Text-Coaching

Text-Coaching ist ein verkürztes Lektorat, das in komprimierter Form darauf abzielt, das Grundwissen und den individuellen Schreibstil des Autors zu festigen:

  • Da sich Fehler in der Regel durch ein ganzes Manuskript ziehen, bespreche ich mit dem Autor das 1. Kapitel (max. 15 Seiten) sehr ausführlich.
  • Anhand einer daraus resultierenden To-Do-Liste bearbeitet der Autor den Rest des Manuskriptes.
  • Bei Bedarf wird zusätzlich der Plot durchgesprochen. Dazu verfasst der Autor ein detailliertes Exposé.
  • Sobald mir die Überarbeitung vorliegt, nehme ich den Text in der Rolle der Leserin erneut unter die Lupe und schreibe eine kurze Zusammenfassung meines Leseeindrucks.

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Es war einmal Bettina Unghulescu, die Verlegerin der Teilzeit-Autorin: Cassandras Worte oder wenn Autoren flügge werden

 

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 4. Juli 2014

Ja ja, die Kollegen Autoren. Auch sie sind zu Metamorphosen fähig … übrigens, hier spricht nicht die Polizei, sondern die Verlegerin. – Wie? Ja, Sie lesen richtig. Meine Teilzeitautorin habe ich beurlaubt. Sie ist nicht die Richtige für diesen Artikel. Ihr fehlt die Expertise. Zu dieser Meinung bin ich gekommen, nachdem ich ihre ersten Glossen gelesen habe. Meint wohl, sie kann alles schreiben, ohne dass eine Zensur … Wobei es den berühmten Backlash ja schon gab. Erinnern wir uns an den Beginn des Jahres 2012, als eine Hobbyrezensentin ihre Meinung in ihrem Blog kundtat, was den Autor störte. Die Folge war ein Shitstorm erster Klasse gegen den Autor, der dazu führte, dass … Aber ich schweife ab.

Ja, wirklich, ich mag emanzipierte Autoren, männlich wie weiblich. Auch wenn sie so emanzipiert sind, dass sie eines Tages auf ihrem Urheberrecht bestehen, alle Vertriebsrechte für ihre Buchtitel zurückfordern und künftig auf Freiersfüßen wandeln. Von mir aus – gerne. Die Gründe für diese Emanzipation liegen zu 99,9 % im finanziellen Bereich. Dass nicht jedes Buch ein Bestseller werden kann – die Antwort erübrigt sich! Und dass ein Kleinverlag vielleicht auch nicht der richtige Distributionspartner ist – tja, das gibt es. Und weil ich ein netter Mensch bin – wehe, Sie lachen! – habe ich den Autoren, die sich von mir losgesagt haben, bisher immer meine Unterstützung zugesagt, gelächelt und – danach habe ich nie wieder etwas von ihnen gehört. Und ich hatte so eine Ahnung, dass diese Entwicklung gewaltig nach hinten losgehen könnte, weil mir das alles irgendwie bekannt vorkam …

Es gab auch andere Zeiten. Da war ich selbst noch so ein Stürmer und Dränger und dachte, die Welt wäre mit einem Fingerschnipp bzw. einem Druckauftrag zu erobern. Da gab es den Verlag erst ganz kurz –  und ich wollte nur meine eigenen Ergüsse in die Welt setzen. Das adelte mich aber nur so lange, bis ich mit einem Autorenforum in Berührung kam. 2007 war das. Ich hatte gehört, dass solche Foren gut sind, um Kontakte zu knüpfen, also stürzte ich mich in das eines Print-on-Demand-Anbieters. Was waren wir nicht alle fesch! Jeder hatte das Buch im Angebot, und alles ohne Verlag! Wir waren ja sooo klasse! Jedenfalls in diesem Forum.

Aus „Cross-Over-Gründen“ schaute ich mir ein anderes Forum an. Und dort wehte ein anderer Wind, um nicht zu sagen ein Sturm der Ablehnung gegen Selbstverleger, wie ich auch (noch) einer war. „Ein selbstverlegtes Buch kann man auch im Copyshop herstellen“, ereiferte sich da ein User, „nur eine Verlagsveröffentlichung zählt!“ Tatsächlich? Na ja, wenn ich mir ein paar der selbstverlegten Bücher anschaue, dann gebe ich dem User auch heute noch Recht. Aber gleich so böse zu werden … Ein anderer Punkt machte mich viel nervöser, denn das Kürzel DKZV hatte schon einige Autoren hingerichtet, wie ich in diesem und den nächsten Foren erfuhr. DKZV – das heißt nicht Dämonisches Konzil zur Vernichtung wovon auch immer, sondern DruckKostenZuschussVerlag. Und das wären die ganz schlimmen Finger, denn sie ziehen den Autoren Geld aus der Tasche und bringen die Bücher gar nicht in den Buchhandel. Also böse, böse, her mit dem Knoblauch, das wollen wir natürlich nicht! Warum es aber schlechter sein soll, ein ordentliches Buch von einem DKZV zu haben, als ein qualitativ wahrscheinlich weniger gutes Buch ohne zusätzliche Kenntnisse selbst herauszugeben – dieses Geheimnis habe ich bis heute nicht ergründet. Immerhin geben DKZ-Verlage Büchern eine Chance, die qualitativ oder thematisch auf dem Markt gar nicht wahrgenommen würden. Aber das darf man natürlich nicht laut sagen, obwohl die Autoren das in der Regel wissen, wenn sie den Vertrag beim DKZV unterschreiben … Also lehnte ich mich zurück und beobachtete, welche Richtung die Diskussion über „gute“ und „böse“ Verleger, Selbstverleger, Print-on-Demand-Plattformen, DKZ-Verlage und dergleichen mehr nahm und sah zu, dass ich auch Fremdmanuskripte in die Finger kriegte. Man konnte ja nie wissen …

