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Ein bisschen Wahrheit steckt bekanntlich in jeder Geschichte. Zu Frau Daliborkas unterirdischer Expedition im Jahr 1885 passte die Sage des Rumeser Studenten. Auf sie war ich vor Jahren bei einer Recherche für einen anderen Text gestoßen. Demnach war beim Türkeneinfall 1437 in Mühlbach (Rumes) eine Gruppe von Studenten in die damalige Türkei entführt worden, darunter der spätere Dominikaner Georgius de Hungaria. Eine Rekonstruktion seiner wahren Geschichte findet man bei Wikipedia.

Die Sage dagegen erzählt, dass um das Jahr 1650 eines Tages ein Mann aus dem Fogaraschgebirge kam, gewandet in alte Kleidung, verwirrt und hungrig. Während seiner ersten Mahlzeit in einem Gasthaus stellte sich heraus, dass es sich dabei um eben jenen Rumeser Studenten handelte. Nach der Erkenntnis, wie viel Zeit vergangen war, zerfiel er vor den Augen der staunenden Zuhörer zu Staub.

Die gerade knapp dem Tod entronnene Frau Daliborka macht sich ihre eigenen Gedanken über verschwundene Menschen, die plötzlich aus den Bergen zurückkehren. Über die Jahrhunderte war nämlich nicht nur der Rumeser Student verschwunden und (angeblich) wieder aufgetaucht. Jede Menge Scharlatane behaupteten, mit Hilfe eines Zauberbuchs in einem beliebigen Berg riesige Schätze entdeckt zu haben. Mit dieser Behauptung versetzte jeder selbst ernannte Zurückgekehrte unzählige Unschuldige in Aufruhr. Bei der nächsten Gelegenheit stiegen sie in den nächsten Berge ein, um den angeblichen Schatz zu finden. Nicht nur kamen die Menschen überall den Zwergen und Berggeistern in die Quere. Sie entdeckten leider auch die zwergischen Gold-, Erz- und Silberminen und beuteten sie aus. Nicht zuletzt deshalb setzten die Zwerge Bergschrate an unterirdischen Stollenkreuzungen ein. Fortan musste sich jeder Passant bei Betreten und Verlassen der Berghallen im Bergbuch eintragen und, sofern es sich um einen Mensch handelte, eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen.

Daliborka: Der Nachtmahr. Teil 1 der Trilogie Das Geheimnis der Freiheit E-Book, ca. 200 Seiten, ISBN 9783940582904, Juli 2019, 3,99 €