Der stille Ruf des Todes: Essstörungen. Welche literarische Form wird ihnen gerecht?

Das Thema hat mich zu Beginn der Recherchen im wahrsten Sinne des Wortes aufgefressen. Ich habe mich abgelenkt, indem ich zunächst den Krimi Schweig still schrieb, um auszuprobieren, ob ich überhaupt Kriminalromane verfassen kann. Nach Abschluss des Lektorats tauchte das Thema Essstörungen jedoch wieder auf, sodass ich überlegte, ob ich dafür einfach einen längeren Atem als für andere Themen bräuchte. Also setzte ich mich erneut an den Schreibtisch.

Ich nahm mir das Konzept „Kriminalroman“ vor, das einen tiefen Einblick in Bereiche bietet, die man gemeinhin als „Abgründe des Menschen“ bezeichnet. Diese Abgründe können unterschiedlich intensiv sein, sodass ein Krimi im Stile von Simenon oder Christie entsteht. Die verschärfte Form findet man in Thrillern, in denen nicht nur darüber berichtet wird, dass Blut spritzt – der Leser ist live dabei. Eignet sich dieser, in meinen Augen zum Voyeurismus neigende Erzählstil für eine so intime Geschichte wie eine psychiatrische Erkrankung?

Es erschien mir zu platt, eine sterbende Jugendliche mit einem „stylischen“ Showdown ins Jenseits zu befördern. In meinen Augen wurde das einer schweren Essstörung nicht gerecht. Und die Gefahr, dass die von Kachexie gezeichnete Hauptfigur in der Ecke der „Bösen“ landete, war mir zu groß.

Also ließ ich die Protagonistin eine Entscheidung treffen, die die Polizei veranlasste, nach ihr zu suchen: Sie wird „unsichtbar“, indem sie wegläuft, und beugt sich damit der Krankheit. Das Ende des Romans ist nichtsdestotrotz tragisch, da es nicht das Ende, sondern den Anfang des nächsten Leidenswegs zeigt, wie er auch in der Realität vorkommt. Ein Happy End gibt es nicht, auch nicht in diesem Krimi.

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Der stille Ruf des Todes | 2017 | E-Book 2,99 € | Print 9,99 €