Zunächst wehrten sich die Selbstverleger, die sich die Dienste einer Print-on-Demand-Plattform, hinter der eine ganz normale Druckerei steht, zueigen gemacht hatten. Print-on-Demand bedeutet, dass ein Buch erst auf Bestellung gedruckt wird und man deshalb als Kunde nur die Datenhaltungs- und Druckkosten zu tragen hat. Ein so hergestelltes Buch ist pro Stück geringfügig teurer, weil die Druckmaschinen individuell auf jede einzelne Marge neu eingestellt werden müssen. Dazu kommen die Kosten für den Versand und den Menschen, der das Buch verpackt oder die Maschine dazu bedient hat. Alles in allem könnte man das als Arbeitsplatzerhaltungsmaßnahme ansehen. Aber die Selbstverleger fühlten sich ob des Windes, der ihnen aus den „traditionellen“ Buchsparten entgegenwehte, vergrätzt. Es ging so weit, dass nicht mal mehr Rezensenten PoD-Bücher lesen wollten. Die Selbstverleger diskutierten, ereiferten sich, verteufelten plötzlich ihre Dienstleister, weil er so schlechte Bücher herstellte und der Buchhandel sie nicht haben wollte usw. usf. Irgendwann wuchs die Erkenntnis, dass ein Dienstleister nur so gut drucken kann, wie das Material ist, das er bekommt – das man unter Umständen mit dem Kauf einer der gängigen Zusatzdienstleistungen verbessern kann. Aber kosteten natürlich mehr als anfangs „nur“ 150,- €. Was lag also näher, als sich zu einer Werbegemeinschaft selbstverlegender Autoren zusammenzuschließen? Irgendwie konnte man aus dem gesammelten Know-how bestimmt das perfekte Buchpaket erstellen. – Was soll ich sagen? Das Projekt scheiterte kläglich. Mindestens 50 Leute hatten tolle Ideen, über die sie so lange mit der ganzen Gruppe diskutierten, bis sich die eine Hälfte in der Wolle hatte. Die andere Hälfte verzettelte sich angesichts der Vielzahl der Ideen. Schließlich sollte ein Katalog gedruckt werden – aber wer sollte die Kosten dafür tragen? Wer machte das Layout? Und wer verschickte die Kataloge an welche Stellen? Die Diskussion endete damit, dass ein Administrator drohte, alle aus dem Forum zu entfernen. Denn einige Diskussionsteilnehmer hatten es vorgezogen, ihre Erkenntnisse an alle Diskutanten zu schicken, was bei einer am Wochenende geführten Diskussion zu einer E-Mail-Flut mit um die 200 Stück pro Postfach zu einem gelinden Montagsschrecken führte … Letztlich blieben die Autoren übrig, die schon einen eigenen Verlag gegründet hatten und einen Katalog drucken lassen wollten, was auch geschah. Problem gelöst, alle Selbstverleger waren glücklich – für’s Erste.

Dann beschloss Google, mit Amazon zu fusionieren, was die Suchfunktion betraf, wir erinnern uns. Was für eine Schlagzeile. Was für eine Hysterie! Plötzlich stand im Raum, dass man ab sofort bei Google kostenlos Buchtexte lesen könnte. KOSTENLOS. OHNE ZU BEZAHLEN. Einer meiner Autoren, nennen wir ihn Fred, lief beinahe Amok. „Nehmt mein Buch bei Amazon ‘raus!“, röhrte er in den Hörer. Ich brauchte 24 Stunden, um den Tinnitus zu überwinden. Trotzdem antwortete ich nach diesem Akustikgebläse innerhalb von 30 Sekunden, wie es sich für einen Dienstleister gehört: „Geht nicht. Die Amazondatenbank basiert auf dem VLB, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher, in das alle angemeldeten Buchtitel eingetragen werden. Den Titel bei Amazon zu löschen heißt, ihn vorher im VLB abzumelden und ihn somit für den Buchhandel unbestellbar zu machen.“ Ich wusste, dass diese Tatsache Fred nicht beruhigen würde und verwendete die Methode, die auch bei Kindern gut funktioniert: links rein, rechts raus. Er wird schon aufhören. Was er nach zehn sehr lauten Minuten und der Aussage: „Wenn Sie das Buch nicht bei Amazon abmelden, hören Sie von meinem Anwalt!“ tat und auflegte. Also fügte ich mich, denn Anwälte waren mir schon immer suspekt – und ahnte, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht war.

Keine zwei Tage waren vergangen, als Fred erneut anrief. Seine Freunde hätten sich kollektiv beschwert, dass sein Titel nicht im Buchhandel bestellbar sei. Auch die ISBN gäbe es nicht. Wieder lag das Wort „Betrug“ in der Luft. Und wieder bemühte ich unzählige Engelszungen – hast was gut bei mir, himmlischer Chor! – um ihm klarzumachen, dass das eine ohne das andere nicht ginge. Am Ende stand die Titelreaktivierung im VLB, und schon war alles wieder in Butter. Vorerst. Doch wieder sagte mein Gefühl: Da kommt noch was nach.

