In einem Roman käme ich bestenfalls mit der Bezeichnung „Einzelkämpfer“ weg. Aber so nett ist man in der Realität nicht. Ich weiß, dass mich hier alle für ein Arschloch halten. Ich bin ja auch eins. Wenn es um meinen Vorteil geht, kenne ich nix.

Die Vicky Steinhauer ist eine lahme Ente. Mehr als stänkern gegen mich ist bei ihr nicht drin. Ich hätte ja nichts gegen einen Mobbing-Feldzug, damit ich ihr mal so richtig die Meinung sagen kann zu ihrer inneren Verweigerung. Aber nein … Ich bleibe reserviert, damit sie mir nicht auch noch abhaut. Sie müsste mal mehr aus sich machen, finde ich.

Ich habe meine guten Zeiten längst durch. In Wesel reiße ich meine letzten zehn Dienstjahre runter. Danach geht es in eine Seniorenresidenz in Malaysia mit eigener Lodge, medizinischer Versorgung, wenn ich will sogar Rund-um-die-Uhr-Bespaßung. Urlaub unter Palmen bis an mein Lebensende. So schaut’s aus, Kollegen!

Auf den Fall Dagmar Ritter habe ich so was von keine Lust! Hier passt nix zusammen, alle sind oberempfindlich, die Tränen sitzen bei den Zeugen locker, dazu die ständige Angst, dass einer gleich überschnappt. Okay, einer von ihren Freunden hat die Ritter auf dem Gewissen, da bin ich mir ganz sicher, und ich kriege auch noch raus, wer sie umgebracht hat. Und Angst gehört bei Mordfällen auch immer dazu. Immer! Aber diese Angst hier macht mich krank. Das ist mir zu Psycho. Und ich hatte schon mit wesentlich bekloppteren Typen zu tun.

E-Book, 200 Seiten, ISBN 978-3-95819-141-9, 3,99 €
Taschenbuch, 200 Seiten, ISBN 978-3-95819-930-9, 12 €
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