Blog

Rebellion: Jetzt geht der Horror erst richtig los

Werkstattbericht Lit.Limbus Dance Floor, Rebellion, Tatzeit: 15.05.2013, 12.31 UhrArabesque02

Hobby-Psychologen aufgepasst: Unter dem Eindruck des Double Bind der vorangegangenen Szene werde ich das erste Kapitel jetzt mit dem (Alb-)Traum abschließen, der Melisande durch das ganze Buch verfolgen wird, so viel sei verraten. Wie es sich für Wiederholungsträume gehört, werden ein paar Aspekte variieren, damit Melisande sich nicht im Schlaf langweilt und der geschätzte Leser „traumpsychologische Reisebücher“ wälzen kann. Ich beziehe mich dabei auf C.G. Jung, weil ich seine Archetypen mag. Welche Deutung der Leser daraus zieht, überlasse ich selbigem.

E-Book, ca. 180 Seiten, 0,99 €

Die liebe Familie

GraetscheWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 15.05.2013, 12.01 Uhr

E-Book, ca. 180 Seiten, mit verlinktem Glossar 0,99 €

Kaum zu Hause, bekommt Melisande einen ersten Eindruck von stiller Rebellion. Ausgerechnet ihr Vater bekommt sie ab – dabei tut er nur das, was er immer getan hat. Und sie verweigert sich. Das ist auf den ersten Blick recht unspektakulär. Sollte es in Jugendromanen nicht spannend, anspruchsvoll, ja, abenteuerlich zugehen?

Na ja … das Abenteuer „Familie“ ist aus gutem Grund ein Kapitel für sich. Die wenigsten Familien stechen sich aus Gewohnheit mit Messern ab, wenn etwas schiefgeht, weil es einfach zu anstrengend ist, jedes Mal die Flecken aus dem Teppich zu rubbeln. Deshalb greift man in Familien auf altbewährte Mittel zurück: die Sprache. – Wenn ich so zurückdenke und mir anschaue, welche Methoden ich anwende, stelle ich fest, dass viele der familiären Zwistigkeiten mit dem Mund ausgetragen werden, ohne dass es zu Beleidigungen kommt. Das bedeutet aber auch, dass gerade hier ein ganz besonders delikates Vokabular vorherrscht. Gerade die Terminologie des Familienlebens beschränkt sich nicht nur auf Worte und Taten, sondern hat so viele Gesten im Repertoire, dass man daraus eigentlich ein fremdsprachliches Fach machen könnte. Nicht umsonst gibt es ja so viele Psychologen, die externen Zuhörer, die bei Schwierigkeiten eingreifen und die „Familiensprache“ geraderücken helfen.

Und Melisande? Die tut, was Jugendliche in der zweiten heißen Phase des Erwachsenwerdens tun: Sie schweigt und denkt sich ihren Teil, während der Rest ihres Körpers reagiert und mit Gesten antwortet. Der Vater merkt es natürlich – so ausgefeilt ist die „verborgene“ Rhetorik in dem Alter meist noch nicht – und verhält sich abwartend, vielleicht auch hilflos. Plötzlich versteht er seine eigene Tochter nicht mehr, die keine Lust hat, mit ihm Suppe zu kochen, es aber partout nicht sagt. Dafür gibt es übrigens auch einen Fachausdruck in der Psychologie: Double Bind. Ich sage „ja“ und meine „nein“, was bekanntlich nicht nur in Gruppensystematiken zu Schwierigkeiten führt.

P. S.: Besonders interessant finde ich, dieses Verhalten rückblickend zu betrachten. Wenn ich nur halb so „unverständlich“ war wie Melisande in dieser Szene, ziehe ich nachträglich den Hut vor meinen Eltern. Das war ja wirklich ein hartes Stück Arbeit …

Matheprobe und Schokobrot

LL_38_Spagatsprung_ScherenschnittWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 14.05.2013, 21.37 Uhr

Nächster Punkt nach den roten Ohren – es ist einigermaßen glatt gegangen, auch wenn ich zwischendurch Zuordnungsprobleme hatte: Ein bisschen Suche nach dem richtigen Weg muss auch hier sein. Ich habe Hunger und arbeite das Schokobrot, das ich mir gerade geschmiert habe, in den Text ein. Das hat nichts damit zu tun, dass ein Gegengewicht zu den überschlanken Tänzerinnen geschaffen werden soll (die es noch nicht gibt und die auch in der Form nicht auftauchen werden, weil sie auch in der Realität keine halbe Stunde am Barré überstehen würden).