Zwei Wochen später klingelte einmal mehr mein Telefon mit diesem unnachahmlichen Ton, der mich das Schlimmste vermuten ließ. Und tatsächlich, es war Fred. Er wollte wissen, wie viele Bücher bereits verkauft worden waren. Ich nannte ihm die Zahl – und hatte unverzüglich einen Tinnitus im anderen Ohr. Das wären zu wenig, seine Freunde hätten viel mehr gekauft und ich würde nicht liefern, der Buchhandel könnte weder bestellen noch bekäme er die Bücher, ich hätte keine Ahnung von dem, was ich tue … na ja, das Übliche eben, das man vor Gründung eines Verlages im Einsteigerseminar „Umgang mit Autoren“ in kleinen Rollenspielen kennen- und abblocken lernt. (Das ist ein Hinweis für Coaches: Leider gibt es so ein Seminar noch nicht!) Er rechnete mir vor, wie viele verkaufte Exemplare es laut Aussagen seiner Freunde sein müssten. Ich zählte laut am Telefon, wie viele Bestellungen mir vorlagen. Er glaubte mir nicht und wollte vorbeikommen, um die Bestellungen „mit eigenen Augen zu sichten“. Das Thema „Datenschutz“ interessierte ihn nur am Rande, schließlich ging es um das Vertriebsrecht seines Buches! Wir einigten uns darauf, dass er seine Freunde noch mal daran erinnerte, auch wirklich das Buch zu bestellen und mich Ende der Woche wieder anrufen sollte. Zwei Tage später kursierte ein Gerücht in einem Autorenforum, dass die Verlegerin X, also meine Wenigkeit, sich an den Einnahmen der Bücher bereichere und die Autoren um ihre Gewinne brächte. Am Ende der Woche stellte ich die Lautsprecherfunktion am Telefon ganz leise, damit Fred mir nicht noch mal das Trommelfell durchpustete, wenn er hörte, wie viele Freunde tatsächlich nachbestellt hatten. Aber die Zeit heilt auch wunde Ohren – erkannte ich nach dem Gespräch.

Eine alteingesessene Verlegerin brachte irgendwann scherzhaft die Idee auf, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, denn diese Art von Attacken nahmen in der gesamten Branche zu. Scharenweise zogen Autoren  Vertriebsrechte zurück und gründeten Bücherschmieden mit den urigsten Namen. Sie wandten sich „gegen die Diktatur der Verlage“, wie es damals die Autoren der eingangs genanten Print-on-Demand-Plattform tun wollten – jetzt also, vier Jahre später, die „Neuauflage der Rebellion“. Was für ein Wortspiel. Wir Verleger schauten uns die Rebellion an, seufzten, sahen der Buchhandelsbranche ein wenig beim Sterben zu und taten alles, um unsere Umsätze stabil zu halten. Manche von uns prostituierten sich auch und nahmen Spielwaren in ihr Programm auf. Andere konnten sich mit Hörbüchern retten – doch der Markt ist inzwischen auch rückläufig. Heiligs Blechle …

Nun ja. Jetzt haben wir 2013. Die Zeiten haben sich geändert, denn das E-Book ist in Deutschland angekommen, oh Wunder. Jetzt kann man die Welt papierlos wissen lassen, was in einem vorgeht, ohne dass es an der Form gebricht. Auch wenn die Welt dadurch weder besser noch schöner wird – das war jedenfalls mein Eindruck, als ich über die letzte Frankfurter Buchmesse schlenderte. Aus Gewohnheit lief ich die bekannten Stände an und landete bei den anfangs genannten Selbstverleger-Kollegen. Älter waren wir geworden, wissender – vielleicht auch weiser, auf jeden Fall aber lustiger, denn wir suhlten uns im neuesten Klatsch und tauschten wichtige Namen aus. Als plötzlich Fred vor mir erschien. Ja, das war wirklich eine Erscheinung. Denn Fred, den ich in Leipzig das letzte Mal gesehen hatte, war aufgeblüht – das personifizierte Selbstbewusstsein im grauen Anzug, die Haare sorgfältig seitlich gescheitelt, einen Packen Visitenkarten in der Brusttasche, die er sofort verteilte. „Tja“, sagte er und steckte die letzte wieder ein, „ich habe mich nach unserem Good-bye als Autor selbstständig gemacht.“

„So?“, meinte ich. „Und wie läuft es?“

„Super“, sagte er und lächelte selig. „Ich schreibe, veröffentliche – und die Fans kaufen, kaufen, kaufen. Bin gerade auf der Sucher nach einem geeigneten Merchandising-Partner für Non-Books. Du weißt schon, Stifte, Hefte und so Zeug. Das war dir ja immer zu teuer.“ Stimmt. Aber ich hatte nicht vor, mir die Laune verhageln zu lassen. „Und wo veröffentlichst du?“, fragte ich stattdessen.

