Dieser Post erschien ursprünglich am 2. August 2014 auf der Seite portbunghulescu.wordpress.com, wo sich mein Alter Ego ein paar Jahre über alles mögliche ausgelassen hat. Diesen Blog gibt es inzwischen nicht mehr. Dafür sind die Glossen nun auf textflash.de zu finden.

Schlechte Buchtitel!

Die Leser der Belletristik wussten es schon immer: Die Bildung der Welt ruht auf den Worten der Menschheit. Und dank all dieser Zeichen der Schrift ist es uns vergönnt, den Inhalt unserer Gehirne auf die Zellulose der Bäume zu verteilen, auf dass die Leere der Krone der Schöpfung die Alabasterhaut der sogenannten Schönheit in den Shows der Massenmedien übersteige. Punkt!

Trotzdem gibt es immer noch die Deppen der Welt, die es sich nicht nehmen lassen, den Schwachsinn des Buchhandels zu kaufen und zwischen den Brettern der in Möbelhäusern erworbenen Buchregale verschwinden zu lassen, nur weil die Bücher den Umfang der vorgeschriebenen Backsteinmaße der Massenliteratur überschreiten. Yes!

Und so kommt es, dass die sogenannte Belletristik der historisch recherchierenden Literaten einen Großteil des Gehirns der westlichen Welt verkleistern und den Käufer der Longseller in dem Glauben der Glückseligen wiegen, es mit den Großen der Schöngeisterei aufnehmen zu können. Ja, sie messen gar die Werke der Kleinen an den Titeln der Großen und machen darum den Bohei der Kurzsichtigen. Wow.

Der Meister des Genitivs ist übrigens Ken Follett. Schon mal aufgefallen?

Das Geheimnis des alten Filmstudios (1976) | Die Spur der Füchse (1977) | The Eye of the Needle (1979) | Heist of the Century (1978)

So hat er sich noch im englischen Original ausgelassen. Dann kommt eine Pause mit Dativ- und Akkusativtiteln. Auch übt er sich in Adverbialien des Ortes: zu Rebekka, aus Sankt Petersburg, doch dann, ha, kehrt er zu den Fertigkeiten zurück. Die Ausreißer zu anderen Fällen sind verschwindend gering, um nicht zu sagen, die anderen Fälle schwimmen ihm weg:

Auf den Schwingen des Adlers (1983) | Die Säulen der Erde (1990) | Die Pfeiler der Macht (1994) | Die Brücken der Freiheit (1996) | Die Tore der Welt (2007) | Sturz der Titanen (2010) | Winter der Welt (2012)

Doch – haltet ein … ist das nicht eher der Fehler der Übersetzer? Kann am Ende Herr Follett gar nichts dafür, dass die deutschen Lektoren aufgrund der Verehrung des Genitivs auf die Verwendung der immer gleichen drögen einfallslosen Betitelung der Bücher bestanden? Ja, dann sieht das Urteil der Glossistin natürlich anders aus: Deppen der Welt, verzieht euch aus den Redaktionen der Verlage. Lasst den genialen Titelgebern der Menschheit den Vortritt des Klügeren!

Das war die Ausreizung des Genitivs. Und nicht die Sendung (mit) der Maus.

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