Farewell

FegefeuerWerkstattbericht 12. Oktober 2015

Und … Fertig! Vorgestern habe ich die Finalversion von „Fegefeuer“ abgeschickt. In den letzten Tagen war ich zunehmend genervt vom Überarbeiten, hatte absolut keine Lust mehr und wollte nur noch fertig werden. Das ganze Schreiben war fokken stressig. Gleichzeitig hatte ich große Sorge, dass ich wieder so extrem unglücklich-nervös sein werde wie nach der Vollendung der Rohfassung, sobald die Arbeit an „Fegefeuer“ abgeschlossen ist, und dass ich Desiree, Sabrina, Chilla, Sergej und all die anderen ganz brutal vermissen werde. Ich habe schon zu Nora gesagt, dass ich mir allmählich vorkomme wie eine Teenagermutter, die sich die ganze Zeit heftigst über ihre Gören aufregt und parallel dazu den nahenden Tag fürchtet, an dem sie von zu Hause ausziehen.

Und jetzt? – Bin ich einfach nur vollends glücklich, dass „Fegefeuer“ fertig ist und sooo hammermäßig schick auf Amazon aussieht. Das ist mein Roman! Mein fokken cooler Roman, den ich hunderttausendmal verflucht habe, der mir mehr abverlangt hat, als ich mir je zugetraut hätte, der mich durch eine verdammt üble Zeit getragen hat! Whoa! Mein Roman, auf den ich unendlich stolz bin, der mich immer daran erinnern wird, wie fokken tough ich sein kann, wenn‘s ums Schreiben geht! Mein „Fegefeuer“!

Gastroman von Nadine Muriel, E-Book, ca. 200 Seiten, 0,99 €

Fegefeuer vs. Nibelungenlied

FegefeuerWerkstattbericht 28. September 2015

Lektoratsendspuuurt! Ich vertreibe mir beim Warten auf die Mondfinsternis die Zeit, indem ich die Änderungsvorschläge aus dem Lektorat in „Fegefeuer“ einpflege. (Zwischendurch hatte ich die brillante Idee, dazu auch noch Mondsongs zu hören, kam von „Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd zu „Harvest Moon“ von Neil Young, was mich dazu animierte, mit „Heart of Gold“ weiterzumachen, und als ich bei „Like a Hurricane“ ankam, fand ich, dass der Abend so einen eher ungesunden Verlauf nimmt. Jetzt höre ich wieder die „Lassie Singers“, wie eigentlich meistens in den letzten Wochen. Die haben zwar nichts mit dem Mond zu tun, aber das hat „Like a hurricane“ auch nicht). Insgesamt gibt es für mich sehr viel zu überarbeiten. Besonders enttäuscht bin ich, dass die Verhörszene, auf die ich so stolz war, in dieser Form nicht funktioniert, sodass ich sie komplett umschreiben muss. Na ja, es reicht nicht, tolle Ideen zu haben, man sollte sie auch stimmig umsetzen. *seufz * …

Anm. d. Verlegerin: Auch wenn es allgemein angenommen wird – ich habe mir nicht kichernd die Hände gerieben und böse Worte ins Skript getippt. Es tat mir gerade bei der Verhör-Szene leid, Änderungen anzumerken, da sie trotz allem mit so viel Hingabe geschrieben war. Aber leider, leider …

Man merkt deutlich, dass ich durch all den Beziehungs- und Trennungsfrust doch mehr neben der Spur war, als ich dachte. Ebenso fällt ganz deutlich auf, dass ich im Romanschreiben kaum Erfahrung habe und „Fegefeuer“ zudem mein erster Krimi ist. Der Spannungsaufbau funktioniert noch nicht, denn oft haue ich Infos sofort geballt raus, statt Verdachtsmomente nach und nach zu häufen, und vielfach habe ich Dinge, die ich wichtig finde, komplett überinszeniert (okay, mit Letzterem befinde ich mich zumindest in bester Gesellschaft, denn das hat der Dichter des Nibelungenlieds auch gemacht. Aber ändern muss ich es trotzdem, denn „Fegefeuer“ soll ja im Gegensatz zum Nibelungenlied von vernünftigen Leuten gelesen und nicht einer Horde volltrunkener Ritter vorgetragen werden, die am nächsten Tag sowieso nichts mehr wissen und denen man darum alles fünfmal erzählen muss).

