Der stille Ruf des Todes: Essstörung. Eine schwere psychische Erkrankung

Müsste ich die Fakten in einem Satz zusammenfassen, würde ich sagen: Wenn der Betroffene überlebt, werden Schäden zurückbleiben.

Das war einer der Gründe, die mich so lang davon abgehalten haben, einen Roman über Essstörungen zu verfassen, obwohl ich das Thema in meinen Ballettbüchern immer wieder gestreift habe. Denn auch als Autor wünscht man sich für seine Figuren ein Happy End. Aber wenn man sich die Faktenanlage anschaut, ist es bei Essstörungen schwierig, ein versöhnliches Ende zu finden, ohne unglaubwürdig zu werden.

Was bietet der Markt in der Hinsicht? Da ist zunächst der unübersehbare Wust an Diätzeitschriften und Schönheitsratgebern. Es gibt Koch-Shows im Fernsehen, Diätmittelchen in allen Apotheken und medizinische Fachlektüre für alle, die sich „zu dick“ fühlen oder tatsächlich übergewichtig sind. Dazu kommen die unzähligen Videos auf den Social-Media-Plattformen.

Der Adipositas gegenüber steht die Magersucht (vulgo). Zu schreiben, dass sie auf dem literarischen Markt kaum ein Gegengewicht auf die Waage bringt, grenzt schon fast an Zynismus. Es gibt ein wenig Fachlektüre und einige autobiografische Romane oder Berichte – und das war es. Krankhaftes Hungern ist bei Büchern anscheinend keine Geldmaschine.

Aber reicht es, dieses Spannungsfeld als Grundlage für einen Roman zu nehmen? Reitet man dann nicht auf den bereits ausgeschlachteten Klischees herum, mit denen diese Erkrankungen behaftet sind: Essensverweigerung, Schönheitsideale, Kontrollzwänge? Kann man etwas anderes tun, als wie viele andere davor das angeblich „Böse“ heraufzubeschwören, das sich hinter diesen psychischen Störungen verbirgt, und auch wieder nur die Sensationslust der Leser zu bedienen?

Zunächst einmal sollte man die Fakten im wahrsten Sinne des Wortes verdauen, bevor man sich an die Tastatur setzt. In diesem Artikel der Ärztezeitung finden sich die wichtigsten Eckdaten über Essstörungen: http://www.aerztezeitung.at/fileadmin/PDF/2013_Verlinkungen/StateEssstoerungen.pdf