Fred zuckte mit den Schultern. „Ach, das ist ja heutzutage kein Problem mehr. Ich habe verschiedene Sachen ausprobiert, die üblichen Verdächtigen Plattformen und ein paar kleine. Aber jetzt habe ich einen festen Vertriebspartner für E-Books und Printausgaben.“

„Und der wäre?“, fragte Bertha aus Stuttgart, die ich nur mit brandroten Haaren und auf der Nasenspitze hängender Brille kenne. „Vielleicht können wir Verleger davon auch profitieren?“

Wir wurden einer eingehenden Musterung unterzogen. Fred wog ab, ob er uns in dieses Geheimnis einweihen sollte oder doch lieber … „Ganz einfach. Create Space und Kindle Desktop Publishing, beides aus dem Hause …“

„Amazon!“, brach es aus Bertha heraus, und Sophie aus Düsseldorf biss sich auf die Lippen, um nicht laut herauszuplatzen. Und das von einem ehemals entschiedenen Amazon-Gegner, der seine Rechte wie eine Wölfin ihre Jungen verteidigte! „Richtig“, freute sich Fred. „Dort kriege ich alles aus einer Hand. Datenverarbeitung, Auslieferung, Abrechnung, Vertrieb – besser kann es gar nicht sein. Da könnt ihr euch eine Scheibe von abschneiden“, meinte er gönnerhaft.

Da räusperte sich Eberhard, das hessische Urgestein mit den großen Augen. „Aber dir ist schon bewusst, dass man bei Amazon seine Bücher auch kostenlos preisgibt, um nicht zu sagen: verschleudert?“

„Unsinn, das kann man alles mit Aktionen einstellen und …“

Doch Eberhard schüttelte nur langsam den Kopf. „Schon mal was von Datenklau gehört? Davon, dass sogenannte ‘Leihbücher’ auf illegalen Plattformen zum kostenlosen Download angeboten werden?“

Fred erblasste. Und Eberhard referierte ein wenig über Datenpiraterie und welchen Schaden die Buchbranche dadurch hätte, was dazu führte, dass Fred sich plötzlich an einen dringenden Termin erinnerte. Ich seufzte. Es ist doch immer dasselbe, wenn es um Geld, Ruhm und die Eitelkeit geht …

„Übrigens habe ich gehört, dass seine Frau einen gut dotierten Job hat“, brummte Berta. „Ich bin mit ihr über Facebook befreundet.“ Ihr Blick sprach Bände. Kein Wunder, dass Fred ein gutes Auskommen hat …

Womit sich der Kreis schließt. Ich lehne mich jetzt noch weiter zurück und warte darauf, dass die nächste Selfpublisher-Zusammenschluss-Welle kommt. Denn das wird sie tun, davon bin ich fest überzeugt. Und ich glaube auch fest daran, dass in den geheimen Schreibstuben der nächste Angriff auf das Gros der Verlage geplant wird. Ob ich mich fürchte? – Nein. Hunde, die bellen, beißen meist nicht. Und das führt mich übergangslos zu einem Sprichwort, das wiederum wunderbar zur nächsten Glosse weiterleitet, die ich meinem Alter Ego Autorin wieder zutraue: „Never judge a book by its cover“.

Bin gespannt, was sie dazu schreibt.

Mehr von der Autorin unter portbunghulescu.wordpress.com

Es war einmal: Zahlungsmoral von …

Zuerst veröffentlicht am 01.07.2010

Es wird ja immer gerne und viel über Verleger gelästert und geschimpft. Sei’s drum, so ist das nun mal. Wer es nicht abkann, ist definitiv in der falschen Branche unterwegs.
Was in dem Zusammenhang aber wirklich nervt ist, dass man als Verleger, wenn man ausm Nähkästchen plaudert, erst mal ganz viele böse E-Mails bekommt. Ich hoffe, dass es diesmal nicht der Fall ist, auch wenn sich manche auf den Saum getreten fühlen könnten. Denn es geht um die – Zahlungsmoral.

Es ist jedem bekannt, dass Bücher Geld kosten. Bis vor ein paar Monaten war es auch so, dass Bücher, die privat über den Verlag bestellt wurden, anstandslos einen Geldtransfer nach sich zogen. Seit Anfang des Jahres scheint aber so etwas wie “Zahlungsunlust” aufgekommen zu sein. Wenn ich den Stapel der 2. und 3. Mahnungen sehe, die ich letzte Woche verschickt habe, wird mir übel. Was ist da los? Und vor allem: warum? Bücher sind nämlich nicht so teuer, dass sie nur für ein gewisses Klientel erschwinglich sind.

Es ist kein Problem, wenn mal was vergessen wird. Dann gibt’s eine höfliche Anfrage und die Sache wird (meistens) erledigt. Wie bescheuert ich mir allerdings bei der 2. und 3. Mahnung an Autoren (!) vorkomme, die 10-20 Bücher zum Eigengebrauch erwerben, kann man sicher nachvollziehen (vor allem, weil es sich selbst da um eine eher geringe UND freiwillige Abnahmemenge handelt).
Da ich keinen DKZV betreibe, sind die Buchverkäufe die einzige Einnahmequelle, und das möchte ich auch nach Möglichkeit beibehalten. Wenn es allerdings so weitergeht, dass jetzt nicht mal mehr die produzierten Exemplare Geld einbringen, bleibt mir wohl nur noch, entweder gegen Vorkasse zu liefern oder tatsächlich den Autor zu Vorleistungen zu zwingen.
Bei Anthologien besteht immerhin die Möglichkeit, die betreffenden Beiträge wieder aus dem Buchblock zu nehmen und sich zu fragen, warum man eigentlich noch Wettbewerbe ausschreibt … Immerhin ist eine Veröffentlichung für einen ambitionierten Autor wichtig. Und ich weiß nicht, ob sich schon mal jemand überlegt hat, wieviel Zeit man braucht, um eine Anthologie zusammenzustellen UND zu lektorieren? Es ist weniger Zeit, als man für ein Buch mit einer Handlung mit ca. 200 Seiten braucht, das ist richtig. Aber man muss sich viel mehr konzentrieren, damit jeder Autor auch wirklich SEINEN Vertrag, SEINE Geschichte zur Druckfreigabe zurückbekommt. Das zusammen mit dem miesen Bild, das Verlegern angehängt wird, macht keinen Spaß mehr. Und deshalb bitte ich Autoren und Käufer, sich auch an die eigene Nase zu fassen, wenn wieder mal ein Klein(st)verlag, der ganz spezielle Nischen ausfüllt, aufgelöst wird, denn es liegt mitnichten immer nur am Großhandel.