Anm. d. Verlegerin: Also, ich lese trotzdem lieber „Fegefeuer“ mehrmals hintereinander, als mir noch einmal das „Nibelungenlied“ anhören zu müssen. (Wobei, das war auch nur in Auszügen der Fall, aber ich war zu dem Zeitpunkt leider nur Schülerin und nicht volltrunken in eine Blechdose gekleidet. In kompletter Rüstung mit entsprechender Promille-Einlage kann man die gereimten Nibelungen wahrscheinlich besser ertragen.

Echt verrückt, das alles sind Sachen, die ich beim Schreibcoaching oft genug kritisiert habe, aber es dann selbst richtig zu machen, ist doch was ganz anderes. Aber genau dafür gibt es ja das Lektorat – nämlich damit man von all diesen Schwachstellen später nichts mehr sieht. „Fegefeuer“ wird jetzt supercool!

Anm. d. Verlegerin: Logisch!

Gastroman von Nadine Muriel, E-Book, ca. 200 Seiten, 0,99 €

 

Katzenjammer

FegefeuerWerkstattbericht 4. September 2015, die 1.

Boah, das ist so furchtbar, ich habe das Manuskript für „Fegefeuer“ jetzt fertig! (Okay, wenn es nicht fertig wäre, wäre das noch viel furchtbarer, aber darum geht es jetzt ja nicht). Seit anderthalb Jahren werkele ich nun an den Ballettromanen. All die Zeit über war Tag für Tag der Gedanke, dass ich noch dies oder jenes daran tun sollte, ständig irgendwie präsent. Dadurch waren Desiree, Iris, Sabrina, Vico und all die anderen in meinem Alltag gewissermaßen allgegenwärtig. Mit ihnen habe ich mehr und intensivere Zeit verbracht als mit den meisten Menschen.

Und jetzt bin ich plötzlich fertig?! – Ach fokken, was soll ich denn den Rest des Abends machen?

Nein, es ist nicht so, dass ich nichts zu tun hätte, mit zwei anspruchsvollen, umfangreichen Schreibcoaching-Aufträgen, einer bevorstehenden Familienfeier nächste Woche und dann ein paar Tage später der großen Federfunken-Jubiläumsparty. Aber ich bin viel zu unruhig, um mich auf irgendwas zu konzentrieren. Meine letzte halbwegs sinntragende Handlung heute bestand darin, dass ich einem Autorenkollegen eine leicht hysterische „Heya-Hilfe- das-Manuskript-ist-fertig“-Mail geschrieben habe. Seitdem hibbele ich überdreht vor dem Rechner herum und rufe alle fünf Minuten meine Facebook-Nachrichten ab, um zu gucken, ob meine Verlegerin schon die Nachricht mit meinen Texten gesehen hat. Meine Güte, ein Teenagermädchen, das grad seinem Schwarm geschrieben hat, ist nichts gegen mich (so, nun wisst ihr auch, wo wir Jugendbuchautoren unsere Inspiration hernehmen. Die Erlebniswelt eines Autors unterscheidet sich nämlich nur rudimentär von der eines Teenagers!).

Anm. d. Verlegerin: An dem Tag war ich auf dem GarchingCon und habe mich von Perry-Rhodan-Autoren berieseln lassen. Ja, ich stehe dazu, ich bin fremdgegangen! Aber manchmal ist der Blick in ein anderes Genre geradezu erfrischend. Auch wenn der Nerd-Level nicht wesentlich niedriger war, als wenn ich einem Verlegertreffen beigewohnt hätte …

Als ich Anfang des Jahres „Feuertanz“ fertig geschrieben hatte, war es ganz anders. Da bin ich nach dem 24-stündigen Nonstop-Schreibmarathon komatös ins Bett gekippt und mir war alles egal. Aber jetzt ist es so schlimm! Die konstante Beschäftigung mit „Fegefeuer“ hat mir über die schlimmste Trennungsphase hinweggeholfen. In Gedanken war ich ja irgendwie doch immer bei Desiree und ihren Freunden, sodass mich das Liebesleid nie vollauf vereinnahmen konnte (oder wie Nora es ausgedrückt hat: „Man kann doch bestimmt nicht hundertprozent traurig sein, wenn einem dauernd Teenager im Kopf herumtanzen.“). Wie soll ich mich denn jetzt ablenken, wenn ich grübeln muss?

