Es war einmal Bettina Unghulescu, all inclusive Teilzeit-Autorin-Verlegerin: Das Geheimnis deines Erfolges

 

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 22. Juli 2014

„Eigentlich vertrödelt man viel zu viel Zeit damit, sich wie ein Autor zu fühlen“, meinte ich, das Alter Ego Autorin, gestern und fügte nach kurzem Nachdenken hinzu:. „Aber das Feeling ist eine feine Sache.“

„Allein mit Feeling verkaufst du aber noch kein Buch“, widersprach die Verlegerin, also ich. „Dabei ist es so einfach, vor dem Feeling ein paar Handgriffe zu erledigen.“

„Ach …“ Unentschlossen bohrte die Autorin im Blumentopf herum. „Als Autorin hat man doch schon die Hauptarbeit geleistet, oder willst du behaupten, dass die Texte sich von alleine schreiben?“

„So was konzeptloses habe ich ja noch nie gehört!“ Entschlossen schob die Verlegerin den Schreibtischstuhl zurück. „Schluss jetzt mit der Schmusetour. Heb deinen Hintern und auf geht’s in die Verkaufshallen der Literatur!“

„Nicht meine Baustelle.“ Genüsslich leckte die Autorin den Milchschaum von ihrem langen Löffel. „Bin viel zu beschäftigt mit dem nächsten Buchprojekt, weil du weißt ja, dass Liebesromane nicht nur einträglich sind, sondern auch genial-fulminant verfasst werden wollen, bevor sie einen reich machen, um …“ Erschrocken verstummte sie. Der Blick der Verlegerin schien aus den Augenhöhlen eines rachsüchtigen Dämons zu kommen, der gerade seine Strafe in der Hölle absaß. „Das habe ich auch nicht gehört“, knurrte sie. „Aber du hörst jetzt zu, meine Liebe. Ich verrate dir ein Geheimnis, das Gold wert ist. Nur damit wirst du von deinem Geschreibsel leben können.“

„Glaub ich nicht“, gluckste die Autorin. „Wobei … schlechter können die Umsätze ja nicht mehr werden. Noch muss man ja nichts dafür bezahlen, dass man NICHTS umsetzt.“

„Eben. Und damit unsere Distributoren gar nicht erst auf die Idee kommen, kriegst du jetzt eine Schulung in Micromarketing. Also sperr die Lauscher auf!“

Eine Aura umstrahlte den Kopf der Verlegerin, Engelschöre ließen ihre Elegien ertönen, und von irgendwoher verlegte sich ein roter Teppich von ganz allein quer durchs Büro. Wie gebannt lauschte die Autorin mindestens 30 Minuten den Ausführungen der allwissenden Verlegerin. Ihre wohltönende Stimme überwand Hindernisse, Kümmernisse und Versäumnisse der privat schreibenden Zunft und erreichte endlich, nach einem schmerzlichen Aufstieg auf den Berg der Göttlichkeit, das Herz der Autorin. Und da wusste sie, dass es wirklich nur dieser drei Regeln bedarf; drei, die anzuwenden sie bis ans Ende ihrer Tage mit Freuden erfüllen würde …

Schließlich erlosch der Heiligenschein der Verlegerin. Die Feierabendglocke veranlasste die Engel, die Kutten zu raffen und über den roten Teppich wieder in ihre Wolkenheime zu flitzen. Auch die Verlegerin war wie von Zauberhand plötzlich verschwunden. Und der Autorin, also mir, blieben nur drei flüchtig hingeworfene Slogans, bezeichnenderweise mit Goldfarbe auf Bütten geschrieben:

1. Wer schreibt, der bleibt.

2. Vernetze dich mit allen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind.

3. Tu Cooles und blogge drüber.

Und die Autorin stand auf und ging hin und folgte den goldenen Regeln des Erfolges. Und wenn sie nicht ein virtuelles Wesen gewesen wäre, dann träumte sie wohl heute noch.

Bis zur nächsten Glosse zum nächsten Thema!

Eure Teilzeit-Autorin Bettina