Ich möchte auch zukünftig meinen Verlag ohne Unterstützung eines Inkassobüros betreiben!

Schweden-Krimi Nr. 5: Der Wandel des inneren Schmerzes beim Schreiben

Warum ich seit zwei Jahren Krimis schreibe? Es hilft, den psychischen Schmerz meiner Figuren zu beleuchten. Ich habe das Gefühl, damit selbst Schmerz abgeben zu können. Keine Ahnung, wie viele Krimis ich noch schreiben werde, bis ich “schmerzfrei” bin. Vielleicht will ich es ja auch gar nicht sein und mir fallen deshalb immer neue Plots ein.

Aber ich merke, dass der Schmerz über den Tod einer fiktiven Figur sich von Roman zu Roman verändert. Im aktuellen Krimi schwingt beim Schreiben schon so etwas wie Akzeptanz mit. Der Plot, den ich nebenbei verfasse, nimmt bereits jetzt eine Wendung ins Leichtere, Beschwingtere. Wer weiß, am Ende wird der nächste Krimi sogar ein Cosy-Crime-Roman?

Wir werden sehen.

 

Es war einmal Bettina Unghulescu, die Teilzeit-Autorin: Glückliche Kekse und schockende Schoppen

Von Bettina Unghulescu – zuerst veröffentlicht am 1. Juli 2014

Macht. Ich will dich.

Das war die Quintessenz der letzten Glosse, in der ich mich unter Aufbietung aller Imaginationskräfte in den Wald begab und auf Squirry traf, das Kekse fressende Eichhörnchen. Es raubte mir darin – gelinde gesagt – die letzte Hoffnung, dass es wenigstens in der Literatur noch um das einzig Wahre, Schöne und Gute im Leben ginge. Und ehrlich gesagt – ich glaube es nicht, dass wirklich alles nach Sex, Macht und Krieg schreit. Auch wenn mein Alter Ego, die Verlegerin, sich kichernd auf ihrem Drehstuhl krümmte, als ich ihr beschämt das Ergebnis meiner Recherche präsentierte. „Hab ich das nicht gesagt?“, kiekste sie. Und: „Nein, wie drollig! Das Kerlchen versteht mich!“ Und: „Gibst du mir seine Telefonnummer?“

Ach ja … auch wenn es ein wenig verrückt klingt, ich bin Autorin, dazu verdammt, mit meiner Verlegerin, dem Alter Ego, in einem Körper zu hausen und den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch auszufechten. Es ist nicht angenehm, wenn man mitten in der Nacht hochschreckt und denkt: „Du blöde Kuh, warum fällt dir das jetzt und hier ein, wo es weder Licht noch Stift oder Papier gibt?!“ Das Verständnis, das ich für mich als Autorin ob solcher Gedankenblitze aufbringe und die Wut, die ich als Verlegerin verspüre, weil mir auf dem Weg zum nächsten Notizblock mit absoluter Sicherheit die Hälfte der Idee verloren geht – wie die Hälfte dieses im Vorfeld sorgfältig konstruierten Satzes unter Einbeziehung aller jemals erworbenen Deutschkenntnisse – zerreißt mich manchmal schier. Weshalb ich zu Halbsätzen und Jammer-E-Mails neige, die ich anderen AutorInnen-Kollegen schicke.

Seien wir ehrlich: Wir Autoren kennen uns nur virtuell richtig gut. Und ich hatte auch so ein Grummeln im Magen, als vor einer Weile mein Alter Ego Verlegerin plötzlich zur Buchmesse lud. Aber man denkt an seinen Vertrag und tut, was drinsteht. Okay, ich war anfangs völlig aus dem Häuschen, als von „Lesung“ die Rede war, Präsenz am Messestand inbegriffen und Buchpräsentation – hach, das klang wie der Olymp, den ich endlich erklommen hatte! Und natürlich sollten auch die anderen Autoren mit von der Partie sein. Es bot sich also genug Gelegenheit, die schreibenden Kollegen „in echt“ kennenzulernen und die Verlegerin auf Herz und Nieren zu prüfen. Hielt sie mit ihren strategischen Planungen der Konkurrenz stand? Wirkte sie „live“ immer noch so handfest und „down to earth“ wie in ihren unzähligen virtuellen Nachrichten? Und gab es vielleicht, aber nur vielleicht eine Lücke in ihrem Konzept, die wir, die Autoren, nur zu entdecken und gegen sie zu verwen… nein. Ich bitte Sie. Wir waren uns einig: Wir alle waren durch und durch loyal – bis zur Messe. Was danach kommen sollte, stand auf einem anderen Blatt.