Gastroman von Nadine Muriel, E-Book, ca. 200 Seiten, 0,99 €

 

Männlicher Sahneschnitten-Alarm

FegefeuerWerkstattbericht 9. August 2015

Es ist herrlich: Nora und ich sitzen auf ihrem Balkon und über uns tobt ein Gewitter mit Blitz, Donner, Regen etc. … Bestes Schreibwetter also! Wie schade, dass ich die Szene, in der Desiree erschreckt wird, schon fertig habe, die hätte grandios gepasst. Also muss ich mit der Entlarvung des Vandalen Vorlieb nehmen. Hihihi, jetzt seid ihr alle neugierig, aber ich verrate nicht, wer es ist …

Zwischendurch hatten Nora und ich noch mal mein Liebesleid bequatscht, kamen von da kurz auf das Thema, was wir generell bei Kerlen anziehend finden, und daraus wurde dann sehr schnell Autorinnen-Fachsimpelei zu der Frage, ob unsere männlichen Protas unserem persönlichen Beuteschema entsprechen. Das mag zwar ein bisschen tussig klingen, aber gerade bei den Ballettromanen, also „Feuertanz“ und „Fegefeuer“, hatte ich mir tatsächlich im Vorfeld schon einige Gedanken dazu gemacht. Bei meinen anderen Texten, die sich an erwachsene Leser richten, war das nicht der Fall.

Um es gleich vorweg zu nehmen – Vico und Yannick, die zentralen männlichen Figuren in „Feuertanz“ und „Fegefeuer“, wären jetzt beide rein vom Aussehen her definitiv nicht so mein Typ, selbst wenn sie 25 Jahre älter wären. Das ist volle Absicht und letzteres – das Alter – ist der springende Punkt. Es gibt ja einige Szenen, in denen Desiree sehr schmachtet. Bei der Vorstellung, so was zu schreiben, in Desirees Anhimmelei einzutauchen und mir zwischendurch plötzlich bewusst zu werden, dass die Jungs, um die es da geht, vom Alter her fast meine Söhne sein könnten, wurde mir ganz mulmig zumute. Nein, sorry, das geht nicht! Das fühlt sich extrem abstoßend und eklig an. Da musste ich für mich ganz klar eine Grenze zwischen Desirees und meiner Perspektive ziehen. Deswegen habe ich Vico und Yannick von Anfang an so angelegt, dass sie mir eh nicht gefallen würden, selbst wenn ich in Desirees Alter wäre oder sie in meinem.

Und nun frage ich mich, ob andere Jugendbuch-AutorInnen, in deren Texten Knutsch-, Schmacht- und Liebesszenen vorkommen, sich auch solche Vorab-Gedanken machen …

Anm. von Alicia: Ja!!!

Gastroman von Nadine Muriel, E-Book, ca. 200 Seiten, 0,99 €

 

Living Teenies

FegefeuerWerkstattbericht 7. August 2015

Äh. Nicht nur „Fegefeuer“ nimmt zunehmend Gestalt an, auch mein Alltag gewinnt derzeit auf rasante Weise Ähnlichkeit mit einem Teenager-Roman.

Was heute dank Nora richtig cool gereift ist, ist die Szene, in der Desiree verhört wird. Ehe ich zu Nora fuhr, wusste ich gar nicht, wie ich diese Szene ausgestalten soll. Ich mag meine Verhör-Szene in „Feuertanz“, weil sie so zielgerichtet verläuft: Das Verhör plätschert nicht einfach nur vor sich hin, bis schließlich der andere Polizist hinzukommt und es unterbricht, weil Iris gestanden hat, sondern es gibt eine klare Strategie, die die beiden Polizistinnen verfolgen, und dementsprechend hat es eindeutige Spannungshöhepunkte. So ähnlich wollte ich auch das Verhör in „Fegefeuer“ konzipieren. Das Problem? Ich hatte null Idee, wie. Die gleiche Struktur wie in „Feuertanz“ konnte ich nicht mehr nehmen und eine andere fiel mir nicht ein (wie ich schon in meinem früheren Werkstattbericht erwähnte, meine Inspiration für Verhöre sind doch weniger heitere Krimis, sondern eher Werke wie „Nackt unter Wölfen“ oder „Elser“ und da wird nicht so subtil verhört). Das Wissen, dass ich unter Zeitdruck stehe, und die Tatsache, dass ich durch mein Beziehungsdrama den Kopf immer noch nicht so richtig frei habe, machte es nicht leichter.

