Tipps fürs Selbstlektorat: Höflichkeit ist nicht nur eine Zier …

Höflichkeitsform

Ich weiß, dass seit der Rechtschreibreform mindestens eine Generation die Schule verlassen hat, die mit der Groß- und Kleinschreibung durcheinander kommt. Es lohnt sich aber nicht nur deshalb, diese Regel zu verinnerlichen und anzuwenden, um ordentliche Geschäftsbriefe schreiben zu können, sondern auch, um die wörtliche Rede in belletristischen Texten richtig zu bilden. Aufgemerkt:

Die Höflichkeitsform wird aus der 3. Person Plural gebildet und wird IMMER großgeschrieben. Das gilt auch für majestätischere Begrifflichkeiten: Seine Durchlaucht, Seine Hoheit (Pluralis Majestatis). Früher wurde in Briefen die persönliche Anrede “du” ebenfalls großgeschrieben. Das ist heute nicht mehr der Fall. Also gilt:

“Kommen Sie auch zum Dinner?”, fragte die Frau. “Nein”, antwortete er, “ich werde zu Hause essen.”

Hierbei handelt es sich um einen der häufigsten Fehler.

Wortschöpfungen

Die Freiheit des Autors endet am verbindlich geltenden Wort. Wenn man im Schreibfluss ist, fällt einem manches nicht auf Anhieb ein, was man beim zweiten Lesen finden sollte, weil es sonst ein Fehlerpünktchen gibt. Ein Beispiel dafür sind belanglose Angelegenheiten, die man richtigerweise Belanglosigkeiten nennt.

Fehler dieser Art werden beim Lektorat besonders gewichtet, das sie u.a. auf die Fähigkeit, mit Sprache literarisch umzugehen, schließen lassen. Das meine ich jetzt nicht böse, ist aber als Hinweis darauf zu verstehen, dass man gar nicht genug hochwertige Texte lesen kann, wenn man selbige produzieren will. Allerdings findet man diese seltsamen Wortschöpfungen inzwischen in vielen Büchern, sodass es mitunter schwer fällt, gute von weniger guten Texten zu unterscheiden. Tipp: Richtig gute Literatur kommt mit weniger, dafür aber den richtigen Worten aus. Wem es zu viel ist, sich durch alle Klassiker zu wühlen, dem empfehle ich literarische Lesungen im Radio, wo noch sehr genau darauf geachtet wird, dass man keinen Schund durch den Äther jagt.