Werkstattbericht zum Schweden-Krimi „Schweig still“, Ullstein Midnight

Auch vor der Ullstein-Veröffentlichung wurde ich immer wieder nach meiner Meinung zu einem Text gefragt: Fehlt da nicht was? Ist das zu ausführlich? Was könnte man noch besser machen? Dazu werfe ich mal ein Blick auf die Standorte, die ich für „Schweig still“ ausgewählt habe.

Malmö ist eine schöne Stadt, Stockholm auch. Anhand eines kleinen Ortes wie Ystad ist ein Krimi für mich jedoch wesentlich einfacher abzuhandeln. Es gibt zwar nicht so viele Schlupfwinkel, aber die Berechnung der Fuß- und Fahrwege ist nicht so aufwendig. Na gut, ich gebe zu, dass ich die „Berechnung“ dieser Strecken Google überlassen habe. Aber auch dieser Punkt war essenziell für die Wahl von Ystad.

Um nicht wieder auszubrennen, habe ich mich bei den Recherchen ausbremsen müssen, denn ich verliere mich gern in Details, die weder dem Leser noch der Handlung etwas bringen. Da muss ich wirklich hart mit sich ins Gericht gehen, denn wer viel herausfindet, will auch viel erzählen! Dieser Maßnahme fiel z. B. eine Szene im Café zum Opfer, wo Hanna und Gunnar eigentlich einen Kaffee trinken sollten, um sich näherzukommen. Meine Gedanken das Umfeld betreffend: Was kostet eine Tasse Kaffee, was ein Stückchen Kuchen, was ein Trockengebäck, und wie muss ich die schwedische Krone im Vergleich zum Euro sehen? Ist es im Verhältnis zum Einkommen kostspieliger als bei uns, sich ins Café zu setzen? – Ich habe die beiden schließlich doch nicht von Hunger und Durst erlöst – vielleicht beim nächsten Krimi.

Kaum hatte ich mich dazu durchgerungen, weniger durch Detailwissen als einen schlüssigen Verlauf zu überzeugen, fragte ich mich auch schon, ob das nicht doch zu ungenau würde. Also kopierte ich die Szene zurück in den Text, las das Kapitel, löschte sie wieder – und ging selbst erst mal einen Kaffee trinken.

Fazit Nr. 1: Es gibt weder gut noch schlecht, zu wenig oder zu viel, die Mischung macht’s! Und man kann schreiben, so lang und so viel man will, die Zweifel tauchen immer wieder auf.

Fazit Nr. 2: Und das Café sucht man in 99% der Fälle am besten in der Wirklichkeit auf, damit man nicht in den Fallstricken der eigenen Gedankengänge zu Fall kommt. Wohl bekommt’s.

Schweig still von Mikaela Sandberg, ISBN 9783958190894 3,99 €, 200 Seiten

http://midnight.ullstein.de/ebook/schweig-still/