Nun denn. Heute haben Nora und ich gemeinsam eine Strategie für das Verhör entwickelt. Es ist einfach cool, von außen Denkanstöße zu bekommen und mal einen ganz neuen Blick auf die Möglichkeiten, eine Szene zu gestalten, zu gewinnen. Also, als Ausgangsbasis haben wir nach einigen Gedankenspielen die Grundkonstellation „guter Bulle, böser Bulle“ gewählt und dann herumgetüftelt, was sich so daraus machen lässt. Mehr will ich jetzt gar nicht verraten.

Besonderen Spaß macht es, solche nerdigen Autorengespräche beim Kochen zu führen: „Wenn Desiree so reagiert, könnte Frau Trevaj doch sagen – gib mir mal bitte den Feta.“

Jetzt steht nicht nur ein leckererer Spinat-Feta-Blätterteig im Backofen, der gegessen werden will, sondern neben mir liegt auch ein Zettel, auf dem ich einen klaren Gesprächsverlauf notiert habe, der nun konkret ausformuliert werden will.

Gastroman von Nadine Muriel, E-Book, ca. 200 Seiten, 0,99 €

 

Honorarkräfte

Fegefeuer

Werkstattbericht 5. August 2015

Die weltbeste Nora hat mich aus meiner Verzweiflung gerettet, indem sie mir vorgeschlagen hat, dass ich vorerst jeden Tag bei ihr verbringen und bei ihr „Fegefeuer“ schreiben soll. Jetzt wohne ich also mehr oder minder bei Nora und gehe eigentlich nur zum Schlafen, Duschen und Klamottenwechseln nach Hause. Das ist die ideale Lösung! So bin ich nicht allein und kann trotzdem an „Fegefeuer“ weiterarbeiten. Wenn der Herzschmerz zu schlimm wird, kann ich zwischendurch mit Nora quatschen und mich bei ihr ausjammern oder wir reden über irgendwas komplett anderes, damit ich auf andere Gedanken komme. Und wenn ich vor lauter Liebeskummer völlig den Bezug zu meinem Text verliere und nicht weiterweiß, erzähle ich ihr die Szene und wir tüfteln gemeinsam daran herum, bis ich quasi wieder in „Fegefeuer“ drin bin. Außerdem sorgt Nora dafür, dass ich gelegentlich sogar etwas esse. Ich glaube, ohne Nora würde ich das alles nie schaffen! Das Kapitel mit der Premiere der „Nacht der Feuergeister“, das vorgestern wie ein unüberwindbarer Berg vor mir lag, habe ich tatsächlich fertig!

(Und weil ihr jetzt bestimmt alle neugierig seid, wer mir da so cool hilft und wo ich gerade bin, hier mal Noras Website: http://www.philikarus-scriptlabor.com )

Überhaupt bin ich gerade ganz überwältigt, wie toll meine FreundInnen für mich da sind, sich Zeit für mich nehmen und gleichzeitig Verständnis dafür haben, dass ich halt nicht unbegrenzt Zeit habe, weil ich ja „Fegefeuer“ fertigstellen muss. (An dieser Stelle schmeiß ich mal ein herzliches Dankeschön an Diana für das spontane Schokolädchen und an Eva fürs exzessive Skypen rein, weil ich weiß, dass beide hier mitlesen : ) ). Ich glaub, mit so lieben Freundinnen ist auch das Single-Leben auf Dauer gar nicht so schlimm, wenn ich mich erst mal dran gewöhnt habe. Und dafür, dass ich in der allerfiesesten Trennungsschmerzphase sogar noch ein Buch geschrieben habe, werde ich mir irgendwann bestimmt mal selbst fokken kräftig auf die Schulter klopfen!

Anm. d. Verlegerin: Äh … wie viele Leute kriegen demnach ein Honorar? 😉

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Neustart

FegefeuerWerkstattbericht 2. August 2015

So, die Frage, wie es mit meiner desolaten Beziehung weitergehen wird, hat sich dann auch erledigt, es ist nämlich seit gestern aus zwischen uns. Fokken. Es ist alles so schrecklich! Mir kommt diese ganze Situation vor wie ein schlimmer Traum, aus dem ich jeden Moment erwachen muss. Was sich hier in den letzten Wochen abgespielt hat, kann doch nicht wirklich passiert sein?

