zu dem etlichen Siebenbürgern, mit denen ich gesprochen habe, etwas einfällt.) Märchenhafterweise finden sich auch Nachnamen slawischen, türkischen und sogar griechischen Ursprungs in Rumänien, nicht zu reden von albanischen, bulgarischen etc. pp. Es soll sogar einen rumänischen Staatsbürger geben, dessen Nachname JOHANNES lautet. (Wer war das noch gleich? Ach ja, der Regierungspräsident. Haha, lustig, das klingt, äh, irgendwie deutsch …) Ja! So ist das in Rumänien, liebe Drehbuchschreiber!

Also seid bitte so gut und lasst die Popescus eine Weile in Ruhe. Und macht es für uns Fernsehzuschauer nicht ganz so langweilig mit der Zuordnung … Ihr wisst schon, Augenbrauen!

Tipps fürs Selbstlektorat: Gänsefüßchen & wörtliche Rede

Es sind die Kleinigkeiten, die einen guten Text ausmachen. Damit eure Texte künftig auch positiv auffallen, habe ich ein paar Punkte zusammengestellt:

Zeichensetzung bei der wörtlichen Rede
Nun! Da hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Trotzdem gibt es hier massive Stolpersteine, weshalb ich rate, einen Text vor dem Verschicken eingehend auf Fehler in der Gänsefüßchensetzung zu prüfen. Ein Lektor, der diese Fehler auf mehreren 100 Seiten korrigieren soll, wird absolutely not amused sein. Folgende Punkte sind wichtig, wichtig, wichtig, um die eigenen Chancen nicht zu schmälern:
Textsprache: Man sollte vor dem Schreiben in der Rechtschreibkorrektur UNBEDINGT die Sprache einstellen, in der man den Text zu verfassen gedenkt, damit das Programm die Anführungsstriche richtig setzt. Sonst hat man plötzlich in einem Berliner Setting britische Gänsefüßchen (oben) oder gar französische (spitze Klammern), die mitunter nicht mit der Suchen-Ersetzen-Funktion zu beheben sind.
Zeichensetzung – nur so und nicht anders:
Sie sagte: Ich gehe heute Abend ins Kino.“
Mit wem gehst du?“, fragte er, während er sich einen Kaffee aufgoss.
Mit Gustav“, antwortete sie.
Dass du ausgerechnet mit ihm gehst“, sagte er und goss Milch in die Tasse, hätte ich nicht gedacht!“

Mehr dazu, wie man richtig gute Bücher macht, gibt’s hier:  Tipps & Tipps für die Buchproduktion

Tipps fürs Selbstlektorat: Satzlänge, Körperteile, Verbindestrichungen

Es sind die Kleinigkeiten, die einen guten Text ausmachen. Damit eure Texte künftig auch positiv auffallen, habe ich ein paar Punkte zusammengestellt:

Satzlänge
Die deutsche Sprache zeichnet sich u.a. durch Schachtelsätze aus. Deshalb ist grundsätzlich nichts gegen lange Sätze einzuwenden. Wichtig ist, dass die Aussage nicht untergeht und dass man mit der kunstvollen Auswüchsen keine Verschlingungen im Leserhirn verursacht. Um die Gehirnwindungen wieder abkühlen zu lassen, empfiehlt es sich, kurze Sätze einzufügen.

Körperteile
Hier verweise ich elegant auf die bereits erschienenen Blogposts Körperlogik 1 und Körperlogik 2.

Zusammengesetzte Wörter
Derer gibt es viele und wiederum viele glauben, sie nur mit einem Bindestrich zusammenhalten zu können. Der ist aber überflüssig, solang das Wort selbst nicht Anlass zum Zweifeln gibt. Ein beliebtes Beispiel dafür, dass ein Strich hilfreich sein kann, ist der Urinstinkt. Ein falsch gesetzter Stich wie bei Blumento-Pferden führt dagegen zu Verwirrung.
Wenn man Wörter verschiedener Sprachen zusammensetzt, ist ein Strich ebenfalls ratsam, z.B. bei Online-Handel. Und dann gibt es natürlich noch ein paar Regeln zur Verbindestrichung von Straßennamen etc., die man im Duden nachschlagen kann.

Mehr dazu, wie man richtig gute Bücher macht, gibt’s hier:  Tipps & Tipps für die Buchproduktion

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