Und: Ja, ich weiß, allein der Gedanke an Revolte ist gemein. Aber wissen Sie, man gewinnt mit den neuesten technischen Möglichkeiten viel mehr Einfluss auf die Branche. Ein Autor ist nicht mehr nur die kleinste Einheit, die Texte zu liefern hat, die jemand zu seinen Gunsten verhökert, viel zu oft völlig unter Wert. Man kann auch endlich als Autor seine Meinung sagen, sich mit anderen verbünden, alles zum Besseren wenden. Selbstverlag – das war der Vorläufer, der aufgrund der eingefahrenen Strukturen ebenfalls zum Scheitern verurteilt war, weil ein Verwaltungs-Wasserkopf dranhing. Wer will das schon? Wir Autoren wollen schreiben! Und deshalb halten wir auch zusammen, wenn es um unfaire Vertragsklauseln, minimale Vergütungen, schlecht gestaltete Bücher und miese Vermarktungskampagnen geht. Unsere Kreativität fließt in Texte – nicht in Werbung, mit der wir unterstützend mitwirken sollen. Dafür haben wir schließlich einen Verlag, oder? Und was heißt schon „Kleinverlag“? Kostet es etwa die Welt, wenn man ein zusätzliches Video produziert, einen Soundtrack zum Buch pusht, Anzeigen im Buchjournal des Börsenvereins schaltet? Ich bin sicher, dass sich meine Verlegerin hinter dem Präfix „Klein“ nur versteckt. Sie will schlichtweg kein Risiko eingehen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Und wer nicht eigenhändig Bücher verteilt, so wie ich das bereits in der zweiten Glosse „Selbstverlegter Schnee von gestern“ getan habe, der sollte sich geschlossen halten. (Ja ja, schon gut, in Glosse Nr. 2 habe ich eine Menge gelernt, was die komplizierten Strukturen des Handels angeht … aber das tut jetzt nichts zur Sache, es geht um Gerechtigkeit!) Immerhin hat unsere Verlegerin uns zum Essen eingeladen. Im Nachhinein vermute ich aber hinter dieser Geste einen perfiden Anschlag auf unser Autorenbündnis. Und ich fürchte – die Bombe wurde gezündet.

Es begann ganz harmlos. Wir trafen uns am ersten Tag auf dem Messegelände – die Eintrittskarten mussten wir uns selbst kaufen – an ihrem Stand, Küsschen-links-rechts, Bücher zeigen und dann stand man erst mal eine Weile herum. Natürlich hatte ich schon vorher meine Lieblingsautorinnen; zum Beispiel Susanne konnte auf den letzten Drücker doch noch kommen – freu, freu! – und Katharina, die Gute, war auch da. Wir drei klebten in den ersten Stunden richtig aneinander, weil immer eine von uns Standdienst hatte und wir uns doch so viel erzählen mussten, was in E-Mails keinen Platz gefunden hatte. Und so war es auch viel lustiger, sich bei der Verlegerin im Scherz über den Standdienst zu „beschweren“. Leider konnte sie unsere Änderungswünsche nicht mehr durchführen, aber na ja, nicht jeder ist perfekt!

Schon der erste Tag war gespickt mit Lesungen, die uns die Verlegerin „geschenkt“ hatte. Wie sich herausstellte, kostete eine Lesung nur 25 Euro, weshalb wir uns fragten, warum nicht mehr von uns dieses Geschenk bekommen hatten? Für die anderen 15 Autoren, die auch gekommen waren, blieb deshalb nur die Solidaritätsbekundung in Form eines Pilgerstroms, der den Lesenden unterstützte. Einmal schafften wir es sogar, mit unserem Zwischenapplaus weitere Hörer zur Lesebühne zu locken, von denen fünf oder sieben nach der Lesung Bücher des vortragenden Autors kauften. (Davon gingen vier auf mein Konto, auch wenn Katharina behauptet, dass sie davon mindestens einen klargemacht hätte. Kathi, die Meisterin des Fabulierens …)

Am Vormittag des zweiten Tages stand plötzlich eine Hausfrau mit Mikrofon und zwei Kindern am Stand und fragte, ob wir die Autoren seien? Es stellte sich heraus, dass das Schülerradio einer ostdeutschen Schule uns interviewen wollte. Na ja, besser als nichts. Susanna, Katharina und ich spulten also die Antworten zu den Schülerfragen ab. Es kamen noch weitere Schülerradio-Redakteure, die die Verlegerin für uns organisiert hatte. Die Fragen wurden mit der Zeit ein wenig langweilig. Ich hätte die Interviews auch abgeben können, aber letztlich ging es um PR für mein Buch – und da muss man schon ein wenig gewieft sein, was man nicht von allen Autoren behaupten konnte. So äußerte sich Sabrina, als Dietrich sich plötzlich in ihr Gespräch hineindrängte, das ich auch gerne geführt hätte. Aber Dietrich hat nun mal kein Jugendbuch geschrieben, weshalb es zu einer etwas lauteren Auseinandersetzung um die „Interviewrechte“ kam – was die Verlegerin mit einer Kiste Wein abrupt beendete. Der Schweiß stand ihr noch auf der Stirn, so sehr hatte sie sich bei der „Organisation des Alkohols“ beeilt. Den Halbsatz „Bevor sie sich schlagen!“ habe ich auch nur unterschwellig vernommen.