Und wieder ist „Fegefeuer“ irgendwie mit diesem Drama verwoben (sonst würde ich das ganze Herzschmerzzeug auch gar nicht im Statusbericht erwähnen). Ich hab in zwei Wochen Deadline für den ersten Teil, daneben stehen noch wichtige Schreibcoachingprojekte an. Gestern habe ich gemerkt, dass ich psychisch und auch körperlich schlichtweg an meiner Grenze angelangt bin durch diese ständigen Diskussionen mit meinem Inzwischen-Ex, bei denen einfach keine Lösung in Sicht war, auf jeden Schritt nach vorn zwei Schritte zurück folgten und mir so viele seiner Reaktionen furchtbar weh taten. (Ex …Ich kann es irgendwie kaum glauben : ( ! Über 15 Jahre lang war er meine große Liebe und jetzt plötzlich „Ex“!). Er hätte dieses ewige unergiebige, zermürbende Hin und Her wahrscheinlich noch länger durchgezogen, aber ich konnte einfach nicht mehr – nicht, wenn ich noch irgendwie meinen Alltag inklusive Selbständigkeit und Schreiben bewältigen muss. Deswegen habe ich Schluss gemacht. Je mehr ich nachdenke, desto klarer wird mir, dass unsere Beziehung nicht zu retten gewesen wäre. Mein Schreibstress (plus Schreibcoachingstress) war quasi der Katalysator, indem er mir geholfen hat, zu erkennen, dass es so nicht weitergehen kann.

Nun kann ich mir immerhin sagen, dass ich mich in dem Moment, als ich alles beendet habe, nicht aus purer Verzweiflung getrennt habe, sondern weil es in meinem Leben etwas gibt, das mir wichtiger ist, als mich selbst aufzureiben, indem ich an einer hoffnungslos kaputten Beziehung herumdoktere: Nämlich meinen Seelenfrieden, mein Schreiben („Fegefeuer“!) und meinen Beruf.

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Fokken New Year!

FegefeuerWerkstattbericht 14. Juli 2015

Alles fokken. Hatte ich zu Beginn des Werkstattberichts noch beklagt, dass „Fegefeuer“ mir eher wie eine Schreibübung erscheint, die mich nicht persönlich herausfordert? Pah, von wegen! Hier geht alles den Bach runter. Schlimmste Beziehungskrise ever. Herzschmerz ohne Ende, seit ca. 3 Wochen jetzt. Und „Fegefeuer“ ist irgendwie mit allem, was sich bei uns abspielt, verwoben. Manchmal erscheint es mir kaum möglich, mich auf die Story zu konzentrieren, aber irgendwie schaffe ich es letztendlich doch. Dann kann ich all meine Verzweiflung in den Text fließen lassen und tauche dabei allmählich so intensiv in Desirees Welt ab, dass ich meine eigenen Sorgen darüber zeitweise fast vergessen kann. Wenn ich dann wieder aus dem Schreiben „zurückkomme“, bin ich entspannt und glaube, dass doch noch alles gut wird und wir Lösungen finden können. Gleichzeitig ermutigt „Fegefeuer“ mich, Konfliktpunkte anzusprechen und auf Diskussionen darüber zu beharren. Es ist so frustrierend, die Teenager in meinem Buch können klar entscheiden, mit wem sie zusammensein wollen und Beziehungen, die ihnen nicht guttun, resolut beenden – und wir, mein Freund und ich, sind fast vierzig und schaffen das nicht. So kann das doch nicht weitergehen? Aber okay, in über 15 Beziehungsjahren sammeln sich eben mehr gegenseitige Verletzungen an und gleichzeitig ist es schwerer, sich endgültig voneinander zu lösen, als es bei einer kurzen Romanze der Fall ist. Alles sehr tragisch. Und jetzt muss ich weiterschreiben. „Fegefeuer“ ist wie eine Droge, die mich von allen schlimmen Gedanken, wie es wohl weitergehen wird, abschirmt …

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Die arme Poetin mit der klebrigen Tastatur