Aber ich finde, die Kinder, um die es geht, sollen Schokolade und Süßigkeiten essen, so viel sie wollen, auch wenn sie dann ein bisschen moppelig werden. Es ist ihre Art, mit der Welt umzugehen. Die moralisierenden Gesundheitsprobleme muss ich hier nicht beschwören, die kommen von alleine und bekommen dann auch den Rahmen zugewiesen, der ihnen gebührt. Mit Schokobrot lässt sich außerdem auch sehr entspannt darüber schreiben, dass nach der Pause eine Matheprobe geschrieben werden soll, deren Ergebnis für Melisande, die „Heldin“, gar nicht so wichtig ist, weil sie ja „nur“ Arzthelferin werden will, und die „müssen nicht so gut rechnen können.“ Jou, das ist das erste haarsträubende Klischee. Aber auch damit müssen sich die Jugendlichen heute auseinandersetzen, sogar stärker als in den Jahren davor – leider ein heftiger Backlash nach den so vielversprechenden Anfangsjahren der Emazipation der Frau. Und der Beginn von Melisandes Emanzipation, die sich im ersten Roman freischwimmen muss – von ihren Eltern, ihren Freunden, ihren Klassenkameraden, die sie als so typisch verträumt einstufen: Da ist ein Mädchen, das ein paar Pubertätspfunde zu viel herumschleppt, und es träumt davon, federleicht wie eine Ballerina durch die Welt zu schweben. Im Grunde will Melisande sich ihren Weg suchen wie jeder andere pubertierende Jugendliche. Und Melisande sucht sich das scheinbare Klischee Ballett aus – so viel sei schon verraten – um feststellen zu müssen, dass … stopp. Das kommt erst später. Jetzt lasse ich Melisande nach der Matheprobe erst mal nach Hause kommen.

E-Book, ca. 180 Seiten, mit verlinktem Glossar 0,99 €

Rote Ohren für die erste Liebe

Spagat_CambreWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 14.05.2013, 20.46 Uhr

Stell dir vor, im zweiten Durchgang sieht die Meuterei in der Turnhalle schon wieder ganz anders aus. Die „Sabotage“ ist abgeschlossen, bewegen wir uns doch zielstrebig auf die nächste glatte Stelle zu: Wie war das doch gleich mit der ersten großen Liebe, diesem Moment, wenn einen fast der Schlag trifft? Wenn die Pheromone nach erfolgreicher hormoneller Umstellung plötzlich durch die Luft segeln und man wegen einer anderen Person nicht mehr geradeaus laufen kann? Tja. Das wird wieder so ein Ding, denn die Protagonisten sind alle um die 12 Jahre alt. Eigentlich kein Alter, und eigentlich ist in dem Alter alles noch sehr, sehr unschuldig. Aber wie formulieren, ohne dass der Eindruck entsteht, es wird eine FSK-12-Version von „Eis am Stiel“?

Erinnern wir uns mal zurück: Ich bin damals übers Erröten über beide Löffel nicht hinausgekommen. Das Objekt meiner aufkeimenden Begierde saß in der Schule genau vor mir und brauchte sich nur umzudrehen, um mir über den Rand seiner Brille tief in die Augen zu schauen. So weit, so schön für ihn, denn der betreffende Junge tat es oft und freute sich wahrscheinlich heftig. Damals war ich „verknallt“ – und das ist auch bei der Hauptperson in der besagten Szene der Fall, die passenderweise auch noch männlich ist. Na dann, auf zum Ritt auf dem Blocksberg. Mal sehen, ob der Protagonist oder ich hinterher die roteren Ohren hat.

E-Book, ca. 180 Seiten, 0,99 €

Gemeinheit raus, Substanz rein

Pfeil_und_BogenWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 14.05.2013, 18.28 Uhr

Puuuh … Das war jetzt fast ein wenig hart: Gemeinheit herausnehmen und dafür mehr Substanz in die Situation bringen, ohne dass nur noch gejohlt und gegrölt wird. Und trotzdem habe ich das Gefühl, immer noch nicht anarchisch genug beschrieben zu haben, wie die Jungen die Tanz AG sabotieren. Und die Mädchen natürlich auch.

Außerdem fürchte ich ein bisschen, dass die abrupten Szenenwechsel nicht so richtig bei den jungen Lesern ankommen. Ist es heute nicht eher „literarische Mode“, Situationen zu Tode zu beschreiben, bis auch der Letzte weiß, wo genau welche Figur steht? Aber ich habe keine Lust, die Spannung mit überstrapazierten Beschreibungen kaputtzumachen. Na ja, warten wir das erste Lektorat ab, vielleicht ist meine Lektorin ja ganz anderer Meinung.

E-Book, ca. 180 Seiten, 0,99 €

Komplizierte Konstellationen

SchneidersitzWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 14.05.2013, 15.20 Uhr

Beim wiederholten Lesen der letzten Szenen frage ich mich, ob mir mein Zielpublikum diese Konstellation abnimmt. Ich beschreibe die Jugendlichen, als ob ich entweder noch nie jung gewesen wäre oder schlichtweg vergessen hätte, was damals wichtig war. So viel zum Thema: Ich schreibe einen Jugendroman! Also noch mal von vorne:

  1. Ist es nicht zu klischeehaft, die Jungen eine Tanzstunde sprengen zu lassen? Wäre es nicht viel interessanter, mal die Mädchen pöbeln zu lassen, auch wenn es sich um Ballett handelt?
  2. Egal, wann die Jungen darauf einsteigen, sollte man nicht darauf achten, das Verhältnis Lehrer – Schüler noch mehr zu überspitzen? Immerhin prallen hier zwei relativ freie Parteien aufeinander: Die eine muss nicht bewerten, die andere weiß es und kann alles tun, um den Unterricht zu sabotieren. Das schlimmste Sanktion wäre, dass die Folgestunde nicht stattfindet. Dann haben die Schüler wie immer nach der sechsten Stunde Schulschluss – und das war es. Kein blauer Brief, keine Verhöre durch Eltern / Lehrer / wen auch immer. Und wenn man schon
  3. einen Konkurrenten einschleust – immerhin ist ein ausgebildeter Tänzer idR nicht nur besser trainiert, sondern schlichtweg interessanter für Mädchen als pubertierende Jungen – dann ist die Gefahr, dass man plötzlich als Schüler „uncool“ wird, viel größer. Das gilt es zu verhindern. *seufz * Okay, also wieder zurück auf START und beim Würfeln auf die Sechs hoffen.

E-Book, ca. 180 Seiten, 0,99 €

Klassenpunk

Sprung_FaustWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 10.05.2013, 19.26 Uhr

Soweit zu meiner Selbstbeherrschung: Es hat richtig Spaß gemacht, die Jugendlichen aufbegehren zu lassen. Ob ich damit etwas nachgeholt habe? – Jedenfalls ist mir der Einstieg doch nicht so schwer gefallen wie erwartet. Zur Entspannung ziehe ich mich jetzt mit einer Protagonistin in den Jugendclub zurück, wo es einen Praktikanten namens Patrick gibt, den alle nur „Patrikant“ nennen. Warum nicht auch ein bisschen mit Namen spielen?

Downloaden und lesen: BeamEBooks, Amazon, ebook.de, Libreka, Buch.de, Buch.ch, Bol.de, Bol.ch, Thalia.de, Thalia.at, Thalia.ch

Wie wird man wieder jung?!

Koerbchen02Werkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 10.05.2013, 16.30 Uhr

Der Frühstückstisch ist gegessen, die Ballett AG hat bereits stattgefunden. Aber wissen Sie, wie schwierig es ist, als Erwachsener noch mal in die Jugendrolle zu schlüpfen? Zum ersten Mal habe ich mich richtig vertrocknet gefühlt und das nicht nur, weil ich keine Ahnung von der aktuellen Jugendsprache habe. Zum Beispiel geht mir der andauernde Gebrauch der modernen Medien via Telefon bzw. Handy und oder Tablet oder Laptop nicht richtig ein. Ich muss meine Figuren total verkabeln bzw. total verWLANen, damit sie authentisch wirken. Und das beim Tanz!

E-Book, ca. 180 Seiten, mit verlinktem Glossar 0,99 €

Melisande stellt sich vor

Round_House_KickWerkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 10.05.2013, 15.00 Uhr

Also. Es gibt da eine Jugendliche, die, weil sie „ganzheitlich“ denkende Eltern hat, Melisande heißt und auf den ersten Blick ziemlich frei erzogen wird. Alles, was „restriktiv“ ist, ist schädlich und wird somit abgeblockt. Melisande sieht das auch so. Bis eines Tages eine AG in ihrer Schule beginnt, die sich ausgerechnet mit klassischem Tanz beschäftigt. Was passiert, wenn man einer 6. Klasse die Grundlagen des klassischen Tanzes vermitteln will? Es wird albern. Und Melisande … aber lest selbst! Vorher machen wir einen Abstecher an den Frühstückstisch. Dort erfährt man, was die Eltern von Ballett halten – nämlich nicht viel, weil es zu, der Leser ahnt es schon, „restriktiv“ ist.

E-Book, ca. 180 Seiten, mit verlinktem Glossar 0,99 €

Schön verpackt

Werkstattbericht Rebellion, Tatzeit: 10.05.2013, 14.32 Uhr

Die Verpackung muss stimmen! Ich verwendete bisher ein Pseudonym, das nicht ganz zum Thema „Ballett“ passt, auch wenn der Name aus einem Land östlich von Deutschland stammt. So „osteuropäisiert“ sind wir Leser dann doch (noch) nicht. Allerdings fand meine Tochter gleich meinen ersten Vorschlag blöd: Silvia Noethen klinge nach „nölen“, also herummaulen. Sie fände etwas ausländisch Klingendes besser, aber auch mit Jeanett Ballet war sie nicht zufrieden, und mit Annett Holtfort-Barre war sie überhaupt nicht einverstanden, denn barre heißt die Stange, an der man seine exercices absolviert. Die Kombination „Inge Borg“ brachte uns eher zum Lachen und wurde durch ein „ch“ auch nicht verbessert: „Inge Borch“. Wie wir von hier auf „Gustav Ganz Anders“ kamen, weiß ich nicht mehr genau. Jedenfalls sollte es ein Name sein, der untrennbar mit der Geschichte verbunden ist. Bis uns der einfällt, schreibe ich aber lieber an der Geschichte weiter. Den Albtraum haben wir ja schon hinter uns.

E-Book, ca. 180 Seiten, mit verlinktem Glossar 0,99 €

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com