Die Stimmung verschlechterte sich zum Glück nicht weiter, aber so richtig gut wurde sie auch nicht mehr. Susanne erlitt am nächsten Tag während ihrer Lesung, zu der nur noch fünf anwesende Autoren als Schlachtenbummler erschienen, einen Weinkrampf. „Dass ich an dieser schwierigen Stelle meiner Biographie so wenig Unterstützung von euch, meinen Freunden hatte, war schrecklich“, schluchzte sie, als wir betreten wieder am Stand zusammentrafen. „Ja, hätten wir applaudieren sollen, als du die Beerdigung deiner Lieblingstante vorgelesen hast?“, schnappte Rudolph beleidigt. Der Aufschrei der Empörung erstickte in der Stimme unserer Verlegerin: „Wisst ihr was, wir gehen heute abend alle zusammen essen, ich lade euch ein!“ Die Bedeutung dieser Worte ließ sie nachträglich erblassen. Aber anscheinend war ihr inzwischen alles recht, was Schlimmeres verhinderte.

Der Samstag verging, die Messe wurde geschlossen, man wollte sich „frisch machen“ und sich bei einem zentral gelegenen Chinesen zum Essen treffen. Allmählich beruhigte ich mich wieder, während ich in meinem Hotelzimmer duschte und mich heimlich freute, dass die schreibenden Schlaftabletten, die gestern noch unseren Stand bevölkert hatten, bereits das Weite gesucht hatten. Unsere Gruppe war auf handliche zehn Autoren plus Verlegerin geschrumpft. So bekam man auf jeden Fall einen guten Tisch und konnte den harten Kern auf die weiteren Direktiven einschwören. Und es ging auch gut – bis zum obligatorischen Pflaumenschnaps. „Nein, danke“, sagte Rudolph, der sich neben Susanne etwas deplatziert fühlte. „Ich trinke nichts. Haben Sie vielleicht Glückskekse?“ Wir schauten uns an. Dass Rudolph und der Alkohol kein sehr gutes Verhältnis zueinander haben, sieht man ihm an. Wir wollten aber nicht weiter darauf eingehen, denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn jemand seine familiären Baustellen auspackt. Es gibt schon genug Literatur zu Alkoholismus, das wollten wir uns nicht antun.

Die Glückskekse kamen. Mehr im Spaß knackten wir sie und lasen vor, was das Schicksal für uns vorsah. Da wurden angekündigte schwierige Situationen mit Mut gelöst, Klugheit sollte einen Streit beseitigen, Fleiß zum Erfolg führen, Humor den Alltag entspannen, der Ehepartner der Spiegel der Seele sein. Wir kicherten oder lachten, denn anscheinend war für jeden etwas Passendes dabei.

Ganz zum Schluss, als wir schon nicht mehr so richtig zuhören, sondern lieber ins Bett wollten, war  Annegret an der Reihe. Sie hat eine altbackene Anthologie mit Familiengeschichten bei der Verlegerin herausgegeben und wirkt auch sonst eher langweilig. Ihr Pflichtbewusstsein, was den Standdienst anging, nervte zwar; aber sie war jedes Mal ohne zu murren eingesprungen, wenn einer von uns ausfiel oder gerade keine Lust dazu hatte. In unserem Kreis taute sie jedenfalls auf, und es war eine Genugtuung zu sehen, dass sie jedes Wort, das man ihr schenkte, aufsaugte und damit noch etwas mehr erblühte. Bereits jetzt leuchtete sie wie ein Buschwindröschen. – Sie knackte also ihren Keks, las, bekam kugelrunde Augen und mutierte spontan zur Pfingstrose – rot glühte ihr Gesicht, als sie der Verlegerin den Zettel reichte. Die riss die Augen auf und verschluckte sich.

„Was steht denn drin?“, fragte Margot, und auch Richard, der lieber mit Daggi flirtete, drehte sich um.

Ich glaube, Annegret spürte die Sprengkraft dieser im Grunde lächerlichen Weissagung. Und ich denke, im Blick unserer Verlegerin lag mehr als nur freudige Vorahnung. Eine Prise Rache wird dabei gewesen sein, denn sicherlich hatte sie mitbekommen, was da so eifrig vor den Büchern getuschelt worden war … Doch diese Erkenntnis kam mir erst viel später.

„Lies vor“, sagte Sabrina, Thomas nickte bekräftigend. Und die Verlegerin sagte: „Nur zu.“

Also räusperte Annegret sich umständlich, hielt den winzigen Zettel näher an die tiefhängende Deckenlampe und piepste: „Ihr Name wird weltberühmt werden.“

Rudolph war der erste, der sich weigerte, die berühmte Stecknadel fallen zu hören. Er sprang von seinem Stuhl und stürmte davon. Wir anderen sahen uns betreten an. Daggi war sehr blass geworden, Thomas nippte heftig an seinem Weißwein. Sabrina schüttelte fassungslos den Kopf. Ausgerechnet diese graue Maus, sagte ihr Blick, und was ist mit mir? Nur Annegret und die Verlegerin prosteten sich mit einem frisch bestellten Pflaumenschnaps zu und kippten ihn auf Ex. An der Garderobe verlangte der Kellner nachdrücklich die Begleichung der von Rudolph verzehrten Speisen.

Was soll ich sagen? Der Kreis meiner schreibenden Freunde hat sich drastisch dezimiert. Nur Katharina mailt mir regelmäßig, wie schlecht ihr Buch geht, während Annegret mir ihre neuesten Familiengeschichten schickt, damit ich sie lektoriere. Ihr Buch verkauft sich übrigens immer noch wie geschnitten Brot. Susanne spricht auch nicht mehr mit mir und hat ihre Bücher bei einem anderen Verlag untergebracht, mit dem sie ziemlich unzufrieden ist. Ich glaube, sie wird demnächst komplett alles selbst verlegen.