FegefeuerWerkstattbericht 12. Juli 2015

Eigentlich wollte ich jetzt die Szene fertigstellen, in der Desiree Gerhild mit der Anschuldigung konfrontiert, sie sei die Vandalin. Aber ich fürchte, ich muss zuerst das Problem lösen, wie ich die geschmolzene Margarine und den Nektarinensaft aus meiner Tastatur bekomme. Wääääh, das ist soooo fokken eklig! Egal, wo ich hinfasse, alles klebt, fettet und schmiert! In der letzten halben Stunde hatte ich versucht, der Sache durch wohlwollendes Ignorieren Herr zu werden und mich beim Schreiben einfach nicht um das Elend auf meiner Tastatur zu kümmern. Das Ergebnis ist, dass jetzt alles mit Margarine-Nektarinen-Schleim vollgematscht ist: meine Finger, die Teetasse, der Stift, der Notizblock, der Aschenbecher, die Stereoanlage … Und nein, hier folgt jetzt keine spannende Geschichte, wie die Margarine und der Nektarinensaft auf meine Tastatur gelangt sind. Die sind da auf genauso unspektakuläre Weise hin gekommen wie der Kaffee, die Kekskrümel, Reiskörner, Sesamkörner, Brötchenkrümel und all die anderen Dinge, die so anfallen, wenn man sich schmausend über die Tastatur beugt.

Hm, ich frage mich gerade, ob das vielleicht die moderne Version von Spitzwegerichs armem Poeten ist: der Autor, der zwar nicht in einer totalen Bruchbude lebt, dafür aber seine Texte mit einer komplett vollgeschmodderten Tastatur tippt.

Anm. d. Verlegerin: Ich würde sagen: ja.

Nun gut, genug lamentiert. Jetzt aber mal Butter bei die Fische, äh, nein, im Gegenteil, weg damit, weg mit der Margarine von der Tastatur! Schließlich will ich ja ungestört weiterschreiben, damit ihr erfahrt, wie Gerhild auf Desirees Vorwürfe reagiert …

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Bisschen Hirnfutter

FegefeuerWerkstattbericht 10. Juli 2015

An dieser Stelle möchte ich diskret darauf hinweisen, dass ich vor gefühlten hunderttausend Jahren Kriminalsoziologie studiert habe und einige der Theorien, mit denen ich mich im Rahmen meines Studiums beschäftigt habe, in „Feuertanz“ und „Fegefeuer“ einfließen lassen konnte. In „Feuertanz“ kommen der Labelling Approach von Becker und Goffmanns Stigmatisierungstheorie zum Tragen, indem Chillas Verhalten ganz anders bewertet wird, sobald bekannt wird, dass sie psychische Probleme hat. Chillas Erklärung, warum sie nachts das Valeska-Gert-Theater auskundschaftet, enthält eine Anspielung auf Sutherlands Theorie der differentiellen Kontakte. In Fegefeuer wiederum nennt eine Figur eine klassische Neutralisierungstechnik à la Sykes / Matza, um zu rechtfertigen, warum sie etwas nicht gerade Nettes getan hat. Zudem gibt es dort eine Figur, die typische Mafiamethoden anwendet, indem sie gezielt eine Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens kreiert, in der andere gezwungen sind, ausschließlich ihr zu vertrauen.

So! Ob diese Ausführung sonderlich interessant war, wage ich zu bezweifeln. Aber das alles rauszuhauen war mir jetzt ein inneres Bedürfnis, weil ich mir grad so unglaublich verblödet verkomme, nachdem ich dieses ganze fokken Krimizeug über Polizeiarbeit, Bestrafung des Täters etc. schon wieder nachfragen musste. Ich meine, es ist ja nicht so, dass ich mich nie mit irgendwelchen kriminologischen Themen beschäftigt hätte und dann mal eben einen Krimi zusammenschustern will. Aber genau so fühle ich mich gerade.

Wie handhaben das eigentlich andere Krimiautoren? In Storys, in denen die Polizei ermittelt, muss man sich ja noch viel besser mit der Polizeiarbeit auskennen … Machen die Autoren da alle erst mal ein Praktikum bei der Polizei oder drehen selbst ein Ding, um die entsprechenden Einblicke zu gewinnen? Oder gehört so was eigentlich zur Allgemeinbildung und ist allein mir unbekannt?

(Und jetzt beende ich diese Statusmeldung, indem ich sie allerherzlichst meinem Krimsoz-Prüfer widme, ehe ich aus Frust auch noch drölfzigmillionen Subkulturtheorien erörtere – das war nämlich mein Schwerpunktthema!)

Gastroman von Nadine Muriel, E-Book, ca. 200 Seiten, 0,99 €

 

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