Und mein Alter Ego, die Verlegerin? Die legt mir jeden Samstag einen Glückskeks neben den Frühstücksteller, in dem so erbauliche Dinge stehen wie: Der Neidische ist sein eigener Henker“, oder „Hochmut kommt vor dem Fall“. Zu denken gibt mir der Satz: „Hüte Dich vor dem Zorn eines sanftmütigen Mannes.“

„Ich hab schon verstanden“, knurre ich regelmäßig und schiebe ihr meinerseits einen Zettel hin: „Dem Faulpelz geht die Arbeit von der Hand wie das Pech von der Wand.“ Sie fühlt sich davon natürlich nicht angesprochen, weil sie tut, was eine Verlegerin tun muss – sie kümmert sich um das operative Geschäft.

„Also sieh zu, dass du Inhalte bringst, statt zu intrigieren, du Faulpelz“, raunt sie, „und gib nicht auf! Irgendwann wird es schon klappen!“ Eins muss ich ihr lassen: Ihre Worte haben Durchsetzungskraft. Ich glaube, ich werde jetzt weiterschreiben gehen … und die nächste Glosse produzieren, die da lautet:

„Cassandras Worte oder wenn Autoren flügge werden.“

P. S.: Wer denkt, dass dies alles einem kranken Hirn entsprungen ist, dem soll ich schöne Grüße von meiner Verlegerin ausrichten. Sie legt die Hand dafür ins Feuer, dass sie all das selbst erlebt hat.

Schweden-Krimi Nr. 5: Der Mythos vom Vielschreibertum oder wie man entspannt für seine Bücher werben kann

Nur, damit ihr den Knoten aus dem Kopf bekommt, verrate ich euch hier und heute das Geheimnis meines scheinbaren Vielschreibertums: Ich schreibe an einem Tag X los, bis der Text so rund ist, dass ich bereit bin, ihn herauszugeben. Und wenn dann das Veröffentlichungsdatum feststeht, schreie ich so laut wie möglich rum, dass es bald wieder was Neues von mir geben wird, dass es auch wirklich alle mitbekommen. (Oder bis mich alle geblockt haben, aber das war zum Glück noch nie der Fall.)

Der Clou: Zwischen Marktschreierei und Veröffentlichung vergehen ein paar Wochen, in denen ich vielleicht sogar am nächsten Projekt arbeite.

Und wenn dann der lange angekündigte bzw. angebrüllte Roman erscheint und ich parallel in meiner Selbstherrlichkeit als Autorin schon wieder damit rumprahle, dass ich bereits am nächsten Roman sitze, dann entsteht der Eindruck, dass ich die Romane am Fließband raushaue. So einfach ist das. In Zahlen sieht es 2018 bisher so aus:

Im Januar erschien Tod am Niederrhein als E-Book bei Ullstein

Im Februar erschien Tod am Niederrhein als Print bei Ullstein

Im März habe ich den nächsten Niederrhein-Krimi fertig gestellt und euch ums Daumendrücken gebeten

Im April habe ich die Print-Ausgabe von Schweig still herausgegeben. Das E-Book erschien im September 2016 bei Ullstein.

Den Mai nutzte ich, um kräftig über das ach so kräftezehrende Lektorenleben zu lamentieren und dabei immer wieder Infos über den nächsten Niederrhein-Krimi fallen zu lassen, für den ihr schön die Daumen drücken solltet:

Und jetzt der Trick:

Anfang Juni habe ich die Print-Ausgabe von Im Rausch herausgebracht. Das E-Book erschien im August 2017 bei Ullstein.

Seitdem füttere ich euch auch wieder mit Verschreibern aus dem nächsten Schweden-Krimi, der im September erscheinen wird. Das Cover dazu entsteht gerade.


Aber wo kommt auf einmal der nächste Schweden-Krimi her und was ist aus dem Niederrhein-Krimi geworden? Und was hat das alles mit Schweden-Krimi Nr. 5 zu tun? Das, meine lieben Leser, erfahrt ihr in den nächsten Wochen!

 

Prioritäten setzen

Was ich tun sollte: Am nächsten Projekt schreiben.

Was ich bisher getan habe: Einen wahnsinnig überzogenen Blogpost für morgen geschrieben und angegeben wie eine Tüte Mücken, was ich doch für eine superkrasse Autorin bin!

Was ich jetzt machen werde: Kaffeepäuschen.

Gordito1869 - Eigenes Werk

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Espresso_La_Cimbali_1.JPG#/media/File:Espresso_La_Cimbali_1.JPG

Aus dem Lektoratsbüro: Briefe aus dem Sturm. Anthologie Juni 2018

Herausgeberinnen: Magret Kindermann, Wiebke. Tillenburg

Briefe wurden schon zerrissen und geküsst, mit ihnen wurden Kriege erklärt, Morde gebeichtet oder dafür genutzt, den geliebten Menschen in Übersee etwas lauter zu vermissen. Es gibt kein Medium, in dem Worte so sorgfältig ausgewählt werden wie handschriftlich auf einem Blatt Papier. Meine Seele kann ich nur Papier anvertrauen, heißt es in einer der fünfzehn Geschichten in diesem Buch. Nimm dir Zeit, denn dieser Brief ist für dich. Öffne ihn. Folgende Autoren sind in diesem Buch versammelt: Nicole Neubauer, June Is, Wolfgang Lamar, Esther Wagner, Julia von Rein-Hrubesch, Wiebke Tillenburg, Kia Kahawa, Magret Kindermann, M.D. Grand, Alexander Greiner, Denny Sachs, Vanessa Glau, Jessicer Iser.

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